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10. Juni 2008 1

Angepackt und nicht geschlafen – der Fotograf Felix Rachor

Von Marko Radloff

Felix Rachor entwickelt sich schnell. Der junge Fotograf ist ein gutes Beispiel dafür, was man durch Zielstrebigkeit erreichen kann: Kaum zwei Monate in Berlin, hat er sich ein eigenes Studio eingerichtet. Wenig später kann er von den Aufträgen, die er ohne Werbung, nur durch Weitersagen erhält, leben – dazu paßt sicherlich, dass wir die Antworten auf unsere Fragen binnen weniger Stunden hatten.

Rachor ist in erster Linie ein Menschenfotograf. Seine ganze Konzentration gilt dem Bild vom Menschen. Und Rachor hat seine Bilder immer zuerst im Kopf; dann wird genau geplant und dann erst umgesetzt.

Ich habe Felix Rachor unter anderem nach seinen Vorbildern, nach seiner Rolle als Porträtfotograf und nach seinen Wunschmodellen befragt.

© Felix Rachor
© Felix Rachor

Fotografie, haben Sie gesagt, sei Philosophie, Erleben und gerne auch ein wenig Zauberei. Wie viel Zauberei darf es denn sein und womit zaubern Sie eigentlich?
Es darf sehr viel Zauberei sein. Die Frage ist nur: was liegt am Ende auf dem Tisch. Und es ist auch eine Frage des Betrachters ob’s gefällt, oder nicht.

Die meiste Zauberei ist in meinen Shootings der Umgang mit den Modellen, die Anfangs teilweise geschockt sind, weil man viel schauspielern können muss und das sollte auch der Fotograf können. Im Sinne von durch seine Präsenz und seine Art und Weise wie er mit dem Modell umgeht um Stimmungen zu schaffen die authentisch werden. Das sieht man dann auch in den Bildern.

Ein Foto von Felix Rachor entsteht lange vorher im Kopf? Wie viel Zeit zur Inspiration nehmen Sie sich am Set?
Am Set kaum mehr. Dort arbeite ich dann nur noch intuitiv. Die Konzeption sollte schon längst fertig sein, bevor man die Planung beginnt. Die Requisiten, Locations, etc. müssen ja entsprechend des Konzeptes gewählt werden.

Sie gehen, ohne das Sie das gelernt haben, sehr planvoll an die Durchführung Ihrer Aufträge. Hatten Sie dafür Mentoren? Wenn man Ihnen heute die Gelegenheit geben würde, an einer Hochschule Fotografie zu studieren, würden Sie noch was dazulernen können?
Ich habe zwar in der Ausbildung zum Mediendesigner ein Fach „Fototechnik“ gehabt, aber das war vergeudete Zeit, denn ich habe da nichts gelernt. Einen Mentor an sich hatte ich auch nicht. Ich bin eigentlich immer wieder selbst derjenige der mich antreibt. Ich lass nie locker und mache einfach ständig was, so kann auch viel passieren und so lerne ich. Lernen kann man immer.

Ebenso rede ich auch ab und an mit Fotoprofessoren über diverse Dinge. Meistens aber nicht über Bilder sondern eher über die Herangehensweisen … Ich weiß nicht ob ich noch an eine Hochschule will. Teilweise ja, weil ich wieder freier wäre und alles Mögliche und Unmögliche machen könnte, aber ehrlich gesagt kann ich das jetzt auch. Abgesehen davon hab ich auch Praktikanten die bereits in dem Metier arbeiten oder ein Diplom als Fotograf haben und ein Diplom alleine sagt nichts über das Können aus.

© Felix Rachor
© Felix Rachor

Sie haben sich schnell einen Namen gemacht als Fotograf für Schauspieler, Musiker, Bands und für Fotomodelle. Was hat den Einstieg in dieses Metier befördert? Was macht Felix Rachor zu einem Showbusiness-Fotografen?
Der Einstieg war die Entscheidung es anzupacken und nicht zu schlafen. Ich hatte einige Anfragen, also habe ich mir gedacht: „no risk no fun“ und hab ein Studio in Berlin aufgemacht. Die Kunden die ich hatte, haben mich weiterempfohlen.

Bis auf das ich eine Website habe, habe ich nie Werbung gemacht. So kann ich auch garantieren dass die Leute zu mir kommen, weil sie bereits von meinem Stil überzeugt sind. Ich bin Menschenfotograf, das muss nicht unbedingt mit dem Showbusiness zu tun haben. Momentan mache ich sehr viel in dem Bereich, weil ich die Leute auch sehr interessant finde.
Übrigens: mein Manager hat vieles möglich gemacht!

Haben Sie am Set das nötige Durchsetzungsvermögen?
IMMER! Abgesehen davon brauch ich mich nicht durchsetzen, denn wenn ich mir eins erarbeitet habe, dann den Respekt und dann sollte auch jeder so arbeiten wie ich bzw. meine Crew es sagt. Wenn nicht brauche ich nicht weiter fotografieren.

Ist aber so noch nie passiert!

Nennen Sie uns bitte vier Künstler aus dem Geschäft, die Sie gern einmal vor der Kamera hätten und sagen Sie uns auch warum.
- Paolo Nutini: erstens weil ich seine Musik mag, zweitens weil er Action macht und drittens weil er einfach sehr interessant aussieht

- Matthias Schweighöfer: ich mag ihn als Schauspieler, ich kenne einige seiner Leute, mit denen ich auch teilweise gearbeitet habe und sie sind mir einfach sympathisch. Aus ihm kann man viel machen.

- Morgan Freeman: Er ist einfach eine faszinierende Persönlichkeit. Ich hab ihn zwar schon fotografiert, aber das war auf einem Fotocall und wirklich Zeit zu reden hatte man nicht. Abgesehen davon ist es eine weniger angenehme Situation: jeder macht nur seinen Job und es hat nichts mit Leidenschaft zu tun. Deswegen mache ich das in diesem Sinne auch nicht mehr.

- Karl Lagerfeld: ich muss da nicht viel zu sagen. Ob sympathisch oder nicht: aber enorm interessant, sowohl von der Persönlichkeit als auch von seinem Leben und, als Fotograf gesehen, auch vom Äußeren.

© Felix Rachor
© Felix Rachor

Unsere Frage an den Portraitfotografen: Lassen sich Persönlichkeit und Charakter tatsächlich abbilden oder ist nicht jede Aufnahme in erster Linie Interpretation?
Es hat natürlich mit Interpretation zu tun. Aber man kann sehr gut Charaktere ablichten! Nur mal als rhetorische Gegenfrage: Was wäre mehr charakterisierend, G. W. Bush im Tütü oder im Anzug?

Auf Ihrer Internetseite bieten Sie an, auch ‚Sonderwünsche’ zu erfüllen. Hat das schon mal jemand gewollt und wenn ja, was waren das für Sonderwünsche?
Es gibt immer Sonderwünsche ob es Locations, Requisiten, Kleidung, Designer, MakeUp Artists, oder Sonstiges ist. Ich arbeite jedoch nur, wenn es auch in mein Geschäftskonzept passt und achte sehr auf das Image. Ich hätte keine Lust für einen Erotikbestellkatalog zu fotografieren und würde das auch nicht tun.

Arbeiten Sie lieber allein oder lieber im Team?
Ich arbeite niemals alleine. Ich bin sehr glücklich über mein ausgewachsenes Team an Stylisten, MakeUp Artisten, Assistenten, Organisatoren, etc. Ohne sie könnte ich nicht arbeiten, abgesehen davon, dass es im großen Team mehr Spaß macht.

Hat Felix Rachor fotografische Vorbilder?
Nicht in dem Sinne. Es gibt Stile die ich mag, aber auch jeder Fotograf verändert sich. Ich mag Persönlichkeiten die, aus der Philosophie heraus, kontinuierlich interessante Aufnahmen machen.

Fühlen Sie sich eigentlich noch als fotografischer Nachwuchs?
Ja sicher! Ich bin ja auch noch jung. Allerdings hab ich dennoch teilweise mehr ‘Berufserfahrung’ als so mancher Berufsfotograf, der hier in meine Workshops kommt. (zumindest scheint es so)

Aber auch das ist irrelevant: am Ende zählt, was auf dem Tisch liegt.

Wann haben Sie zuletzt einen Film eingelegt?
Vor 2 Monaten. Aber das mache ich aus Spaß. Wenn ich eine Kamera in der Hand habe, bin ich schnell im Job. Und meiner ist es primär: Konzepte zu entwickeln, diese an die Modelle heranzutragen und mit denen sehr viel arbeiten. Also einfach mal knipsen ist weniger mein Ding. Ich konstruiere Stimmungen. Von daher habe ich auch nie eine Kamera mit, wenn ich privat unterwegs bin.

© Felix Rachor
© Felix Rachor

Sie bieten neben Ihrer Arbeit als Fotograf auch Workshops (fotomafia.org) an, die sehr strukturiert sind und ihren Focus auf PORTRAIT BEAUTY haben. Ist das eine Sache, die Sie zukünftig weiter ausbauen wollen? Worin liegt der Reiz zu unterrichten?
Ich mache es auf Nachfrage. Ich mag es sehr Leuten zu helfen, gerade in diesem Metier. Aber ich arbeite lieber selbst. Von daher werde ich es nicht großartig ausbauen. Die Fotomafia.org wird von Organisatoren gemanagt. Wenn die einen Workshop planen, dann mache ich den auch, wenn ich die Zeit habe.

Sie sind in Mecklenburg aufgewachsen. Und da bildwerk3 aus Schwerin kommt müssen wir das am Schluss einfach fragen: Wo genau in Mecklenburg?
Ich habe einen Teil meiner Kindheit in Mecklenburg Vorpommern verbracht und ich habe das Demminer Musikgymnasium besucht. Aber ich bin auch in der Schweiz, Frankreich und Österreich aufgewachsen, wo ich auch geboren bin.

© Felix Rachor
© Felix Rachor

Im Moment ein Kommentar zu diesem Beitrag:

  1. [...] dem Berliner Fotografen Felix Rachor hab ich vor einiger Zeit schon einmal ein Interview geführt und schon damals war erkennbar, dass Rachor ein Fotograf, nicht nur mit ‘Leib und [...]

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  • BrianSup: Der bisher größte Nachteil der Digitalen Fotografi...
  • Marko: Gern geschehen ... :-)...
  • Marcel: Beeindruckende Aufnahmen! Danke für das Aufzeig...
  • Marko: Nein sorry, ich weiß es leider nicht ... tendiere ...
  • Tilla Pe: Ah - ne, ich nehme das zurück - die Leicaflex hat ...
  • TillaPe: Es könnte eine Leicaflex SL sein....