Mit Fotografie allein wird man heute kein Fotograf mehr
Mit dem Fotografen Eberhard Schuy habe ich über sein Projekt MOTIVationFOTOGRAFIE gesprochen, einem speziellen Onlinekurs-Angebot, das sich an Fotografieinteressierte richtet. Als professioneller Werbefotograf gibt Schuy keine Tipps hinsichtlich Kamerakauf und Zubehör, sondern das Kursangebot thematisiert gezielt den ‘Weg zum Bild’ und das ‘Motiv’, wobei Schuy seine Erfahrung mit Stills im weitesten Sinne einbringt.
Zentrales Element aller Kurse ist die Diskussion über Bilder, wobei Eberhard Schuy für seinen Onlinekurs eine spezielle Software verwendet, die es allen Teilnehmern ermöglicht, im selben Moment das gleiche zu sehen und via Headset zu kommunizieren. Die Teilnehmerzahl wird dabei auf eine im virtuellen Raum überschaubare Größe beschränkt.

© Eberhard Schuy
Bei ‚Onlinekurs’ denkt man zuerst an PDF-Lesung und Stillbeschäftigung. Wie funktioniert so ein Kurs bei Ihnen?
Ja- das ist auch mein erster Gedanke gewesen als ich von Online-Kursen hörte und so ist das ja auch bei vielen Angeboten. Durch Zufall bin ich dann auf ein völlig neu konzipiertes Programm gestoßen das vom Fraunhofer Institut in einem auf mehrere Jahre angelegten europäischen Forschungsprojekt mit entwickelt wurde.
Nun hatte ich das Glück dieses Programm intensiv testen zu können und war von der optischen und akustischen Präsenz so begeistert das ich dieses neue Medium unbedingt mit meiner Faszination für Fotografie verbinden wollte.
Also man sitzt wirklich um einen virtuellen Tisch herum! Auf dem Tisch der mindestens 2/3 des Bildschirmes einnimmt werden dann Fotos oder Folien gezeigt. Das Chatfenster in das man eintippt ist zumindest in meinen Online-Kursen nur noch eine zweitrangige Kommunikationsmöglichkeit, man spricht ganz einfach miteinander, alles kann völlig intuitiv bedient werden und schon nach kurzer Zeit kommt fast ein persönliches Verhältnis zu den Tischnachbarn auf.
So entsteht dann eine echte Diskussionsrunde, die übrigens auch die nötigen Emotionen bei der Bildbesprechung zulässt und transportieren kann.
Wird im Vorfeld die Eignung der Teilnehmer geprüft?
Nein eine Prüfung gibt es nicht, es kann zwar ein kleiner Check gemacht werden, wo es um die grobe Einschätzung des Wissenstandes und der Erfahrung geht aber ich habe bisher auch noch keine negativen Erfahrungen machen müssen.
Bisher war es immer so, dass alle Teilnehmer vom fotografischen Anfänger bis zum Profi mit sehr viel Respekt umgegangen sind. Unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen kann ja auch nicht schaden und ist gerade in unserem Beruf enorm wichtig. Die Begeisterung für das Fotografieren ist das Entscheidende, das ist die Basis, die durch fundierte Inhalte noch gesteigert wird. Und auf keinen Fall sollte man die frische und unbelastete Sichtweise eines Fotografierenden unterschätzen, der sich nicht täglich mit diesem Metier auseinandersetzen muss.

© Eberhard Schuy
Wie wird gewährleistet, dass alle Teilnehmer das gleiche sehen bzw. hören?
Wie oben schon beschrieben alle sitzen an einem Tisch, es ist wie im echten Leben.
Die Onlinekurse erfordern ein gewisses technisches Verständnis. Stichwort: http-Tunneling über Port 80 und 128-bit-Verschlüsselung. Sind Sie auch Computerfachmann?
Nein- auf gar keinen Fall, davon habe ich überhaupt keine Ahnung. Ich weiß nur das man das nicht essen kann. Die gesamte Technik ist in den Händen der Fachleute für dieses E-Conferencing Programm .
Bei den Kursangeboten wird eine ‚Mindestteilnehmerzahl’ vorgeschrieben. Gibt es auch eine maximale Teilnehmerzahl?
Doch, auf jeden Fall muß die Teilnehmerzahl begrenzt sein. Bei mehr als 10 Teilnehmern kommt kein echter Dialog auf. Also ich denke eine optimale Gruppengröße für intensive Bildbesprechungen liegt bei 8 Teilnehmern.
Gibt es denn eine Möglichkeit das einmal praktisch zu erleben? Sie hatten ja bereits schon einmal einen Schnupperkurs angeboten. Wird das wiederholt?
Ja, ich werde das in anderer Form regelmäßig anbieten. Es wird also kostenlose Vorstellabende geben, die Teilnehmerzahl wird sehr begrenzt sein und es wird eine kurstypische Bildbesprechung mit der Möglichkeit zum intensiven Dialog stattfinden.
Dazu gibt es dann noch Tips und Tricks aus der Praxis. Alle Interessierten können sich hier gerne auf der MOTIVationFOTOGRAFIE.de – Seite vormerken lassen.
Es gibt nicht nur die Onlinekurse mit Ihnen, Sie sind auch Gastdozent an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd und erklären auf FotoTV Fotokonzeptionen. Wie ist Eberhard Schuy Lehrer geworden?
Also ich bin ja kein Lehrer! Sagen wir mal so, ich gebe Antworten zu fotografischen Themen mit denen ich mich die letzten 20 Jahre intensiv auseinandergesetzt habe. Erst waren es 3-4 Leute die mich etwas gefragt haben und dann habe ich irgendwann mal erkannt das auch das Antworten im konzeptionellen Spiel viel mehr Spass macht.
Über ein Konzept zur fotografischen Ideenfindung bin ich dann als Gastdozent zur HfG in Schwäbisch Gmünd gekommen. Naja und dann geht es halt irgendwie immer weiter. Wenn man lange über Fotografie, die tägliche Auseinandersetzung mit Fotos und die Funktionsweise von Bildern nachgedacht hat, dann hat man irgendwann einen guten Fundus an Erkenntnissen.
Aber das ist ein Engagement das auf meine Tätigkeit als Fotograf eigentlich kaum Einfluss hat. Nach wie vor bin ich täglich ca. 9 Stunden im Studio alles andere passiert nach 20 Uhr.

© Eberhard Schuy
Ein Wort zu Ihren anderen Kursangeboten und Workshops.
Es gibt noch direkte Kurse in meinem Studio, die finden zwar geplant, aber in unregelmäßigen Abständen statt. Auch das sind Kurse die von der Begeisterung für Fotografie leben, immer eine sehr begrenzte Anzahl von Teilnehmern haben und sehr intensiv durchgeführt werden. Meistens mache ich diese Kurse mit einem sehr kompetenten Werbefotografen und Dozenten aus dem süddeutschen Raum.
Über Loft2.de kann man sich hier detailliert informieren.
Reden wir über Fotografie: Haben Sie als Fotograf Ihr persönliches Sujet gefunden?
Ich hoffe ich verstehe die Frage richtig – Stills sind es die mich täglich begeistern und fordern können – Stills im weitesten Sinne, das richtig fotografierte Bierglas mit den bewusst gesetzten Tropfen oder der Metallbohrer, der zum gestalteten Objekt stilisiert wird bis hin zu den Peopleaufnahmen die ich gerne, zum Leidwesen der Modelle, auch als blickgeführte Stillleben fotografiere. Also lockeres Posing geht da überhaupt nicht, das sind schon arrangierte vordefinierte Motive. Ich nenne sie Peoplestills.
Ja, das ist schon ein großer Antrieb, die Gedanken die dahinter stehen, zu visualisieren und eine Freude wenn ich das an fotografisch Interessierte auch verbal vermitteln kann.
Sie arbeiten seit zwanzig Jahren als Werbefotograf in Köln. Fotografieren Sie noch manchmal auf Film?
Habe ich mir gerade überlegt ob ich das noch einmal tun sollte – das hatte ja was – aber seit 3 Jahren habe ich keinen Film mehr eingelegt. Und eigentlich macht es doch, wenn nicht gerade sentimentale Gründe vorliegen, auch keinen Sinn.
Wie haben Sie als Profi den Übergang von der analogen zur digitalen Fotografie erlebt?
Sehr fließend und überraschend selbstverständlich. Ich habe eigentlich nie über die neue Technik nachgedacht, habe es immer als ein neues Werkzeug verstanden das mir gestattet einfacher zu arbeiten.
1994 habe ich meine ersten Dias zur Bearbeitung einscannen lassen und von diesem Moment an war das ein stetiger Prozess. Wie gesagt, erst vor 3 Jahren wurde das Dia bei mir im Studio, vollständig abgelöst.
Ein Rückblick, in dem man sich diesen Wandel noch einmal vergegenwärtigt macht sicher hin und wieder Sinn. Gerade typisch analoge Arbeitsweisen werden zu schnell vergessen oder zumindest vernachlässigt. Eine Doppelbelichtung z.B. bei der sich Licht addiert und zum besonderen Effekt wird lässt sich digital nur bedingt simulieren und die Leute, die wissen wie so etwas aussieht werden ja auch zwangsläufig immer weniger.

© Eberhard Schuy
Was hat sich im Berufsbild des Fotografen in den letzten Jahren noch geändert?
Gelerntes Fachwissen gezielt, im nicht direkt überprüfbaren Prozess, einzusetzen hat gewaltig an Bedeutung verloren – also ich meine jetzt das handwerkliche Fachwissen – ob alles richtig verschwenkt ist und ob alles richtig belichtet ist. All das kann uns heute die Kamera abnehmen und ist per Laptop im Histogramm und mit Lupenfunktion innerhalb von Sekunden direkt am Set überprüfbar.
Das kann also von wesentlich mehr Personen erledigt werden. Daraus resultiert in wesentlich größerem Maße die nötige Auseinandersetzung mit dem die Fotografie beeinflussenden Umfeld. Das können nun Grafik, Geschichte, Mode, Design, Journalismus und noch viele andere Fachgebiete sein. Fotografie alleine befähigt nicht mehr diesen Beruf wirklich erfolgreich auszuüben: man muss sich nur den Hintergrund guter Fotografen mit etabliertem Stil anschauen. Jeder der diesen Beruf ausüben möchte, sollte sich sehr genau über seine persönliche Grundlagen im Klaren sein.
Wie lebt es sich als Fotograf in Köln – der Stadt der PHOTOKINA?
Da die Photokina ja nur alle 2 Jahre stattfindet lebt es sich hier mit all den Museen, mit der Menge der Galerien, den vielseitigen fotografischen Ausstellungen und der kölnischen Toleranz hervorragend.
Unsere Standartfrage zum Schluss: Fluch oder Segen – Microstocks?
Da habe ich nun nicht den Bezug dazu- ich kann da nur ganz theoretisch antworten : Warum sollte ich ein Foto das in einer guten Stockagentur 400 Euro oder mehr bringt für 5 Euro verkaufen. Aber es ist völlig normal, das es so etwas gibt und der Markt dafür scheint ja zu bestehen. Interessant wäre das Verhältnis der in den Microstockpools archivierten Fotos zu den verkauften Bildern.

© Eberhard Schuy


Mit der Kamera sehen Konzeptionelle Fotografie im digitalen Zeitalter
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Das Wesen der Fotografie: Ein Elementarbuch Stephen Shore erklärt, wie man Fotografien richtig beurteilt und versteht.
Erfolg als Fotograf: Wie man sein Können optimal präsentiert Autorin: Dr. Martina Mettner
[...] Mit Fotografie allein wird man heute kein Fotograf mehr. Fragen an den Fotografen Eberhard Schuy zur Fotografie und zu seinem Online-Kursangebot [...]
ein sehr interessantes und aufschlussreiches interview,inhaltlich voll und ganz nachzuvollziehen, bravo….ich werde hier wohl öfters lesen…
Gutes Interview. Ich frag mich manchmal ob Köln wirklich eine gute Stadt ist für Fotografen, oder ob sich lohnt doch nach Hamburg oder Berlin zu gehen.