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  • – Freitag, 27. November 2009
2. Juni 2008 0

Fotografen haben heute traumhafte Möglichkeiten

Von Marko Radloff

Fotofestival Horizonte ZingstWie arbeite ich als Fotograf digital und dabei möglichst effektiv? Welche Reihenfolge bei der Bildbearbeitung ist für welches Ausgabemedium zu beachten? Wie speichere ich meine Bilddaten so, dass ich sie schnell wiederfinde? Das sind Fragen an den ‘Digitalen Workflow’, die sich jeder Fotograf irgendwann beantworten muss. Oder beantworten lassen kann.

Einer der Spezialisten für den ‘Digitalen Workflow’ ist Frank Werner – eXtreme visual media. Derzeit ist er auf dem Festival Horizonte in Zingst – und wer mag, kann dort an aufeinanderfolgenden Tagen zwei interessante Workshops besuchen: Digitaler RAW Workflow und Lightroom Workflow.

Ich habe mit Frank Werner unter anderem über RAW-Format und Farbraum, über Monitorkalibrierung als Wissenschaft, über den Dynamikumfang digitaler Kameras und über sein Verhältnis zur analogen Fotografie gesprochen.

bildwerk3 Fragen an Frank Werner

In der Ausschreibung für Ihre Workshops wird ‚Photographie’ konsequent mit ‚Ph’ geschrieben – ‚digitale Photographie’. Tradition und Moderne? Ist Frank Werner jemand, der das Alte mag und das Neue bewundert?
Nein, das hat damit nicht viel zu tun. Ich finde nur, dass die Schreibweise mit ‘Ph’ viel mehr von der Seele der Photographie einfängt. Jedoch denke ich, dass die Entwicklungen in der Photographie immer ein Zusammenspiel sind: aus den Erfahrungen der Vergangenheit und den Erfahrungen die heute gemacht werden. Ein Rodtschenko zum Beispiel, hätte mit jeder verfügbaren Technik, egal aus welchem Zeitalter die Aussage und den Ausdruck in seinen Photographien transportieren können.

Jedoch stehen uns Photographen heutzutage, dank der digitalen Technik, Möglichkeiten zur Verfügung das im Kopf gewachsene Bild umzusetzen, von denen man vor 20 Jahren noch nicht zu träumen wagte. Diese nicht zu nutzen weil man – ohne Grund – Traditionen wie der analogen Technik verhaftet ist, wäre genauso bedauerlich wie die Analoge Photographie nun unbesehen zum alten Eisen zu werfen. Es gibt für beides sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten wobei aber das deutlich größere Potential in der Digitaltechnik steckt.

Wie oft im Jahr verlassen Sie Ihren Standort in Puchheim bei München, um andernorts Ihre Workshops zu präsentieren?
Wir halten unsere Workshops neben München ca. dreimal jährlich jeweils in Berlin, Köln und Hamburg. Für Consultingaufträge oder Firmenworkshops bereisen wir das ganze deutsch- und englischsprachige Europa. Langjährige Kunden aus z.B. Los Angeles, Wien oder Miami besuchen wir ein- bis zweimal im Jahr, um Ihre Workflows auf Fehlerstellen und Verbesserungspotentiale zu durchleuchten.

Workshops & Consulting für die professionelle digitale Photographie

Wird das Interesse am professionellen digitalen Workflow zunehmend größer; auch unter Nichtprofis?
Ja, auch wenn die meisten das nicht als digitalen Workflow sehen. Im Regelfall versuchen sie den aus der Analogphotographie gewohnten Arbeitsablauf auf die Digitalphotographie 1:1 zu übertragen. Genauso wie viele Profis die da oft nicht besser sind. Was aber gar nicht klappen kann!

Nach einer Weile bleiben die erwarteten ‘besseren’ oder zumindest gleich guten Ergebnisse aus und es kommt zu gewissen Frustrationssituationen. Das Wissen, dass man z.B. jedes RAW Bild schärfen muss oder dass man auch mit wirklich günstigen Mitteln einen farbrichtigen Workflow von der Aufnahme bis zum Druck erzielen kann fehlt vielen. An diesem Punkt, kommt dann oft das Interesse an einem digitalen Arbeitsablauf auf, der endlich die Erwartungen erfüllen soll.

Hier helfen wir engagierten Amateuren und Profis mit Workshops, die von der Konzeption und den Bedingungen her, in Deutschland einzigartig sind und genau dieses Workflowwissen vermitteln.

© Frank Werner
© Frank Werner – Autumn Fairytales

Denken Sie, Fotografen kommen irgendwann wieder dazu Bilder zu machen und sich nicht in erster Linie mit technischen Fragen zu beschäftigen?
Ja, wenn der digitale Workflow für die Photographen vertrauter ist und Sie sich darin genauso sicher fühlen wie bei der Aufnahme mit Ihrer Kamera.

Kreativität beim Photographieren und am Computer werden mehr und mehr miteinander verschmelzen. Jedoch kann man aus einem Bild ohne Aussage am Computer kein gutes Bild machen, aber aus einem guten Bild ein hervorragendes.

Wichtig ist vor allem eins: Die Technik ist nicht so wichtig! Ob eine Kamera 6 oder 12 oder 39 Megapixel hat, sind technische Daten. Man sollte sich mit seinem jetzigen Equipment beschäftigen und nicht immer nach dem vermeintlich ‘besseren’ schielen. Stattdessen sollte man versuchen das Bestmögliche aus Ihm herauszuholen.

Meine erste digitale Spiegelreflexkamera eine Canon D30 mit 3 MP aus dem Jahr 2000 war schon eine sehr gute Kamera. Was diese Kamera konnte, holen viele heute nicht aus Ihren 12 MP Kameras raus. Manche technische Entwicklungen, wie z.B. ein verbessertes Rauschverhalten einer Kamera sind dagegen aber häufig ein wirklich guter Grund bzw. für Profis oft auch ein Muss, eine neue Kamera zu kaufen. Obwohl ich selber mit Canon fotografiere, ziehe ich z.b. vor Nikon den Hut, dass Sie beim Sprung von der D2x auf die D3 bei 12 Megapixeln geblieben sind und dafür das Rauschverhalten der Kamera immens verbessert haben.

© Frank Werner
© Frank Werner – Autumn Fairytales

Apropos Kalibrierung: Ist die Monitor-Kalibration eine exakte Wissenschaft?
Sagen wir mal eine Mischung aus Wissenschaft und Erfahrung die leider oft nicht so exakt ist, wie sie sein sollte. Es gibt dabei Unwägbarkeiten, Praxis- und Prozeßeinflüsse die man oft nicht vorhersehen kann. Jedoch ist ein kalibrierter Monitor immer einem unkalibrierten vorzuziehen.

Ich rate allen meinen Workshopteilnehmern, sich zumindest ein einfaches Montiorkalibrationsgerät anzuschaffen. Dieses ist für den Digitalphotographen nach Kamera und Computer das wichtigste Werkzeug, ohne das er vielleicht nicht blind aber zumindest farbblind ist.

Apropos Farbraum: Sollte man immer im größten verfügbaren Farbraum fotografieren, auch wenn die Fotos hinterher lediglich im Labor entwickelt werden?
Wenn man digital fotografiert arbeitet man während der Aufnahme immer im kameraeigenen Farbraum. D.h. die Kamera bildet alle Farben ab, die der Sensor aufzeichnen kann. Wenn man in JPEG fotografiert muss man sich vor der Aufnahme auf einen der von der Kamera unterstützen Farbräume festlegen. Im Regelfall sind das Adobe RGB oder sRGB.

Die meisten von Amateuren benutzten Labore verwenden für den Druck sRGB. So steht man hier vor der Entscheidung: Werfe ich Farben die die Kamera aufzeichnen kann weg, fotografiere in sRGB und erspare mir das umwandeln von Adobe RGB nach sRGB, oder nehme ich das Umwandeln in Kauf und fotografiere in Adobe RGB.

Diese Entscheidung kann man, wenn man mit einem RAW basierten Workflow fotografiert, auf die Zeit am Computer verlagern, da man bei RAW die Entscheidung des Farbraums erst bei der Konvertierung festlegt.

Das bringt uns gleich zur nächsten Frage: Habe ich im RAW-Format eigentlich noch die Wahl zwischen unterschiedlichen Farbräumen?
Selbstverständlich, bei RAW gerade erst recht. Hier muss ich mich ja erst beim Entwickeln des RAW’s für einen Farbraum entscheiden: einfache Bilder fürs Labor in sRGB, Fine ART Prints in Adobe RGB oder Pro Photo RGB, Bilder für die Vorverarbeitung für den Offset in z.B. ECI-RGB.

Das ist einer der vielen Vorteile von RAW, dass ich alle Farben aufzeichne die die Kamera abbilden kann und erst bei der Nachbearbeitung entscheiden muss und kann, was ich wie verwende. Auch wenn man in Farbräumen noch nicht so fit ist, kann man seine RAW’s ersteinmal in sRGB für das Labor umwandeln und kann, wenn man das Wissen später einmal hat, die Bilder immer nocheinmal erneut konvertieren und dann einen ‘besseren’ oder ‘geeigneteren’ Farbraum verwenden. Man hält sich für die Zukunft eben alle Möglichkeiten offen.

Frank Werner
© Frank Werner – Autumn Fairytales

Welches halten Sie für die derzeit beste Methode, um ein Datenaufkommen von ungefähr 500 Gigabyte pro Jahr dauerhaft zu sichern?
Bei den immer weiter sinkenden Festplattenpreisen und bei diesem Datenaufkommen, kommt eigentlich nur noch eine Festplattensicherung in Frage: Ein RAID 6 Array, d.h. 4 bis z.B. 8 (16 etc.) Festplatten im Verbund von denen 2 ausfallen können bevor ein Datenverlust entsteht wäre hier die beste Option. Preislich geht so etwas bei ca. 500 bis 600 Euro los.

Darüberhinaus sollte man sämtliche Daten eines Jahres parallel auf externe Festplatten sichern. Diese werden in einem Bankschließfach für 30 Euro im Jahr gelagert und (wichtig!) einmal im Jahr auf eine andere Festplatte umkopiert. Dieses müssen keine neuen Festplatten sein sondern nur eine andere mit der gleichen Kapazität.

Was ist aus der Idee eines ‘digitalen Negativs’ geworden? Glauben Sie an die Möglichkeit eines kameraübergreifenden RAW-Formats?
Ja selbstverständlich, wir sind deswegen Mitglied der Open RAW Initiative. Ich befürchte zwar, dass die Kamerahersteller weiter proprietäre RAW Formate verwenden werden, aber zumindest Adobe hat jetzt ja sein (fast offenes) DNG Format bei der ISO zur Standardisierung eingereicht. Wann wir ein wirklich offenes und unabhängiges RAW Format sehen werden steht jedoch leider immer noch in den Sternen.

Der Dynamikumfang, besonders bei kleineren Sensoren, ist im Vergleich zum Film immer noch unbefriedigend. Denken Sie, dass man das irgendwann hinbekommt?
Hier muss man meiner Meinung nach differenzieren. Wie schon die Frage sagt, bei kleineren Sensoren in Kompakt- oder den Prosumerkameras mit ihren nur wenigen quadratmillimetergroßen Sensoren ist ein ordentlicher Dynamikumfang bisher leider nicht gegeben. Dieses wird sich erst dann ändern wenn der Amateur / Consumer im XY Markt nicht mehr nach der Zahl der Megapixel sondern nach deren Qualität fragt.

Bei guten digitalen Spiegelreflexkameras befinden wir uns im Moment bezüglich des Dynamikumfangs auf der Stufe besser als ein Diafilm und knapp unter dem Farbnegativfilm. Das heißt in der Farbfotografie hat die Digitaltechnik bei großen Sensoren auch beim Dynamikumfang den Anschluss an Analog erreicht. Ganz abgesehen von den Möglichkeiten wie z. B. HDRI – High Dynamic Range Image – die sich durch die Digitaltechnik bieten.

Auf einen Sensor, der technisch und ohne zusätzlichen Aufwand den Dynamikumfang eines guten Schwarzweißfilms erreicht, werden wir leider noch eine Weile warten müssen. Trotzdem ist die Digitaltechnik auch im Schwarzweißbereich meistens schon eine gute, wenn nicht gar oft eine bessere Option.

Wann haben Sie das letzte Mal analog fotografiert?
2004 während Mardi Gras in New Orleans, ein Jahr vor dem Hurrikan Katharina, als uns bei einem Einkaufsbummel, eine Parade von unserem Hotel und damit von meinen Kameras abgeschnitten hat und ich mir eine einfache Analogkamera und ein paar Filme gekauft habe.

Wann gibt es das erste Frank Werner Buch zur ‚Digitalen Photographie’?
Vermutlich Ende 2008 / Anfang 2009. Ich habe hier ein Projekt mit dem dpunkt Verlag in Planung, welches das Thema RAW aus einer recht ungewöhnlichen, aber sehr praxisnahen Sichtweise betrachten wird.

Frank Werner - eXtreme visual media

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