Fotograf Heiko Schäfer – Maritime Incidents
Heiko Schäfer ist mit seiner Serie ‘Maritime Incidents‘ einer der Gewinner von ‘Gute Aussichten‘, dem Förderprogramm für Abschlussarbeiten im Fach Fotografie. Schäfer hat für seine Serie Boote afrikanischer Flüchtlinge fotografiert, die vor der Küste Siziliens aufgegriffen wurden. Schätzungen zufolge versuchen Jährlich mehrere 10.000 Menschen illegal in die EU einzureisen – über das Mittelmeer.
Von jedem Boot hat Heiko Schäfer mehr als zweihundert Aufnahmen gemacht und diese zu großformatigen Bildern, zusammengesetzt. Entstanden sind detailgenaue Draufsicht-Fotografien, Sachaufnahmen von großer Intensität, die das Schicksal der Flüchtlinge ahnen lassen. Zu jeder Aufnahme gibt es einen entsprechenden Datenauszug, der das Boot benennt. Die Boote werden später vernichtet.

© Heiko Schäfer - Maritime Incidents - Boot 11

Marko Radloff/bildwerk3: Was bedeutet die Teilnahme und die Auswahl zum Förderprogramm ‚Gute Aussichten – junge deutsche Fotografie’ für Dich persönlich?
Heiko Schäfer: Zuerst einmal fühle ich mich natürlich sehr geehrt, mit diesem tollen Preis die Möglichkeit zu erhalten, meine Arbeiten einem breiten Publikum präsentieren zu können. Der Preis stellt auf jeden Fall eine Bestärkung des eigenen Schaffens dar.
Bei ‚Gute Aussichten’ geht nichts ohne Nominierung: Wer hat Dich für ‚Gute Aussichten’ empfohlen?
Meine Professorin Sabine Schründer. Nochmals vielen Dank dafür!

© Heiko Schäfer - Maritime Incidents - Boot 49

Mit welcher Arbeit hast Du Dich für das Programm beworben?
Ich habe mich mit der Arbeit “Maritime Incidents” beworben. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der illegalen Migration aus afrikanischen Staaten in die EU. Den Mittelpunkt der Serie stellen Fotografien von Flüchtlingsbooten dar. Parallel dazu habe ich die offiziellen Daten zu den entsprechenden Booten recherchiert. Auf diese Weise soll es dem Betrachter ermöglicht werden, sich in die Schicksale der einzelnen Individuen hineinzuversetzen. Die Boote sollen dabei als Projektionsfläche für die durch die Medien verbreiteten Bilder und Berichte dienen.

© Heiko Schäfer - Maritime Incidents - Boot 22

Wie bist Du zum Fach Fotografie gekommen?
Ehrlich, das weiß ich nicht mehr.
Wo würdest Du Deine fotografischen Schwerpunkte sehen?
Sie liegen auf jeden Fall im konzeptionellen, dokumentarischen Bereich.
Gibt es unter bekannten Fotografen Vorbilder für Dich?
Es gibt natürlich eine große Bandbreite an Fotografen und Künstlern, die mein persönliches Interesse wecken und mir als Inspirationsquelle dienen. Diese reicht von August Sander über Walker Evans hin bis zu der Generation der Becherschule und Mitgliedern der Atlas Group. Auch Maler wie z.B. Gerhard Richter finde ich sehr interessant.
Spielt die Frage der fotografischen Technik eine Rolle und wenn ja, in welcher Form?
Nein.
Die Fotografien für ‚Gute Aussichten’, die im kommenden Jahr durch Deutschland touren sind bereits gemacht. Woran arbeitest Du jetzt gerade?
Ich arbeite weiter an verschiedenen Aspekten der globalen illegalen Migration.
Welche Perspektiven haben junge Fotografen heute angesichts sinkender Preise und zurückgehender Auflagenzahlen?
Ich denke, wenn man einfach gut ist und hart arbeitet, sind die Chancen nicht besser oder schlechter als vor einigen Jahren. Der Bedarf an Bildern wird doch immer größer. Außerdem, wenn man die Sparte der Kunstfotografie betrachtet, ist deutsche Fotografie international angesagter denn je.
Traumberuf Fotograf? Für Dich persönlich eine Perspektive?
Auf jeden Fall!

© Heiko Schäfer - Maritime Incidents - Boot 2



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