‘GUTE AUSSICHTEN’ – Junge deutsche Fotografie in Hamburg

Was nehme ich aus so einer Ausstellung mit nach Hause – mal abgesehen von der bitteren Einsicht, dass ich selbst für diese Art von Würdigung schon ein bisschen in die Jahre gekommen bin? Wird dies ein ein kurzer Text? Soll ich’s bei der Empfehlung belassen hinzugehen (noch bis zum 24.02.2008 in Hamburg hier, dann in Burghausen vom 6.3.2008 – 4.5.2008 und vom 16.5.2008 – 14.7.2008 in Berlin im Martin Gropius Bau) oder soll ich das Projekt, die Jury und ihre Mitglieder und alle Gewinner einzeln vorstellen und so entstehe dann ein langer Text?

‘GUTE AUSSICHTEN’ - Junge deutsche Fotografie in Hamburg

Der erste Gedanke: Bei Gemeinschaftsausstellungen dieser Art gibt es immer herausragende, im Gedächtnis bleibende Eindrücke und weniger starke Exponate. Zum vierten Mal wurden Absolventen deutscher Hochschulen mit dem Studienfach Fotografie eingeladen sich an den ‚Guten Aussichten‘ zu beteiligen und in diesem Jahr wurden aus den 83 Einsendungen elf Arbeiten für die Präsentation im Rahmen der Ausstellung ausgewählt. Was tatsächlich für alle Gewinner einen großen Imagegewinn bedeutet und einen guten Start ins Berufsleben verspricht – die Exposition ist ordentlich unterwegs und national und international viel zu sehen.

Fotografische Arbeiten aus dem Umfeld der Hochschulen haben immer den Vorzug, das sie frei und scheinbar voraussetzungslos entstehen und spielerisch das Medium begreifen und dennoch mit großem Ernst umgesetzt sind. Der Titel ‚GUTE AUSSICHTEN‘ verheißt Erfolg tatsächlich erst in der Zukunft und nimmt etwas vorweg, von dem uns erst später ein ‚Licht‘ aufgehen wird. Vielleicht.

Da sind die Fotografien von Agata Madejska, die ich wegen ihrer formalen Strenge und technischen Abstinenz für den gelungensten Beitrag des diesjährigen Wettbewerbs halte. Auf der anderen Seite sind die Bilder aus Christian Tiefensees ‚Refugium‘ eine tiefer gehende, intensive Erfahrung, die der Erläuterung gar nicht bedürfen. Und wenn dann doch Worte benutzt werden, dann klingt das so: „In einer Mischung aus Eigen- und Fremdmaterial zeige ich die Kapitulation des Einzelnen vor seinen zeitlichen, räumlichen und geistigen Grenzen.“ Wie bitte? Also lieber nicht lesen! Aber mit jedem dieser Bilder wird etwas Inneres visualisiert …

‘GUTE AUSSICHTEN’ - Junge deutsche Fotografie in Hamburg
Überhaupt ist es mit den erläuternden Texten so ein Sache. Fotos die den Betrachter ohne Erklärung nicht erreichen, werden auch mit den Erläuterungen oft nicht besser. Einzige Ausnahme diesmal: die großformatigen Architekturbilder von Margret Hoppe: ‚Die verschwundenen Bilder‘. Diese Fotografien wirken mit ihren kahlen Flächen, auch wenn man nicht weiß, das an diesen Stellen einstmals DDR-Kunst hing und Margret Hoppe genau nach diesen Stellen gesucht hat. Dafür machen die Bilder noch einmal neugierig, sobald man den Grund ihrer Entstehung kennt.

Der Ausstellungsort, das Hamburger ‚Haus der Photographie‘ in den Deichtorhallen ist ein großzügiger und nobler Präsentationsort für Fotografie, in dem das Fotografieren selber leider verboten ist. Ich wurde gleich am Eingang von einem der Wachleute darauf aufmerksam gemacht und dokumentiere mit diesen Bildern aus dem Inneren eine heimlich vorgenommene Grenzüberschreitung … Man wird hoffentlich Nachsicht mit mir haben.

‘GUTE AUSSICHTEN’ - Junge deutsche Fotografie in Hamburg

‘GUTE AUSSICHTEN’ - Junge deutsche Fotografie in Hamburg

Veröffentlicht von Marko Radloff

Marko Radloff ist Gründer und Herausgeber von Bildwerk3. Bei Bildwerk3 Fotoarbeiten zeigen? Submission! Über Marko Radloff: XING Bildwerk3 unterstützen? Über diesen Link einkaufen.

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