10. Januar 2008 M.R. 1

Keine Bildagentur: durchdiebank – junge Sichtweisen

Auf sich aufmerksam macht ‘durchdiebank’ durch die Präsentation und Vermittlung junger fotografischer - aber nicht nur Fotografie, sondern auch Illustration – Talente und ungewöhnlicher, ungesehener Sichtweisen, wobei ‘durchdiebank’ ihre Fotografen und Fotografinnen hauptsächlich über den Kontakt zu den Hochschulen findet und für sich gewinnt. Dabei versteht sich ‘durchdiebank’ nicht als Bildagentur, sondern eher als Partner und Vermittlungsinstanz in Sachen Fotografie. Wir haben mit Gianna Schade über das Projekt ‘durchdiebank’ gesprochen und auch über das Geschäft mit Bildern. (alle gezeigten Fotografien stammen aus dem aktuellen Portfolio)

durchdiebank - Geert Oeser
Foto Geert Oeser

Ist ‚durchdiebank’ nach herkömmlichem Verständnis eine Stock-Bildagentur oder eine Fotografen-Repräsentanz?
Weder noch. Als herkömmlich kann man unsere Herangehensweise nicht bezeichnen. Wir vertreten im Vergleich nur wenige Fotografen/Illustratoren. Einige von uns arbeiten angewandt, andere sehr frei. Die Prioritäten liegen in unterschiedlichen Bereichen. Da ist es schwer durchdiebank und die Künstler in eine Schublade zu sortieren. Den meisten geht es um Aufträge aus der Werbung und von Magazinen. Andere fertigen Serien alleine für Ausstellungen an. Ein gemeinsames Anliegen ist es, Inhalte zu transportieren. Wir versuchen für eine Serie immer die beste Präsentationsform zu finden.

Was unterscheidet ‚durchdiebank’ von anderen; was ist das Alleinstellungsmerkmal?
Unsere Arbeiten kommen aus den Bereichen Fotografie, Film, Illustration, freier Kunst usw. Oft überschneiden sich die Fähigkeiten bei den einzelnen Studenten. So kommt es häufig zu Gruppenarbeiten. Wir legen Wert auf einen Austausch zwischen den Studenten. Ob nun bei gemeinsamen Ausstellungen oder Symposien. durchdiebank hat die Funktion eines Forums.

Wie findet ‚durchdiebank’ junge Fotografie – Talente?
Die Jahresausstellungen der Hochschulen sind immer eine gute Möglichkeit mit Fotografen/Illustratoren direkt in Kontakt zu treten. Oftmals sind auch die Professoren mit eingebunden und vermitteln zwischen uns und den Studenten. Das Interesse besteht ja von beiden Seiten. Außerdem ist es bei der Fülle an Wettbewerben und Ausstellungen recht einfach neue Sichtweisen zu finden.

Hat ‚durchdiebank’ beim Auswahlkriterium: ‚muss als Fotograf an einer Hoch- oder Fachhochschule immatrikuliert sein’, schon mal Ausnahmen zugelassen?
Nein, bisher noch nicht. Es kam schon mal vor, dass ein Fotograf sein Studium gerade abgeschlossen hatte, als er zu durchdiebank gekommen ist. Das war aber eine Ausnahme. Wir suchen in erster Linie nach Studenten im Hauptstudium mit fertigen Semesterarbeiten, die ein Konzept vorweisen können. Es geht uns um Arbeiten, bei denen um die Ecke gedacht wurde, und die sich nicht am bestehenden Fotomarkt orientieren. Studenten sind oftmals diejenigen, die am meisten Zeit für eine Serie aufwenden können, und in der Themenwahl am freiesten sind. Abschlussarbeiten sind in der Regel am besten ausgearbeitet und treffen
den Puls der Zeit.

Wie viele Studenten / Fotografen hat ‚durchdiebank’ gegenwärtig unter Vertag?
Dreiundzwanzig. 14 Fotografen und 9 Illustratoren. Ab Februar kommen zwei neue Fotostudenten dazu. Einer aus Kiel, einer aus Köln.

durchdiebank - Johanna Klier
Foto Johann Clausen

durchdiebank - Fred Hüning
Foto Fred Hüning

Ein Vertrag wird für zwei Jahre geschlossen. Was passiert danach?
Zwei Jahre sind ein guter Zeitraum, um festzustellen, ob man gut zusammen arbeiten kann. Studenten verändern sich. Gehen ins Ausland oder entscheiden sich nach dem Studium doch für eine Festanstellung. In dem Fall trennen wir uns meistens von den Studenten. Aber normalerweise wird die Zusammenarbeit auch nach dem Diplom und den zwei Jahren Vertragslaufzeit fortgesetzt.

Spielt der Standort Hamburg eine Rolle?
Wir haben zum Glück einen sehr guten Standpunkt in Hamburg. Ein altes Karstadt-Gebäude bietet uns über 3000 Quadratmeter Fläche zum Ausstellen und Agieren. So etwas findet man hier selten. In dem Gebäude befinden sich über 50 freischaffende Fotografen, Grafiker, Modedesigner, Architekten, Maler usw. So ein Aufeinandertreffen von verschiedenen Betrachtungsweisen bereichert ungemein. Im Normalfall ist es in Berlin immer einfacher passende Räume zu finden. Aber Berlin hat zu wenig Mittel und das Publikum ist übersättigt. Unsere Kunden aus der Werbung und die Verlage sitzen nun mal im Norden.

Wird ‚durchdiebank’ auf der Bildagenturmesse ‘PICTA’ in diesem Jahr in Hamburg vertreten sein?
Nein. Wir suchen lieber das direkte Gespräch mit dem Kunden. Sprich bei Ausstellungen oder bei vereinbarten Mappenpräsentationen ohne Zeitdruck.

Viele Bildagenturen gehen Partnerschaften mit anderen Agenturen ein. Ist das für ‚durchdiebank’ eine überlegenswerte Option?
Momentan nicht. Angebote bestehen, aber bislang hat noch keine andere Bildagentur angefragt, die zu uns gepasst hätte. Einige von uns fotografieren ja auch parallel für eine klassische Stock-Agentur. Bei durchdiebank werden dann die Serien präsentiert, die wir für etwas Besonderes und speziell halten. Eine klare Trennung macht so manches einfacher. Auch für den Kunden. Bildagentur-Pools haben nicht nur Vorteile.

In den Nutzungsrechten für ‚durchdiebank’ – Bildmaterial mit Personen steht sinngemäß: ‚Verwendung für Pateienwerbung unzulässig’. Ist das üblich?
Wir versuchen bei jedem Bildverkauf mit dem Fotografen kurz abzuklären, ob er mit dem Verwendungszweck einverstanden ist. Ähnlich sieht es mit der Honorargestaltung aus.

Grundlage der Preisgestaltung bei ‚durchdiebank’ sind die Honorarrichtlinien der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing. Sind die Bildpreise aus den Richtlinien immer durchsetzbar?
Wir treten nicht als Standardagentur auf. Service ist für uns sehr wichtig. Ohne ausführliche Beratung findet bei uns nur bei Stammkunden ein Bildverkauf statt. So geschieht es nicht häufig, dass Kunden versuchen die Preise zu drücken. Gelegentlich drucken aber auch Magazine unsere Bilder, die nichts bezahlen können, aber dafür ein gutes Ziel verfolgen.

Angebotene Fotos sind nicht automatisch exklusiv?
Die meisten Bilder aus unserem Archiv hängen irgendwann an einer Galeriewand und werden im Idealfall in einem Magazin veröffentlicht. Wenn Exklusivaufnahmen gewünscht werden, werden die in der Regel produziert.

Gibt es Überlegungen, Fotografie auch lizenzfrei anzubieten?
Nein.

Besteht bei diesem Profil nicht die Gefahr, am Ende ‘nur’ Kunst, aber keine brauchbare Fotografie im Angebot zu haben?
Was ist brauchbare Fotografie? Dokumentarfotografie? Hat die eine Zukunft? Gibt es die Dokumentarfotografie überhaupt noch? Sollte man nicht endlich neue Wege beschreiten?

„Bereiche der reinen Abbildung, wie z.B. der Fotojournalismus befinden sich heute in einer Krise, da sie keine neuen Impulse zum Mediendiskurs geben. Die Digitalisierung, und die daraus resultierende Vereinfachung der Manipulation von Bildern, stellen den Wahrheitsanspruch in Frage. Die Grenzen des Eingreifens sind fließend, und die Fotografie als reales Medium wird hinterfragt. Misstrauen schafft neue fotografische Ansätze. Es ergeben sich neue Einblicke in neue Dimensionen. Ein Bruch mit traditionellen Darstellungsweisen ist lebenswichtig für das Medium. Fotografen müssen ermutigt werden zeitgemäß und medienkritisch zu arbeiten.“

Aus dem Anlass wird es im April/Mai eine Ausstellung und ein Symposium diesbezüglich geben. Der Titel lautet – sofern -

Sofern … die Fotografie nur eine fiktive und unvollkommene Wiedergabe der Realität ist, bietet sie heute als Medium eine Vielzahl an Möglichkeiten, um neue Bilder zu erzeugen. Die Fotografen müssen nur aktiv nach neuen Bildern suchen, um zu einer besonderen Aussage zu gelangen. Diese Bilder wären eine Erweiterung der bestehenden Welt und ein Fortschritt für das Medium. Dabei würde ein aktiver Eingriff nicht bedeuten, dass es dabei um eine bestimmte Technik geht, vielmehr ist damit ein Eingriff in die bestehende Welt gemeint, zugunsten einer erweiterten Auseinandersetzung mit der Fotografie und der Realität. Für ein Fortbestehen des Mediums ist die Suche nach neuen Bildern unerlässlich.

durchdiebank - Markus Steffen
Foto Markus Steffen

durchdiebank - Johanna Klier
Foto Johanna Klier

durchdiebank - Alexandra Breitenstein
Foto Alexandra Breitenstein

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  1. [...] möchte ich auf das Interview mit durchdiebank hinweisen, einer Bildagentur, die sich als Partner und Vermittlungsinstanz für [...]

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