29. Mai 2008 M.R. 0

Man kann nur das fotografieren, was man weiß

Fotofestival Horizonte ZingstEines der großen Highlights auf dem Festival Horizonte in Zingst wird die Ausstellung ‘Zingster Köpfe’ des Fotografen Christian Popkes sein. Popkes hat Zingster – charakteristische Gesichter dieser Landschaft – porträtiert und wird die Fotos, überlebensgroß gedruckt in den Dünen unweit der Seebrücke aufstellen. Wir haben mit Christian Popkes über sein Openair-Fotoprojekt, seine Ambitionen als Fotograf und sein Verhältnis zu Zingst gesprochen.

Christian Popkes hat an der FH in Dortmund und in Bielefeld Fotografie studiert und ist Mitglied im BFF – Bund freier Fotodesigner – und in der DGPh, der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Popkes ist darüber hinaus Spezialist für die technische Umsetzung kreativer Arbeiten. Durch ihn sind die wertvollen Kontakte zu Apple, Hasselblad oder auch Hewlett Packard für das Festival zustande gekommen.

In seinem, im Rahmen des Fotofestivals angebotenen Workshop geht es um die Bildidee, die Bilderstellung, die Bildbearbeitung und die Bildausgabe.

Christian Popkes - Horizonte
Das Modell und der Fotograf – Christian Popkes

Wie ist die Verbindung Zingst und Christian Popkes zustande gekommen?
Meine Teilnahme an einer Hasselblad-Tagung führte mich vor nunmehr drei Jahren das erste Mal nach Zingst an die Ostsee, die so anders ist als die mir bis dahin vertraute Nordsee.

Sie sind maßgeblich an der Vorbereitung des Fotofestivals Horizonte Zingst 2008 beteiligt gewesen. Warum Zingst und warum nicht Hamburg; warum der Darß und warum nicht Berlin?
Zingst, das ist wunderbare Natur. Hier finde ich für mich die nötige innere Ruhe für meine künstlerische Arbeit. Ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren, die überflüssige Hektik der Großstädte fällt einfach ab.

In Ihrem Workshop ‚Wege zum eigenen Bild’ heißt es unter Punkt eins: ‚Die Bildidee’. Steckt also hinter jedem guten Foto für Christian Popkes zunächst der Gedanke an das Bild?
Als Fotodesigner muss man ein Konzept haben, das hat man schon vor dem Diplom intus. Die Bildidee ist aber nur ein Teil des Konzeptes. Alle vier Workshopaspekte sind gleichwertig zu betrachten. Bildidee, Bilderstellung, Bildbearbeitung, Bildausgabe sind nicht losgelöst voneinander zu betrachten. Man muss einfach wissen, was man erreichen, was man ausdrücken will.

Welches Verhältnis haben Sie demnach zum fotografischen Zufall? Gibt es gute Fotos zufällig?
Man kann nur das fotografieren, was man weiß. Die zufällige Begebenheit wird nur wahr genommen, weil der Blick dafür reif ist, weil es im Kopf die Idee, das Konzept gibt.

Ihr Workshop ist auf den digitalen Workflow ausgerichtet. Fotografieren Sie noch manchmal analog bzw. arbeiten Sie gelegentlich hybrid, das heißt verwenden analoge und digitale Techniken im Wechsel?
Für mich ist nicht entscheidend mit welcher Technik fotografiert wird, Hauptsache das Bild ist gut.

Ich benutze die fotografischen Techniken wie Register der Orgel, die ich ziehe, um einen bestimmten Klang, ein Bild, ein Ziel zu erreichen. Mit dem Wissen aus der analogen Fotografie kann man vieles in der digitalen Technik besser umsetzen.

Sie sind Vollmitglied beim BFF. Ist das für Sie als Fotograf mit den Schwerpunkten People und Reportage eine lohnende Mitgliedschaft?
Natürlich, der BFF ist der wichtigste Zusammenschluss von Werbefotografen Deutschlands. Da die Bildsprache der People- und Reportagefotografie in der Werbefotografie tendenziell immer mehr Raum einnimmt, fühle ich mich im BFF zu Hause. Hier hat man mit vielen interessanten Kollegen eine gemeinsame Kommunikationsplattform.

Sie werden Portraits von Zingstern in den Dünen vor der Seebrücke zeigen. In freier Natur und sehr groß – 3 x 3 Meter. Wie ist das technisch gelöst? Was passiert bei Sturm und Regen?
Durch die Hewlett Packard Innovation der Large Format Technik besteht überhaupt erst die Möglichkeit Bilder von solch gigantischen Ausmaßen zu präsentieren. Vor zwei Jahren in der Open-Air-Ausstellung auf Helgoland haben die Exponate bewiesen, dass sie Sturm, aggressiver UV-Strahlung und der salzhaltigen, feuchten Seeluft fast unverwüstliche Qualität entgegensetzen.

Im Pressetext zur Veranstaltung steht: ‚Charakteristische Gesichter dieser Landschaft’. Ein Sozialportrait?
Das Spannende war für mich, die von der Landschaft geprägten Gesichter einfangen zu dürfen. Die Freude am tätigen Leben, die Erfahrungen, die Mühsal, aber auch die innere Freiheit haben sich in diese Gesichter eingeprägt. Ich habe so viel von diesen Menschen erfahren und bin dankbar für diese Begegnung.

In gewisser Weise erinnern Ihre ‚Zingster Köpfe’ an die Arbeiten Walter Schels. Gibt es da Berührungspunkte?
Ich schätze Walter Schels als einen der größten deutschen Fotografen und als einen guten Freund.

Wo möchten Sie als Fotograf gern einmal ausstellen und wen möchten Sie als nächstes gern fotografieren?
Die Zingster Köpfe in Berlin!

Ja, und nicht zu vergessen mein Projekt mit den Lakota-Indianern, das ist noch nicht abgeschlossen. Für dieses Jahr steht eine Ausstellung in der Pine-Ridge-Reservation in South-Dakota auf dem Programm.

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