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7. November 2008 0

Fotografie war nie Abbild, sondern immer Interpretation

Von Marko Radloff

Christiane Feser hat ihr Diplom an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach gemacht. Die Künstlerin nutzt Fotografie um im wirklichen Sinne des Wortes, Bilder zu machen. Wobei Feser ganz selbstverständlich BIlder digital bearbeitet und gleichzeitig bekannte Sehgewohnheiten aufnimmt, um das Spektrum der gewonnenen Möglichkeiten auszuloten. Mit den Mitteln der digitialen Bildbearbeitung entstehen so faszinierende Serien wie ‘Frauen’ oder ‘Strassen’.

Zum fotografischen Werk von Christiane Feser gibt es bereits eine Monografie erschienen im Verlag für Moderne Kunst Nürnberg mit dem Titel ‘Christiane Feser – Arbeiten‘. Im Interview habe ich Christiane Feser nach ihren fotografischen Ambitionen, ihrer Rolle als Fotografin und auch nach der Entstehung von Bildern befragt.

© Christiane Feser - Frauen

© Christiane Feser - Frauen

bildwerk3/Marko Radloff: Ihre Serien ‚Frauen’ und ‚Strassen’ variieren sehr eindrucksvoll die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung – auf den zweiten Blick. Eine bewusste Gradwanderung?
Christiane Feser: Der Einsatz von digitaler Bildbearbeitung im Sinne eines inhaltlichen Eingreifens in den Bildgegenstand ist für mich in fast allen meinen Serien ein wichtiges Werkzeug. Dies bedingt sich aber vor allem aus dem Umstand, das digital veränderte Fotografien heute unsere Medienwelt bestimmen, weshalb ich es spannend finde deren Wirkweise zu untersuchen und für eigene Bilder einzusetzen.

Außerdem hat die technische Entwicklung der Fotografie in ihrer Geschichte immer wieder dazu geführt, dass es eine Erweiterung des Blickes auf unsere Welt gab, in dieser Tradition sehe ich auch die Möglichkeiten des digitalen Bildes.

Zielt die Serie ‚Frauen’ bewusst auf das gegenwärtige ‚Reinheitsgebot’ im klassischen Portraitfach?
Die Arbeit zeigt Fotografien von Freundinnen von mir, ungeschminkt und in Alltagskleidung, die ich, gemäß einer Anleitung für die digitale Optimierung von Portraitfotografien, nachbearbeitet habe.

Die Eingriffe die hier getätigt werden gehen weit über das bloße Entfernen von Hautunreinheiten hinaus, die Gesichter werden vielmehr digital neu aufgebaut. Hier hat mich vor allem interessiert wo die Grenze zwischen dem Idealen und dem Monströsen verläuft. Die Bilder hängen auf Augenhöhe und wirken auf Männer und Frauen sehr unterschiedlich.

© Christiane Feser - Strassen

© Christiane Feser - Strassen

Manche halten Fotografie für ein Abbild der Realität. Was entgegnen Sie denjenigen?
Fotografie war natürlich noch nie Abbild sondern immer nur Interpretation von Realität. Trotzdem ist es immer wieder interessant zu beobachten wie lange die Betrachter oft brauchen um auch sehr offensichtliche Bildbearbeitungen als solche zu verstehen.

Das macht in meinen Augen den Einsatz von digitalen Eingriffen ins Bild im Kunstkontext auch so verführerisch da es so möglich ist eigene Bildwelten zu konstruieren ohne dabei Spuren des eigenen Eingriffs zu hinterlassen.

Wie ist Christiane Feser zur Fotografie gekommen?
Bevor ich zu fotografieren begonnen habe, habe ich lange nur Skulpturen gemacht. Zur Fotografie bin ich während meines Studiums an der Hochschule für Gestaltung Offenbach gekommen, der Studiengang visuelle Kommunikation dort ist sehr frei und interdisziplinär angelegt.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Foto?
Mein erstes richtiges Foto zeigte den kahlen Hinterkopf eines Freundes der seine Haut so stark zusammenschieben konnte, dass sie wie ein Gehirn aussah.

Entwerfen Sie heute zunächst das Bild und fotografieren dann oder ist es noch manchmal umgekehrt?
Da ich sehr konzeptionell arbeite, weiß ich immer schon vorher wie die Bilder in etwa aussehen sollen, woraus sich die eingesetzte Technik dann ableitet.

Daneben sammle ich aber auch gefundene Fotografien wie z.B. von Spiegeln die im Internet versteigert werden, oder transformiere gefundene Fotografien durch den Einsatz von verschiedenen fotografischen Verfahren wie beispielsweise bei der Serie der Hunde.

Wo würden Sie sich als Fotografin selbst einordnen?
Ich sehe mich eher als Künstlerin die konzeptionell mit dem Medium Fotografie arbeitet statt als Fotografin, da mich die Fotografie mehr in ihrer Funktionsweise interessiert.

Haben Sie Vorbilder und wenn ja, welche?
Es gibt viele Künstler, Fotografen aber auch Designer, Musiker und vor allem Schriftsteller deren Arbeiten ich aus sehr unterschiedlichen Gründen spannend finde, aber ein klassisches Vorbild gibt es darunter nicht.

© Christiane Feser - Hunde

© Christiane Feser - Hunde

Wie wichtig sind Preise und Stipendien?
Das kann ich nicht einschätzen. Unwichtig sind sie wahrscheinlich eher nicht, werden aber oft überbewertet. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung als Jurymitglied des deutschen Jugendfotopreises weiß ich wie unterschiedlich die Aufassungen von „gut“ und „schlecht“ gerade in der Beurteilung von Fotografien oft sein können.

Woran arbeiten Sie gerade?
Momentan arbeite ich an Falten und mit Tauben.

© Christiane Feser - Falten

© Christiane Feser - Falten

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  • TillaPe: Es könnte eine Leicaflex SL sein....