RAW! Alles andere macht für Fotografen keinen Sinn …
Hubertus Küppers ist Fotograf und Coacher in Sachen Fotografie, einer, der sich das Leben ohne digitale Fotografie nicht mehr vorstellen kann – analoge Fotografie ist für Küppers ein Nischenprodukt, das seine Zukunft lediglich im privaten oder im künstlerischen Bereich finden wird.
Wer von Hubertus Küppers lernen möchte, hat demnächst Gelegenheit auf der ADF-Sommerakademie. Im – wirklich günstigen – Pauschalpreis ist u.a. ein Workshop mit Hubertus Küppers dabei. Wir verlosen als Medienpartner der ADF-Sommerakademie hier einen Teilnehmer, der ohne Bewerbung und ohne Teilnahmegebühr teilnehmen darf!
Ich habe mit Hubertus Küppers über Workflow, Dateiformate und auch über digitale Mittelformatkameras gesprochen und u.a. auch erfahren, dass bei guter Planung am Set lediglich 2-3 Aufnahmen pro Einstellung genügen können …

© Hubertus Küppers
Ist Hubertus Küppers in erster Linie Fotograf oder zuerst Trainer in Sachen Fotografie?
Ich bin und bleibe in erster Linie Fotograf, mit Leib und Seele. Die Trainertätigkeit ist in diesem Sinne eigentlich eine Begleiterscheinung.
Gute Trainings kann man nur dann machen, wenn man auch am Ball ist, also wenn man weiß was auf dem Markt passiert, wenn man Tendenzen, Trends und Strömungen zeitnah sieht und erfasst, nur dann kann man auch Trainings geben die Aktuell und zeitnah am Markt passieren.
Wie und wann haben Sie in Ihrem eigenen Studio den Übergang zur digitalen Fotografie vollzogen?
1998 begann ich mit digitaler Bildbearbeitung. 1999 folgte die erste Digitalkamera. Deren Einsatz blieb auf Passbilder beschränkt. 2003 kam dann die erste Kamera mit der ich auch im Studio arbeitete.
Nach relativ kurzer Zeit aber war klar, das auf Grund archivarischer Probleme, also analog und digital, es binnen kurzer Zeit zu einem dramatisches Verwaltungschaos gekommen wäre. Da lag die Entscheidung nahe sich zu entscheiden. Also stellte ich den Betrieb von heute auf morgen, eigentlich von vor der Mittagspause bis danach um.

© Hubertus Küppers
In welcher Form können Sie sich eine Zukunft für die analoge Fotografie vorstellen?
Ich denke, analoge Fotografie wird sich in Zukunft auf einen kleinen engen Markt für Amateure zurückziehen und im künstlerischen Bereich einen Platz finden.
Was erwartet die Teilnehmer der ADF-Sommerakademie?
Drei spannende Tage mit viel Input. Speziell in meinen Workshops wird es um Fotografische Techniken gehen: Wahrnehmung von Licht, Modellführung und Teamarbeit.
Zusätzlich werden wir natürlich auch „Laborarbeit“ also Bildbearbeitung nicht aussen vor lassen. Ich werde vermitteln, das der gesamte Produtionsprozess vom entwickeln der Idee bis hin zum fertigen Bild ineinander verkettet ist.

© Hubertus Küppers
Gilt im digitalen Zeitalter noch die alte Fotografen-Maxime: das meiste passiert bei der Aufnahme? Oder haben die faszinierenden Möglichkeiten der Bildbearbeitung die Kreativität am Set abgelöst?
Nein, die gilt nach wie vor, auch wenn der eine odere andere Kunde momentan den Fotografen mehr als notwändiges Übel denn als kreativen Bestandteil ein Produktion ansieht. Fotografie wird im Stellenwert wieder wachsen!
Das liegt daran, das die neuen Kameras nun in der Lage sind Bildmaterial zu liefern, das wirklich gut ist, so gut, das eine weitere Bearbeitung der Bilddaten weniger wichtig wird. Der Fotograf kann und muss sich in Zukunft wieder mehr auf die Sprache seiner Bilder konzentrieren. Der Markt, von dem wir dachten er wächst zusammen und verschmilzt – also Fotografie und DTP – dividiert sich wieder auseinander und das ist gut so.
Wie widerstehen Sie bei der täglichen Arbeit on location oder outdoor der Versuchung, zu viele Dateien zu produzieren?
Ich bin Schwabe, die Verschwendung von Resourcen liegt mir fern. Spaß beiseite: Ich plane meine Aufnahmen gut. Ich lege vorher ein Ziel fest. Das bedeutet unter dem Strich, wenn alles passt reichen 2 – 3 Aufnahmen und ich habe im „Kasten“ was ich brauche.
‚Effizienter Workflow’ ist der Inbegriff für die Bewältigung großer Daten- bzw. Bildmengen. Sollte jeder Fotograf seinen persönlichen Workflow entwickeln?
Nein, es gibt sicher bestimmte Formen der Fotografie die einen individuellen Workflow brauchen, aber in den meisten Fällen lässt sich das standartisieren.
Voraussetzung dafür ist aber gute Fotografie. Perfekte Bilder im Vorfeld lassen sich weitgehend in der „postproduction“ in vielen Dingen automatisiert abarbeiten. Der Mythos, jedes Bild benötige eine individuelle Bearbeitung ist einfach eine Erfindung.

© Hubertus Küppers
Sollte der Workflow in erster Linie bestimmt sein durch die persönlichen Ambitionen des Fotografen oder durch den Charakter seiner Aufträge?
Ich denke, dass das ein verkürzte Sichtweise ist. Der Fotograf muss sich ein Regelwerk erstellen nach dem er arbeiten will.
Er braucht einen Plan wie er vorgeht. Da muss er drei Bereiche beachten: die Aufnahme, die Bearbeitung, die Ausgabe. Der Workflow muss so gestaltet sein, das alle Mitarbeiter eines Betriebes sofort an der Stelle des anderen ohne viel Erklärung weiterarbeiten können.
Wie sind Ihre Erfahrungen mit digitalen Kamerarückteilen für Mittelformatkameras – einmal abgesehen vom erhöhten Datenvolumen?
Ich fotografiere 90% meiner Aufnahmen mit MF und Digiback. Ich mag es eine „Kamera“ in der Hand zu halten.
MF verleitet auch nicht so zum „knipsen“ wie DSLR. Man geht bedächtiger vor, überlegter, was daran liegt, das die MF`s langsameren Autofokus als die DSLR haben, die Auslösefrequenz ist deutlich niedriger und so muss man deutlich überlegter fotografieren.
Die Bildqualität ist, durch die Verwendung von CCD Sensoren und der größeren Sensorfläche deutlich besser.
Für Reportagen allerdings, oder Sportfotografie ist MF allerdings nicht die erste Wahl.
Von der Aufnahme bis zum Finish. Welches Dateiformat halten Sie für welchen Arbeitsschritt am geeignetsten?
RAW! Alles andere ist eher sinnfrei. Wer im JPG-Format fotografiert macht, wenn man analog vergleicht folgendes: er lässt den Film entwickeln, schmeisst die Negative weg und macht alles weitere dann von den Abzügen aus. Nur ein Raw bietet effektiv 16 bit Farbtiefe und eine Vielzahl an Möglichkeiten ein Bild zu optimieren.
Apropos Datensicherheit: Welches halten Sie für die beste Methode um dauerhaft Bilddaten zu sichern?
Da gibt es verschiedene Lösungsansätze. CD und DVD fallen mittlerweile ob ihrer kurzen Lebensdauer, als Sicherungsmedium weg. Ich ziehe eine doppelt redundante Sicherung der Roh- als auch der bearbeiteten Daten vor.

Vor der Bildbearbeitung. © Hubertus Küppers

Nach der Bildbearbeitung. © Hubertus Küppers








Hallo,
sehr interessanter Beitrag und vor allem perfekte Fotos.
An einem Punkt muss ich leider widersprechen. Jeder Fotograf hat sehr wohl seinen eigenen Workflow und die Aussage zum standardisierten Workflow gilt aus meiner Sicht nur im professionellen Studioumfeld. Es sei denn, man ist so konsequent und wirft alles weg, was nicht in den Standardworkflow passt.
Das ist sicher auch eine Lösung
Tom
[...] Sehr umfangreicher Beitrag von bildwerk3: RAW! Alles andere macht für Fotografen keinen Sinn … [...]
[...] Soft- und Hardware: Bildwerk3 versucht uns weis zu machen das nur RAW Sinn macht. David Ziser siehts im Interview übrigens ganz anders und kam bisher prima ohne [...]