Weniger Möglichkeiten gute Fotografie in Magazinen unterzubringen
Eine Woche noch, dann geht sie los: die 4. Triennale der Photographie in Hamburg. Dr. Henriette Väth-Hinz ist Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin der 4. Triennale und heute bei bildwerk3 im Interview. Ich habe Frau Dr. Väth-Hinz zum Festival, zur Fotografiestadt Hamburg, zur Rolle der deutschen Fotografie für die Triennale und auch zum Freundeskreis der Photographie e.V. meine Fragen geschickt und prompt Anwort erhalten.
Vielen Dank an Frau Dr. Väth-Hinz – das Interview:
Frau Dr. Henriette Väth-Hinz, die Frau hinter der Triennale. Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
Eigentlich durch meine Heirat mit einem Fotografen. Aber ich habe mich auch schon davor, während meines Studiums der Kunstgeschichte, mit diesem für das Fach noch völlig unbearbeiteten Thema beschäftigt und zwar in Verbindung mit der Werbefotografie.

© Renée Pötzscher „blicken” im Galerie Künstlerhaus – Hamburg Bergedorf
Wie sieht ein normaler Arbeitstag so kurz vor der Triennale aus?
Aufstehen um 6:00 Uhr, ab 7:00 Uhr am Laptop bis ca 10:00 Uhr. Danach die Termine wahrnehmen mit Museen, Galerien, anderen Veranstaltern, dem Zeltbauer, der Presse, Listen aufstellen und abarbeiten, Einladungen verschicken, Vorbereitungen für die zahlreichen Veranstaltungen treffen, mit Sponsoren Absprachen treffen und … und … und.
Haben Sie Lampenfieber?
Nein. Ich bin kein Star, der einen Auftritt vor sich hat. Die Stars treffen Sie auf den Veranstaltungen und bei den Vernissagen, das sind die Fotografen. Ich organisiere im Hintergrund, ich bin dafür zuständig, daß alles klappt. Dass die Gäste ordentlich empfangen werden, daß die Besucher alles finden, dass alles reibungslos läuft.
Welches ist Ihr persönliches Highlight der diesjährigen Triennale? Worauf freuen Sie sich am meisten?
Mein persönliches Highlight wird neben den vielen Ausstellungen in den Museen und an anderen Veranstaltungsorten, das Symposium sein zum Thema „Say Cheese. Über das Lächeln in der Fotografie“, das quasi als Leitmotiv für das diesjährige Fotofestival gesetzt ist. Dazu haben wir internationale Wissenschaftler aus Großbritannien und den USA zu Gast, neben Fachleuten, die sich mit der Bedeutung des Lächelns in Japan oder dem Lächeln fürs Familienalbum auseinandergesetzt haben.
Das werden spannende Vorträge, die unsere Besucher am Sonntag, 13. April zwischen 11 und 17 Uhr im Triennale-Zelt bei den Deichtorhallen sehen und hören können.
Welche Rekorde brechen Sie in diesem Jahr?
Ein Rekord wird bestimmt die Anzahl der angebotenen Veranstaltungen sein.
Neben dem Symposium bieten wir vom 11.- 20. April jeden Abend um 21 Uhr Lichtbildprojektionen mit Arbeiten junger Fotografen an, präsentiert von international bekannten Fotofachleuten, wie Josefine Raab aus Wiesbaden, Initiatorin des Fotowettbewerbs „gute aussichten“ oder Andrea Holzherr von Magnum in Paris, um nur zwei von ihnen zu nennen. Außerdem werden wir drei Round Table Gespräche, Workshops, Portfoliosichtungen mit 15 internationalen Sichtern und vieles mehr unseren Gästen bieten.
Die Aufmerksamkeit für Fotografie ist groß. Gestiegene Ausstellerzahlen und aller Voraussicht nach steigende Besucherzahlen. Wie erklären Sie sich diesen Zugewinn an öffentlicher Akzeptanz: ein allgemeiner Trend oder ein spezieller Verdienst der Triennale – Arbeit?
Ich würde natürlich gerne sagen, es ist unser Verdienst. Aber ich bin bescheiden.
Vielleicht kann man sagen, daß wir zum richtigen Zeitpunkt – nämlich beim Übergang von analoger zu digitaler Fotografie – das richtige Gespür für die kommende Bedeutung der Fotografie als Kunst hatten. Immer mehr junge Fotografen sehen sich als Künstler und wollen mit ihren Arbeiten in Galerien und Museen, gleichzeitg gibt es aber auch immer weniger Möglichkeiten gute Bilder in Magazinen unterzubringen. Vielleicht bedingt auch das eine das andere.

© Peter Fischli & David Weiss. Fragen & Blumen. Eine Retrospective. Deichtorhallen Hamburg
Hamburg als Zentrum für Fotografie in Norddeutschland. Welche Rolle spielt der Standort für die Ausrichtung der Triennale der Photographie?
Hamburg ist eine Medienstadt. Hier sitzen die großen Verlage, wie Gruner und Jahr, Springer, Bauer-Verlag, Spiegel, Jahreszeiten Verlag und hier sind auch die meisten Werbeagenturen. Deshalb ist Hamburg auch die Stadt, in der die meisten Fotografen deutschlandweit leben und arbeiten. Und da das Medium Fotografie immer noch die wunderbare Eigenschaft hat, sowohl im angewandten Bereich als auch im künstlerischen Bereich angesiedelt zu sein, ist es nicht ohne Bedeutung, daß auch in dieser Stadt die ersten großen Fotosammlungen in Museen aufgebaut wurden.
Ich erinnere zum Beispiel an das Museum für Kunst und Gewerbe mit seiner großartigen Fotosammlung aus dem 19. Jahrhundert oder die Hamburger Kunsthalle, deren Direktor Alfred Lichtwark der der Erste überhaupt war, der Fotografen beauftragte Portraits bekannter Persönlichkeiten für ein Museum anzufertigen.
Die Triennale der Photographie in Hamburg ist betont international. Wie steht die deutsche Fotografie im internationalen Vergleich da?
Da muß ich wiedersprechen. Die Triennale der Photographie hat von Beginn an immer Wert darauf gelegt, daß auch deutsche und hier besonders Hamburger Fotografen dem Publikum vorgestellt werden. So hatten wir über die Jahre Ausstellungen von Hans Hansen, Walter Schels, Volker Hinz, Andreas Herzau.
In diesem Jahr wird es zwei große Retrospektiven mit Arbeiten von Karin Székessy und mit F.C. Gundlach geben; außerdem werden Arbeiten von Jaschi Klein, Nomi Baumgartl, Thomas Demand und Canida Höfer zu sehen sein. Natürlich wollen wir auch über den Tellerrand hinaussehen und international renommierte Fotokünstler zeigen. Eigenartigerweise gibt es in diesem Jahr eine Häufung von Fotografen aus den nordischen Ländern, wie Lettland, Lithauen und Norwegen.
Zählen nur die ganz großen Namen oder sind es die jungen, die aussichtsreichen Talente, die den Ruf deutscher Fotografie ausmachen?
International sind es sicherlich die „großen“ Namen, wie Gursky, Ruff, Demand, die die deutsche Fotografie bekannt gemacht haben. Bis weit in die 70er Jahre hinein zählten auf dem Kunstmarkt ausschließlich amerikanische, allenfalls französische und ein paar japanische Fotografen zu den Stars. Seit den Bechers zählen jetzt eben auch die deutschen Fotografen zur hochdotierten Gilde.
Haben kleinere Festivals im Kampf um Aufmerksamkeit eine Chance, sich gegenüber den großen und den ganz großen Veranstaltungen zu behaupten?
Sicherlich haben auch kleinere Festivals eine Chance, solange sie sich spezialisieren. Man nehme nur Perpignan, eine unbedeutende Stadt an der französisch- spanischen Grenze, die kein Mensch kannte, bevor sie sich aufmachte das Mekka der journalistischen Fotografie zu werden.
Mit welchem Argument würden Sie jemanden der heute Mitte zwanzig ist, ermuntern Fotografie als künstlerisches Studienfach zu wählen?
Mit Mitte zwanzig ist es schon spät, aber sicherlich nicht zu spät. Ich würde ihm mit den gleichen Argumenten ermuntern wie für jeden anderen Beruf: Das wichtigste ist immer, man muß es wirklich wollen und alles dafür geben. Geht in die Museen, seht euch Fotobücher an, kennt eure Väter. Bildet Euch, seid neugierig und dann los.
Ein paar Worte zum Freundeskreis der Photographie e.V.
Der Freundeskreis der Photographie ist entstanden aus dem Arbeitskreis der Photographie, der sich seit Beginn der 80er Jahre zum Ziel gesetzt hatte, ein Museum für Fotorafie in Hamburg zu gründen. Dank der großzügigen Leihgabe der umfangreichen Sammlung von F.C. Gundlach und vielen Initiativen von zahlreichen Foto-Fachleuten und Enthusiasten ist es schließlich gelungen das Ziel zu erreichen.
Mit der Eröffnung des Hauses der Photographie 2005 hat sich der Arbeitskreis in einen Freundeskreis der Photographie verwandelt, der heute, wie alle anderen Freundeskreise auch, sich bemüht das Haus zu unterstützen und das Medium Fotografie zu fördern.
Was werden Sie nach der Triennale machen?
Nach der Triennale ist vor der Triennale.

© O.Winston Link Trainspotting. Amerikas letzte Dampfzüge im Museum der Arbeit


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