28. Juli 2008 2

Willkommen in der Hellkammer – Interview mit Heike Jasper

Von Marko Radloff

Die farbgetreue Wiedergabe bzw. Aufnahme einschließlich des dazughörigen Workflow ist das Grundthema in den Workshops von Heike Jasper. Die studierte Diplomingenieurin hat eine Ausbildung zur Fotolaborantin bei der AGFA GEVAERT AG absolviert und dort ihr Diplom für Foto- und Medientechnik gemacht.

Heike Jasper gibt europaweite Kurse, Seminare und Produktschulungen sowohl für Keyaccounts als auch für Profifotografen und Händler bis hin zum Endanwender. Die nächste Gelegenheit, um Heike Jasper zu erleben ist die ADF-Sommerakademie vom 11. – 13. August. (jetzt hier bewerben – bis 30. Juli 2008)

Ich habe Heike Jasper nach den Schwerpunkten ihrer Referentätigkeit gefragt und werde mir auf jeden Fall die ‘Hellkammer’ merken … Wieder habe ich die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten für freie Trainer nicht gestellt!  Da sich doch Bilder allein immer schwerer verkaufen – schreibt jedenfalls Peter Bialobrzeski in der Doppel-Sommerausgabe der Zeitschrift PHOTONEWS. Doch daraus später …

Heike Jasper
Heike Jasper

Marko Radloff/bildwerk3: Sie werden bei der ADF-Sommerakademie für Nikon School dabei sein. Was ist die Nikon School?
Heike Jasper: Die Nikon School bietet eine Vielfalt an Fotoworkshops, Seminaren und Fotoreisen für jeden Geschmack und jedes Erfahrungs‐Level. Ob Themen‐ und Kameraworkshops oder Technik‐ und Grundlagenseminare: Auch die beste Kamera oder Software der Welt ist nur so gut, wie die Frau oder der Mann dahinter.

Wir von der Nikon School helfen das fotografische Wissen weiter zu entwickeln und zu vertiefen. Erfahrene Spezialisten referieren über neueste Entwicklungen in der analogen und digitalen Fotografie und geben hilfreiche Anregungen wie aus guten Bildern bessere Bilder werden.

Wie sind Sie zur Nikon School gekommen und seit wann sind Sie dabei?
Nikon School, das „Haus“ in dem viele Arten fotografischer Weiterbildung untergebracht sind, gibt es seit ca. 1,5 Jahren. Da ich auch schon vor dieser Zeit verschiedene Schulungen für Nikon durchgeführt habe, bin ich somit auch in den Trainerbestand aufgenommen worden.

Als Trainer sind wir freie Mitarbeiter. Damit schöpft Nikon aus einem Topf von freien und hoch qualifizierten Trainern und Fotografen, die aus der Praxis kommen. Manchmal treten wir auch als Team auf: bei der ADF-Sommerakademie bin ich zusammen mit dem Fotografen Benedikt Frings-Ness unterwegs.

Ihr Thema bei der ADF-Sommerakademie ist die High-End-Bildoptimierung mit Nikons Capture NX2. Üblicherweise verbindet man die Marke Nikon nicht mit der Entwicklung von Bildbearbeitungssoftware. Was macht Capture NX2 anders als andere?
Hört man „Nikon“ denkt man zuerst an Kameras und Objektive. Nikon bietet neben Service und Support auch einen digitalen Workflow an. Das beinhaltet eben auch die nachträgliche Bildoptimierung. Anders ist nun, dass es eine so gute Software ist, dass es nicht nur für den Einsteiger gedacht ist, sondern auch dem Profifotograf seine Arbeit erleichtern soll.

Und wer kennt die Sensoreigenschaften und Bildaufnahmealgorithmen besser als der Hersteller?! Capture NX(2) ist die qualitativ beste Farbumsetzung (RAW Entwicklung) von Nikon Daten. Desweiteren kann es auch TIFF-Dateien bis zu 16 Bit und JPEG-Daten in unterschiedlichen Qualitätsstufen bearbeiten, ist prooftauglich, kann Farbprofile zuweisen und das alles auch per Stapelverarbeitung.

Was ist unter High-End-Bildoptimierung zu verstehen?
Puh, das ist schwierig! Und eigentlich nur zu beantworten, wenn man weiß, wer für welchen Zweck danach fragt.

In der Ausschreibung für den ADF-Workshop stehen Begriffe, mit denen nicht jeder Fotograf gleich etwas anfangen kann. Darum: Was sind U-Point-Technologie und D-Lighting?
Lacht. Kommen Sie in meine Schulung, dann erfahren Sie es. Im Ernst: U-Point-Technologie ist ein Verfahren, mit dem man durch Setzen eines Punktes gezielt Bilddaten farblich verrändern kann.

Bei NX2 geht das sogar noch mit Unscharfmaskieren, Schwarzweißkonvertierung und anderen Anpassungen. Und das ohne sich mit Masken, Auswahlwerkzeugen und Ebenen beschäftigen zu müssen. Der Besondere dabei ist allerdings, dass Sie das direkt am RAW anwenden können. Das kann derzeit keine andere Software auf dem Markt. Entwickelt wurde die Technologie von der Firma NIK Software. Das Hauptargument ist aber, es ist so einfach anzuwenden und macht unheimlich Spass. Diese Technologie findet seit CNX seinen Einsatz.

Das D-Lighting hingegen gibt es schon seit Capture 4. Es ist eine Funktion die Lichter und Schatten verarbeitet, ohne die Mitteltöne zu verändern. In den neueren Kameras gibt es jetzt sogar ein Aktives D-Lighting, das erzeugt eine Kontrastumfangerhöhung schon direkt bei der Aufnahme.

Apropos Schwarz-Weiß-Optimierung: Gibt es eine optimale Methode, um möglichst viele Grauabstufungen zu erzeugen?
WOW, wie viele Seiten möchten Sie zu dem Thema schreiben? OK, das behandeln wir einmal in einem Extrabeitrag …

Geben Sie einer hybriden Arbeitsweise, also der gleichzeitigen Verwendung analoger und digitaler Technologien noch eine Chance?
Es gibt immer noch analoge Fotografen. Die wird es auch immer geben. Da spielt viel Emotionalität und Erfahrung mit. Viele möchten noch in der Dunkelkammer alles selber entwickeln und verarbeiten. Ich meine, ich habe das früher ja auch gemacht. Heute habe ich halt eine ‘Hellkammer’ …

Hinsichtlich der hybriden Arbeitsweise aber – Fotografieren auf Film, dann einscannen und danach ausbelichten: dass ist sehr umständlich, teuer und langwierig und wird sich daher wohl eher nicht durchsetzen.

Kommt beim Stellenwert, den technische Fragen bei der Bildbetrachtung spielen, nicht manchmal die ästhetische Beurteilung eines Bildes zu kurz?
Nein. Ein technisch gut ausgearbeitetes Bild ist die Voraussetzung für Kreativität und Ästhetik. Fotografie ist immer noch ein Handwerk, das ändert auch nicht die Digitaltechnik.

Beim Belichten spielen immer noch Zeit, Blende und Schärfe die technischen Hauptrollen. Gute Fotografen nutzen das als Basis zur Umsetzung ihrer Ideen und ihrer Kreativität. Ob man danach auch noch Bilder digital umgestaltet und wie weit, ist dann ein anderes Thema.

Ich finde Bilder die „nur“ künstlerisch sind und dann aber einen langen Erklärungstext daneben stehen haben, worin dem Betrachter erklärt wird, was das Bild ausdrücken soll, überhaupt nicht ansprechend.

Wann brauchen wir keine Kamera mehr, um Bilder zu machen?
Die Entwicklung geht immer weiter voran, derzeit eher in kleinen feinen Schritten. Wann aber Ingenieure und Wissenschaftler das 2. Auge erfinden, müssen wir abwarten.

Im Moment 2 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Benjamin sagt:

    Bin ich der einzige, der bei Hellkammer an Hölle denkt? …

Diesen Beitrag kommentieren



XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Bildwerk3 on facebook

Zuletzt kommentiert

  • Beate: Ich mag diese Selbstportraits sehr! Tolle Ideen, einfallsreich und kreativ umgesetzt - wunderbare Technik, schau ich mir gerne an...
  • Marko: Stimmt - Vielen Dank für den Hinweis....
  • Annette: Der Link zu Erwin Olaf hat sich offensichtlich verändert. Hier geht es zu ...
  • Beate: Was für ein wunderbares Projekt, auch wenn "nahe ans Gesicht" nicht unbedingt mein Stilrichtung ist, finde ich es interessant und ...
  • Marko: An alle: ich denke ja ;-)...
  • Anne: Also wunderschön ist echt was anderes. Aber ich finde man kann nicht sagen das es schlecht ist. Auf den ersten Blick sieht es zwar...