27. Oktober 2008 M.R. 4

Juergen Staack – Transcription-Image

Juergen Staack ist einer der Gewinner von ‘Gute Aussichten 2008/2009′. Seine Arbeit ‘Transcrition-Image’ läßt sich am besten übersetzen mit ‘Bildumschreibung’ oder ‘Umschrift’ respektive ‘Umdeutung des Bildes’. Tatsächlich berührt Staack einen der am wenigsten greifbaren, aber immer vorhandenen Aspekte des Fotografischen: das nimmermüde Misstrauen gegenüber dem Abbild. Fotografie ist so täuschend, dass sie für Wirklichkeit gehalten wird und es doch nicht sein kann …

Um die Arbeit von Juergen Staack besser zu verstehen – das etwas wortkarge Interview bringen wir natürlich auch – gibt es am Schluss dieses Beitrages den Text von Valeria Liebermann.

© Jürgen Staack

© Juergen Staack

Marko Radloff/Bildwerk3: Was bedeutet die Teilnahme und die Auswahl zum Förderprogramm ‚Gute Aussichten – junge deutsche Fotografie’ für Dich persönlich?
Juergen Staack: Ich freue mich bei “Gute Aussichten” dabei zu sein.

Bei ‚Gute Aussichten’ geht nichts ohne Nominierung: Wer hat Dich für ‚Gute Aussichten’ empfohlen?
Prof. Christopher Williams

Wie bist Du zum Fach Fotografie gekommen?
Ich habe Kunst studiert.

© Jürgen Staack: Polaroid-Black-Chinesisch

© Juergen Staack: Polaroid-Black-Chinesisch

Wo würdest Du Deine fotografischen Schwerpunkte sehen?
Meine Arbeit beinhaltet nicht nur Fotografie. Ich interessiere mich für die Grenzbereiche des Mediums.

Gibt es unter lebenden oder auch toten Fotografen Vorbilder für Dich?
Nein.

Spielt die Frage der fotografischen Technik eine Rolle und wenn ja, in welcher Form?
Das hängt vom Standpunkt ab.

© Jürgen Staack: Polaroid-Black-Englisch

© Juergen Staack: Polaroid-Black-Englisch

Die Fotografien für ‚Gute Aussichten’, die im kommenden Jahr durch Deutschland touren sind bereits gemacht. Woran arbeitest Du jetzt gerade?
Die Arbeit “Transcription – Image” ist noch nicht beendet.

Welche Perspektiven haben junge Fotografen heutzutage angesichts sinkender Preise und zurückgehender Auflagenzahlen?
Das weiß ich nicht.

Traumberuf Fotograf? Für Dich persönlich eine Perspektive?
Nein. Ich werde weiter meine Arbeiten machen.

© Jürgen Staack

© Juergen Staack

Valeria Liebermann über die Arbeiten von Juergen Staack

Der Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit von Juergen Staack liegt in einer unterschwelligen Skepsis gegenüber der visuellen Anziehungskraft des fotografischen Bildes. Um diese zu brechen versucht er seit einigen Jahren die Verwandlung beziehungsweise Auflösung des fotografischen Bildes in ein nicht mehr visuell erfahrbares, immaterielles Bild voranzutreiben. An der einzelnen Fotografie als solcher hält er zwar noch bedingt fest, benutzt auch fast ausschließlich das Unikate erzeugende Polaroid, da ihm die Entstehung und die Geschichte, die hinter ihr steht wichtig ist. Dennoch lässt er die einzelne Aufnahme zugunsten eines „Denk-Bildes“ in den Hintergrund treten oder sogar verschwinden.

Dies kann auf vielfältige Art passieren. Sei es, dass er im öffentlichen Raum selbst fotografierte Polaroidaufnahmen installiert und sie dort dem Zerfall überlässt, oder dass er an Freunde und Bekannte als Ansichtskarte getarnte Fotos schickt, die erst nach Monaten von den Empfängern auf seine Aufforderung an ihrem aktuellen Aufbewahrungsort mit einem Foto dokumentiert werden sollten. Am weitesten hat Staack aber die Entmaterialisierung des Bildes mit seiner jüngsten Arbeit vorangetrieben, für die er eine Reihe von ausländischen Personen ein von ihm fotografiertes Polaroid in deren Muttersprache beschreiben ließ. Anschließend übermalte er das Polaroid mit einem wasserfesten schwarzen Edding, so dass das Bild an sich nur über die Beschreibung „sichtbar“ bleibt. Der hörbare Text sollte im Idealfall nicht verständlich sein, damit sich der Betrachter ganz auf den Klang der Stimme und auf das im Kopf durch den Ton erzeugte Bild konzentrieren kann. So benötigt er kein visuelles Objekt für den Betrachter mehr, denn das von ihm produzierte „Klang-Bild“ kann als autonomes Kunstwerk seinen Platz in Ausstellungsraum einnehmen.

Im Moment 4 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Tobias sagt:

    Wo werden die Arbeiten zu sehen sein?

  2. Marko sagt:

    Diese Arbeit und all die anderen Arbeiten aus ‘Gute Aussichten‘ werden ab dem 22. Januar 2009, in Hamburg im Haus der Photographie, Deichtorhallen zum ersten Mal zu sehen sein – bis 22. Februar 2009.

    Vom 11. März bis zum 26. April 2009 ist ‘gute aussichten 2008/2009′ dann in der vhs-photogalerie in Stuttgart und ab Anfang Mai bis Ende Juni 2009 im Art Foyer DZ Bank in Frankfurt/Main und ab Mitte Juni bis Ende August 2009 im Goethe Institut Washington DC zu sehen.

  3. [...] Jürgen Staacks zeigte keine eigenen Bilder, obwohl er ausgebildeter Photograph ist. Seine gezeigten Arbeiten bestehen darin, Menschen Bilder beschreiben zu lassen, diese Beschreibung wiederzugeben und eine mit Edding unkenntlich gemachte Kopie des Bildes zu der Beschreibung zu hängen. Das mag Kunst sein, ich find’s aber absolut überflüssig. [...]

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