9. Januar 2008 2

Gelesen: Vom Tod eines Fotografen

Von Marko Radloff

Medium und Zeit sind gut für bewegende Geschichten. Eine davon ist die des Fotografen Wilfried Bauer, der einmal zu den ganz Großen der Branche zählte, der für ‘Spiegel’, ‘Geo’, ‘Stern’ und das ‘FAZ-Magazin’ rund um den Erdball unterwegs war und der sich in Hamburg St. Georg aus dem Fenster seiner Wohnung stürzte, eine Geschichte, deren Ursprünge in den sechziger und siebziger Jahren liegen, eine Geschichte, die am Ende zum Sinnbild einer ganzen Epoche wird und die ihren Anfang nimmt, als man Fotografen für eine Reportage noch vier bis sechs Wochen Zeit geben konnte und die heute tragisch enden muss.

Jürgen Schreiber – einer der besten investigativen Journalisten Deutschlands – hat für den Tagesspiegel einen bewegenden Essay über den Tod des Fotografen Wilfried Bauer verfaßt: wer Zeit und Medium verstehen möchte, muss diesen Beitrag lesen. Aus dem Text:

Was ist passiert, dass dem Ausnahmekönner der Tod weniger grausam vorkam als das, was er für sich noch erwartete? Dass er sein Testament im Handschuhfach des Autos deponierte, die Wohnung anzündete, um sein gesamtes Werk auszulöschen. In seiner sorgsam gehüteten (und doch bekannten Verlassenheit) quälten den Autodidakten Versagensängste, Bauer fühlte sich zuletzt bitter verkannt und nie genug geliebt. Sein Sprung vollendet in unübersehbarer Symbolik den erlittenen, beruflichen Absturz, eine lang in ihm angestaute Aggression, die sich gegen ihn selbst richtet.

Im Moment 2 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. [...] Seit über einem Jahr beschäftige ich mich nun mit der Fotografie. Angefangen habe ich vorletztes Jahr mit einer wirklich grandiosen Pocketknipse. Dann bin ich auf eine digitale Spiegelreflex umgestiegen, weil ich meine Möglichkeiten entdecken wollte. Und die auf jeden Fall nicht bei Ikea. Dass es natürlich auch finstere Geschichten rund um die Fotografie geben kann, zeigt mir aktuell der wunderbare Essay von Jürgen Schreiber im Tagesspiegel über den Selbstmord von Wilfried Bauer [via bildwerk3]. [...]

  2. …ich habe mich schon lange gefragt, was der geniale Wilfried Bauer eigentlich macht. Die Antwort schmerzt.

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  • tina: halleluja, da treiben die Fotografen ja fast genauso Hochleistungssport wie die Jungs auf dem Spielfeld. Respekt! Und vielen Dank ...
  • Walter: Sehr beeindruckender und interessanter Einblick....

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