27. März 2008 M.R. 11

Kostenpflichtiger Content hat es schwer

Filme über Fotografie und über Fotografen im Internet? Als bezahlter Inhalt für Fotoenthusiasten und Fotografieneugierige? Wir haben Dr. Marc Ludwig den Geschäftsführer und Initiator von FotoTV, einem Projekt das es innerhalb eines Jahres zu beachtlicher Aufmerksamkeit geschafft hat, zur Entstehung, zu den Schwierigkeiten und zu den Aussichten von FotoTV befragt.

Außerdem verlosen wir drei kostenlose Zugänge – für drei Monate – zu allen veröffentlichten Filmen auf FotoTV unter allen Kommentatoren zu diesem Beitrag. Los gehts: euer Kommentar zum Programm von FotoTV oder zum Thema bezahlter Content im Netz ist gefragt … Die Gewinner werden am Donnerstag in einer Woche hier auf der Seite stehen.

fototv - kostenloser Account

Wie wurde die Idee zu FotoTV geboren? Haben Sie eine Ahnung, warum gerade Sie diese Idee hatten?
Die Idee kam mir ganz unvermittelt am Flughafen. Keine Ahnung, warum gerade dort. Das war wohl Zufall. Dass mir die Idee kam, liegt aber in vielem begründet: Ich fotografiere selbst und fand es immer sehr spannend und informativ, wenn Fotografen ihre eigene Arbeit erklären. Man bekommt dann einen ganz anderen Zugang zu den Bildern. Auch Workshops haben mir immer viel gegeben. Wenn Sie das dann noch mit meinem beruflichen Hintergrund im Bereich Internet vermischen, lag die Idee für FotoTV auf der Hand und musste nur ‘geboren’ werden.

Das Angebot von FotoTV richtet sich in erster Linie an User, die bereit sind, für hochwertige Inhalte zu bezahlen. Ist die Zeit reif für kostenpflichtigen Content im Internet?
Ich glaube, kostenpflichtiger Content wird es im Internet noch lange schwer haben. Wenn es die gleiche Information wie in einem kostenpflichtigen Angebot im Internet umsonst gibt, dann ist sie immer nur einige Mausklicks weit entfernt. Ich kaufe auch kein Eis am Kiosk, wenn es daneben vom Langnese – Promotionteam verschenkt wird. Bei FotoTV ist die Lage aber etwas anders: Hochwertige Filme über Fotografie gibt es im Internet kaum zu sehen. Wir haben mehr als 200 Stück davon und sind damit meines Wissens die größte online-Filmdatenbank zum Thema Fotografie weltweit. Für den Kunden ist das ein Grund, eben doch zu bezahlen.

Wer schaut FotoTV? An wen richtet sich das Angebot?
Unsere Zuschauer stammen meist aus dem oberen Segment der Amateure und aus dem unteren der Profis. Hier ist der ‘Wissensdurst’ sehr hoch und unser Angebot sehr attraktiv. Auf Dauer wollen wir testen, ob wir auch nach unten oder oben abrunden können.

Bis heute mehr als zweihundert Filme auf FotoTV zum Schwerpunkt Fotografie mit einer sehr breiten Palette spannender Themen: Woher kommen die Anregungen zu den zahlreichen Beiträgen?
Nun, am Anfang haben wir erst einmal das gedreht, was mich interessiert. Ich habe ja selbst das Profil eines FotoTV Nutzers und da verlass ich mich auf meinen Bauch. Mittlerweile befragen wir ständig die Zuschauer, was sie wünschen und orientieren uns daran. Und dann ist es oft auch so, dass sich Themen anbieten, weil grade eine Ausstellung eröffnet, weil ein Fotograf uns ein Thema anbietet etc.

Auf welche besonderen technischen und logistischen Herausforderungen stößt man, sobald man nicht nur Text und Bild, sondern Film im Internet anbietet?
(lacht) … auf jede Menge! Denken Sie nur an die Datenmengen! Wir haben 50 Festplatten mit Filmdaten im Bestand und ständig kommen neue Lieferungen. Dann müssen Sie das beliebig vielen Zuschauern gleichzeitig ausliefern können. Das geht nicht mit einer 99ct. Strato-Website. Aber im Großen und Ganzen ist das heute alles machbar. Wenn nur die Telekom auch DSL außerhalb der großen Ballungszentren verfügbar machen würde!

Sind die Beiträge nur für das Internet produziert oder ließen sie sich auch in andere Formate umwandeln und senden?
Wir produzieren so, dass wir auch ins Fernsehen oder auf DVD gehen könnten. An HandyTV glaube ich zur Zeit noch nicht, dafür sind die Bilder zu klein. Auch HDTV ist für uns noch kein Thema, könnte aber eines Tages kommen.

Halten Sie Ihr Konzept für übertragbar? Wenn Sie die Wahl hätten, noch ein Projekt in dieser Art umzusetzen, welches Thema würden Sie wählen – ich habe auf FotoTV gelesen, Sie kochen gern?
Ich hab noch eine handvoll Ideen in der Schublade. WebTV steckt ja noch in den Kinderschuhen. Denken Sie nur an all die Hobbys, die nie im Fernsehen laufen – Oldtimer, Garten, Basteln … Auch im Bereich Kochen kann man noch was machen, aber mir fehlt einfach die Zeit! FotoTV ist ein 70 Stunden-Job und jedes weitere Format würde noch einmal so viel Arbeit machen … ganz zu schweigen von den nötigen Investitionen. Von daher werde ich im Moment dabei bleiben. Aber man weiß ja nie, was kommt …

Wie schnell brauchen Sie den wirtschaftlichen Erfolg?
Alle erfahrenen Unternehmer sagen mir, dass man 3 Jahre braucht, um aus dem Gröbsten raus zu sein. Soweit ich das bisher überschaue, könnte das bei uns auch so sein. Die Kunst ist, die Kosten niedrig zu halten und dabei immer noch Qualität zu produzieren. Das ist eine Herausforderung, die sich jeden Tag neu stellt!

Nehmen wir mal an, der Programmdirektor des ZDF meldet sich bei Ihnen mit dem Vorschlag zu einer eigenen Sendung. Einzige Bedingung: Kein FotoTV.de mehr. Mit welcher Begründung würden Sie ablehnen?
Warum soll ich angestellter Moderator einer Sendung werden, wenn ich schon Chef meines eigenen Senders bin?

Haben Sie noch manchmal Zeit und Gelegenheit altes Fernsehen zu sehen?
Nein. Ich gehe nur manchmal noch ins Kino.

FotoTV in fünf Jahren?
Ein Muss für jeden Fotografen mit über 1000 Filmen über Fotografie.

Im Moment 11 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Marko sagt:

    … ein langes Interview mit Marc Ludwig kann man auch sehen: als Film mit Ton bei kwerfeldein

  2. [...] verlosen unter allen Kommentatoren zu diesem Beitrag und zum Interview mit Dr. Marc Ludwig drei kostenlose Zugänge zum gesamten Angebot von FotoTV – für drei Monate. Also: Schreibt was [...]

  3. Ich gebe ehrlich zu, dass ich mich mit FotoTV noch nicht aktiv auseinandergesetzt habe, mir fehlt da bisher die Zeit zu. Aber ich habe auf dem GDT-Festival in Lünen ein wenig mit den Jungs geplaudert und auch schon viel Feedback zu dem Angebot gelesen. Ich finde den Ansatz gut und interessant.

    Ich bin aber auch der Meinung, dass sich kostenpflichtiger Content im Internet auf Dauer nur durchsetzen kann, wenn er interaktiv gestaltbar ist. Rein passives Konsumieren bezahle ich schon bei der GEZ, da muss mir im Internet mehr geboten werden.

    Aber da schlummern ja noch Ideen in der Schublade, Ich bin also gespannt.

    Vielen Dank für das Interview.

  4. Da fällt mir ein, dass auf der re:publica08 am Freitag eine Subkonferenz mit dem Thema “Video-Blogs” stattfindet. Passt irgendwie.

  5. Bene sagt:

    Ich glaube auch, dass dem ganzen bisher vor allem die “Web 2.0″-Elemente fehlen. Das soll nicht in einer Art Foto-Youtube enden, aber doch zumindest ein paar Community-Faktoren können sicher nicht schaden. Professionell produzierter Content ist heute eine angenehme Abwechslung im Internet (und hoffentlich wieder dessen Zukunft), dennoch möchten sich viele Nutzer inzwischen doch mit einbezogen fühlen.

  6. Kai sagt:

    das mit Foto-Tv könnte was werden. Ich bin da auch sehr optimistisch.

    Aber: (da meistens negative Kritik konstruktiv wirkt)

    Was mir bei den meisten frei zugänglichen Filmen von Foto-Tv aufgefallen ist, ist die schlechte Qualität der Filme. Inhaltlich zwar interessant, werden da Filme gezeigt, die meine Tochter besser filmen könnte.(Und die ist noch sehr jung!) Hat Foto Tv kein externes Micro? Mit einem einfachen Schnittprogramm lassen sich wundersame Dinge vollbringen…Zwei drei
    Vorab-Überlegungen machen die Aufnahmen besser. Das ist mit dem Fotografieren ja ähnlich :) Für ein kostenpflichtiges Angebot müsste die ganze Sache ein wenig professioneller daherkommen.
    Diesen trashigen Charme kann ich nur bei Leuten gut finden, die nicht versuchen ne Menge Geld zu verdienen.
    Wie auch immer…ich seh es gelassen und bin gespannt…

  7. Marc Ludwig sagt:

    Hi,

    danke für die Kommtentare hier. Dazu zwei Anmerkungen:

    Interaktivität ist im Film nicht gut machbar. Wir beziehen unsere Zuschauer aber stark bei der Produktion der Filme ein, indem wir sie fragen, was für Filme gewünscht werden. Der Nutzen der Community rund um FotoTV entsteht auch über die Kommentare zu den Filmen, in denen wichtige Ergänzungen zu den Filmen stehen.

    Die Kritik zu der Filmqualität kann ich nicht teilen. Die Tochter in allen Ehren, aber trashig ist das ganze nicht. Der Film ‘Cyanotypie’ zum Beispiel ist von einem Kameramann des HR gedreht.

    Das soll nicht heissen, dass wir nicht besser werden können, aber uns werden wohl nie die GEZ Dollars zur Verfügung stehen, mit denen die öffentlich-rechtlichen Anstalten Euch verwöhnen. Daher bitte um Milde bei der Beurteilung ;-)

    Beste Grüße Marc Ludwig

  8. [...] entweder hier oder hier oder hier kommentieren und mit ein bißchen Glück drei Monate ohne eine Cent dafür zu bezahlen [...]

  9. Volker Mueller sagt:

    Hallo,

    der frühe Vogel fängt den Wurm. In diesem Fall heisst das aber auch ein relativ hoher Beitrag für eine überschaubare Anzahl an Filmen. Denn nicht alles interessiert mich. Wie wäre es denn mit einer Gebühr, die es mir gestattet für den gezahlten Betrag eine bestimmte Anzahl an Filmen zu schauen. Alternativ würde ich auch pro Film zahlen.

    Grüsse, Volker

  10. Florian sagt:

    Bezahlter Content wird es im Internet IMMER schwer haben. Nur mit der richtigen Konzept kann man punkten. Aber solange es auch konstenlose Webseiten wie Strobist oder Podcasts oder Foren gibt wo Leute ihre Infos erhalten kann man mit Bezahlcontent eigentlich nur die erreichen bei denen das Geld etwas lockerer sitzt, die haben aber meist dann auch schon eine profesionelle Ausrüstung und wissen wie man damit umgeht.
    Also mein Fazit ist, dass man sich mit der Richtigen Idee halten kann aber reich wird man im Internet wohl nur mit Online-Poker aber nicht in dem man Wissen oder Videos verkauft.

    Gruß Flo

  11. [...] wird die Premiere, die gleichzeitig im Internet und im offenen Kanal Landau zu sehen sein wird, von Mark Ludwig – Gründer und Geschäftsführer von [...]

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