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25. März 2008 3

Fotografen und Fotografie-Netzwerk in Berlin – neunplus

Von Marko Radloff

Die Gruppe junger Fotografen gibt es seit 2005 – eine Kooperative zur Föderung und Verbreitung von Autorenfotografie. Es geht um die Freiheit der Fotografen sich ihr Thema zu suchen und eine eigene Bildsprache zu entwickeln und es geht um die Hoffnung auf die Wirksamkeit eines Netzwerkes mit Gleichgesinnten. Gemeinsam sind wir stärker als Leitmotiv der Berliner Gruppe.

Wir haben Klaus Muenzner von ‘neunplus‘ unsere Fragen geschickt und unter anderem erfahren, das die Website von ‘neunplus’ gerade relauncht wird, das es nicht um Geld geht und das noch mindestens ein bis zwei Fotografen gesucht sind, sich aktiv an dem Projekt zu beteiligen. Bedingungen in drei B’s: Berlin, Bildsprache, Begeisterung – für Fotografie natürlich – für Autorenfotografie.

neunplus

unsere Fragen zu ‘neunplus’ an Klaus Muenzner

Was ist ‘neunplus’ zuerst: eine Fotografengemeinschaft oder eine Kulturinstitution in Sachen Fotografie?
neunplus ist beides: zunächst ein Fotografenkollektiv, das gemeinsam nach außen auftritt. Wir halten gerade für freie, eher künstlerisch arbeitende Fotografen ein effizientes Networking für enorm wichtig. Das charakteristische daran ist, daß jeder seine Verbindungen, Kontakte und sein Wissen für die Gruppe einbringt. So entsteht im Laufe der Zeit ein Netzwerk, das sich stetig erweitert.

neunplus als Kulturinstitution will vor allem sogenannten Autorenfotografen ein Forum geben. Für unsere Ausstellungen zeigen wir neben den Arbeiten unserer festen Fotografen im Wechsel Arbeiten zeitgenössischer nationaler und internationaler Gastfotografen. Im Vergleich zu kommerziellen Galerien, wählen wir die gezeigten Arbeiten nicht nach den Kriterien der Verkaufbarkeit aus.

Wer hatte die Idee zu dem Namen ‘neunplus’ und warum?
Die Idee hatten wir als wir 2005 im Rahmen eines recht langen brainstormings. „Neun“ verweist zunächst auf die Anzahl der Gründungsmitglieder und die Hausnummer in der Borsigstraße. Das „plus“ soll einerseits symbolisieren, daß die Gruppe mehr ist als neun Einzelpersonen, andererseits für einen dynamischen Prozeß bei dem etwas Neues entsteht.

Für ‘neunplus’ steht der Begriff der ‘Autorenfotografie’ im Mittelpunkt. Was versteht man bei ‘neunplus’ unter Autorenfotografie?
Das werden wir öfters gefragt, da der Begriff tatsächlich etwas aus der Mode gekommen ist. Klaus Honnef prägte den Begriff Ende der 70er Jahre. Wir verstehen darunter vereinfacht ausgedrückt, daß ein Fotograf ein freies Projekt mit eigenen Mitteln realisiert, aus eigenem Antrieb, selbstbestimmt und bestenfalls im Laufe der Zeit eine eigene Handschrift entwickelt.

Gibt es schon überregionale Veröffentlichungen, die aus dem Gemeinschaftsprojekt hervorgegangen sind?
Ja, wir hatten ein Gemeinschaftsprojekt über Landjugend, das wir mit Fotografen-Kollektiven und Kunstuniversitäten aus acht europäischen Ländern initiiert haben. Zwei neunplus-Fotografen haben dabei für Deutschland fotografiert. Ende 2007 konnten wir mit Fördergeldern der „Aktion Mensch“ eine Publikation drucken.

Wie wichtig ist Berlin?
Berlin ist insofern wichtig, da es dort zum einen ein kunstinteressiertes Publikum und eine breit-gefächerte Fotografie-Szene gibt. Es gibt dort außerdem immer noch die Möglichkeit vergleichsweise günstig Galerie- und Arbeitsräume anzumieten.

Wir müssen das fragen: Geht es auch um Geld oder nur um fotografischen Nachruhm?
Es geht uns dabei ganz klar nicht ums Geld! Neunplus ist ein non-profit-Projekt, das sich nur durch ein ehrenamtliches Engagement seiner Mitglieder trägt. Die Resonanz beim Publikum ist dabei sehr gut. Wenn sich durch positive Reaktionen für unsere Fotografen Möglichkeiten ergeben, z.B. für eine finanzierte Ausstellungsbeteiligung, Aufträge, Stipendien oder Bildverkäufe, so kommt uns das natürlich nicht ungelegen.

aus states and places © Klaus Muenzner
aus states and places © Klaus Muenzner

Gibt es Förderer und Sponsoren?
Nein, leider gibt es keine festen Förderer oder Sponsoren. Gelder werden ohnehin zumeist nur noch projektbezogen vergeben. Wir beantragen aber auch immer wieder Gelder für Ausstellungen und Gemeinschaftsprojekte, die z.T. dann auch bewilligt werden. Für die Miete und laufende Kosten müssen wir jedoch leider selbst aufkommen.

Einmal im Monat ein ‘offenes Treffen’. Wie ist die Resonanz auf so ein regelmäßiges Event?
Sehr gut. Es hat sich mittlerweile so weit rumgesprochen, daß sich alleine über die Homepage (der Termin wird zumeist 1-2 Wochen zuvor veröffentlicht) zahlreiche Gastfotografen für die Teilnahme anmelden.

Stehen die Termine für die nächsten offenen Treffen schon fest?
Ja, der nächste Termin ist am 16.4. In der Regel veröffentlichen wir den Termin zwei Wochen vorher auf unserer Homepage.

Was müssten interessierte Fotografen mitbringen um in Eurem Kollektiv aufgenommen zu werden?
Zunächst einmal wäre ein Wohnsitz in Berlin wünschenswert. Wichtig wäre außerdem eine Bildsprache, die zu uns paßt, Teamfähigkeit, sowie das Interesse und die Energie unser kulturelles Programm (Ausstellungen, Vorträge, Slideshows, etc …) aktiv mitzugestalten.

Aktuell sind wir gerade noch auf der Suche nach ein bis zwei Fotografen zur Verstärkung unseres Teams. Eine Kurzbewerbung, gerne mit Verweis auf eine Homepage, kann jederzeit unter mail[at]neunplus[dot]com eingereicht werden.

‘neunplus’ in fünf Jahren?
Das ist jetzt noch recht spekulativ, aber ich könnte mir vorstellen, daß wir in absehbarer Zukunft ohne feste Galerie auskommen werden. Wenn wir keinen Sponsor finden, wäre es denkbar, in Zukunft verstärkt Ausstellungen in anderen Galerien zu organisieren, zu veranstalten oder für Ausstellungsprojekte auf Zwischennutzungen zurückzugreifen.

Bekommen wir einen Link von euch? (grins)
Den Link gibt`s schon im blogroll auf unserem Newsblog. Auf unserer Hauptseite verlinken wir nur befreundete Fotografenkollektive und andere Netzwerkpartner mit denen wir aktiv zusammenarbeiten. Wir planen in den nächsten Wochen/Monaten aber ein umfassenden Homepagerelaunch, dann werden wir alles noch mal komplett überdenken.

mitwirkende Fotografen: Klaus Münzner, Mirjam Siefert, Nikolaus Brade, Sabine Wild, Christian Kielmann, Annette Assmy, Tom O’Doherty, Sandra Kühnapfel, Lina Gruen

Plattenbau © Tom Doherty
aus Plattenbau © Tom O’Doherty

opener © Mirjam Siefert
opener © Mirjam Siefert

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Im Moment 3 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Marko sagt:

    … und, wie mir Tom O’Doherty soeben mitteilt, gibt’s einen Relaunch der Website von neunplus … Herzlichen Glückwunsch! Ein gelungenes Remake. Irgendwie mal ganz anders!

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