Fotografin Katrin Trautner – Morgenliebe
Katrin Trautner hat mit ihrer Serie ‘Morgenliebe’, ihrer Abschlussarbeit im Fach Fotografie, Sexualität im Alter in dichten und gleichzeitig nicht voyeristischen Bildern sensibel thematisiert – eine durch und durch menschenfreundliche Herangehensweise an ein großes Tabuthema. Trautner spricht in unserem Interview auch über ihre technischen Prämissen und findet, dass man analog intensiver arbeitet.
Katrin Trautner ist eine der Gewinnerinnen von ‘Gute Aussichten’ und wird mit ihrer Arbeit im nächsten Jahr unter anderem in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und Washington zu sehen sein. Wir wünschen alles Gute!

© Katrin Trautner: Morgenliebe
Marko Radloff/bildwerk3: Was bedeutet die Teilnahme und die Auswahl zum Förderprogramm ‚Gute Aussichten – junge deutsche Fotografie’ für Dich persönlich?
Ich freue mich natürlich sehr dabei zu sein und bin sehr gespannt auf die Erfahrungen, die ich mit und durch „Gute Aussichten“ sammeln werde, denn ich denke es erwartet uns ein recht spannendes und intensives Jahr.
Bei ‚Gute Aussichten’ geht nichts ohne Nominierung: Wer hat Dich für ‚Gute Aussichten’ empfohlen?
Mein betreuender Professor Roman Bezjak, in Absprache mit den anderen Professoren für Fotografie der Fachhochschule Bielefeld.
Wie bist Du zum Fach Fotografie gekommen?
Das hat sich bereits in der Schule herauskristallisiert. Die erste intensive Auseinandersetzung mit Fotografie fand in der 11. Klasse, während eines Austauschjahres in Amerika statt. Ich hatte an meiner High School einen Fotografiekurs belegt. Der klassische Einstieg: Analoge Kameratechnik, Schwarz-Weiß Filmentwicklung, Schwarz-Weiß Dunkelkammerarbeit.
Ich hab mir in Deutschland dann ein kleines Schwarz-Weiß Labor in einer Bremer Kulturwerkstatt gesucht, und dort regelmäßig gearbeitet.

© Katrin Trautner: Morgenliebe
Wo würdest Du Deine fotografischen Schwerpunkte sehen?
In der Dokumentarfotografie, wobei die Grenzen fließend sind.
Gibt es unter lebenden oder auch toten Fotografen Vorbilder für Dich?
Ja, Vorbilder gibt es natürlich viele und es kommen immer wieder neue dazu, je mehr man sich mit der Arbeit anderer Fotografen auseinandersetzt.
Aber es ist schwierig für mich zu sagen, der/die Fotografin ist mein Vorbild. Es gibt Arbeiten, die hat man gesehen und gedacht: wow! Die haben etwas hinterlassen. Wie z.B. die Arbeit der Französin Claudine Doury über das russische Pionierlager Artek mit dem gleichnamigen Titel. Oder auch der kanadische Fotograf Donigan Cumming und seine Fotografien von Nettie Harris haben mich sehr beeindruckt.
Spielt die Frage der fotografischen Technik eine Rolle und wenn ja, in welcher Form?
Ich fotografiere bevorzugt mit einer analogen Mittelformatkamera. Ich arbeite konzentrierter und kann mich viel mehr auf die Situation und die Menschen, die ich fotografiere einlassen.
Es gibt nicht die typischen „so, jetzt guck ich mal schnell auf dem Display, ob das Foto auch gut geworden ist“, oder seitens der Fotografierten die „Zeig doch mal! Oh da gefall ich mir jetzt aber nicht!“ Situationen. Man beschäftigt sich unglaublich lange mit dem einzelnen Bild in seinen verschiedenen Zuständen. Beim und nach dem Fotografieren in der Vorstellung, als Negativ nach der Entwicklung, als Kontakt, als Print oder als Scan. Man entwickelt einen intensiven Bezug zu seinen Bildern und somit zur gesamten Arbeit. So eine Arbeitsweise ist in Zeiten der digitalen Fotografie ein gewisser Luxus und oft nur für freie Arbeiten umsetzbar.
Die Fotografien für ‚Gute Aussichten’, die im kommenden Jahr durch Deutschland touren sind bereits gemacht. Woran arbeitest Du jetzt gerade?
Ich stecke noch in der Recherche für eine neue Arbeit. Aber soviel kann ich schon mal sagen: Ich beschäftige mich weiterhin mit dem Thema Alter.

© Katrin Trautner: Morgenliebe
Welche Perspektiven haben junge Fotografen heutzutage angesichts sinkender Preise und zurückgehender Auflagenzahlen?
Also, reich wird man wohl nicht mehr. Aber, das ist auch nicht der Grund, weshalb ich fotografiere. Ich denke, wenn man sich nicht nur auf bestimmte Auftraggeber versteift, sondern auch offen für neue oder alternative Wege ist, die durchaus parallel verlaufen können, kann man davon leben. Wichtig ist natürlich, dass man sich vom herrschenden Preisdumping nicht mitreißen oder einschüchtern lässt und sich nicht unter Wert verkauft.
Traumberuf Fotografin? Für Dich persönlich eine Perspektive?
Während des Studiums zweifelt man immer wieder, vornehmlich an sich selbst und daran, ob man seinen fotografischen Weg bereits gefunden hat oder jemals finden wird. Aber ich habe nie daran gezweifelt, dass ich diesen Beruf ausüben will. Und wenn dies in etwa so umsetzbar ist, wie ich es mir wünsche, dann wäre das schon traumhaft.







Ich find die Fotos ok. Aber anscheinend hat die Gesellschaft in der Hinsicht noch jede Menge Nachholbedarf… da wir alle älter werden…
Tom
[...] Katrin Trautner präsentiert eine Bilderserie über Liebe im Alter. Bei diesen Photos bin ich zwiegespalten: erst mal ist es in unserer Gesellschaft natürlich schon ein Tabubruch, körperliche Liebe von alten Menschen zu zeigen und es macht mir natürlich auch ein wenig Mut — so jund bin ich nun auch nicht mehr. Dann aber finde ich die Bilder zwar von der Botschaft her gut, sie sprechen mich aber nicht an, mir fehlt der Funken. [...]