Zehn Fragen an Fotografen: Katrin Binner
Die 1977 geborene Fotografin hat das Studium für Kommunikationsdesign in Darmstadt mit dem Schwerpunkt Fotografie absolviert. Der Titel ihrer Diplomarbeit lautet ‘Photo synthesen’. Sie ist seit 2003 Mitglied der Deepol-Bildagentur und seit 2005 Juniormitglied beim BFF. Binner hat 2007 beim BFF- Jahrbuch-Award silber geholt und beim Canon ProFashional Photo Award den 1.Preis gewonnen. Sie hat bereits im Greenpeace Magazin, im Manager Magazin, bei ZEIT Leben und ZEIT Wissen – um nur einige zu nennen – veröffentlichen können.
Ihre Bilder sind das Ergebnis sorgsamer Überlegung und Reduzierung, wobei Katrin Binner versucht einen allzu perfekten Eindruck zu vermeiden. Die Bilder sind auf eine seltsame Art und Weise vollkommen und unvollkommen zugleich. Jedes ihrer Bilder ist eine Überraschung und entpuppt sich beim genauen Hinsehen nicht als Verfremdung, sondern als gestaltete, mit den Mitteln klassicher Fotografie aufgenommene Wirklichkeit. Die Fotografin lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Foto Katrin Binner
Frage 01: Erinnern Sie sich, wann Sie Ihr erstes Foto gemacht haben?
Nein, an das erste Foto erinnere ich mich nicht, ich erinnere mich allerdings an mein erstes “Fotoshooting”. Da war ich 11 und habe meinen dreijährigen Bruder mit seiner Kindergartenfreundin fotografiert. Die Beiden saßen in einer Blumenwiese und hielten sich an den Händen. Ich glaube ich habe vier oder fünf Bilder mit einer Pocket-Sucherkamera geschossen, das war schon verdammt viel. So viele Bilder für nur ein Motiv! Was ich damit wollte, weiß ich nicht mehr. Die Fotos dienen nun zumindest als Zeitdokument für meinen Bruder. Das ist dann ja das Gute an der Fotografie – kommt sie auch noch so banal daher.
Frage 02: Welche Ihrer Fähigkeiten ist Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten behilflich?
Mein Ideenreichtum – und sollte noch eine zweite gefragt sein wäre das meine Hartnäckigkeit. Meine Ausdauer und Enthusiasmus beim Fotografieren wurde von Modellen und Assistenten allerdings auch schon verflucht.
Frage 03: Was muss man unbedingt können, um Fotografin zu sein?
Weiß nicht, kommt drauf an welche Art von Fotografie man da betreibt.
Frage 04: Wann haben sie angefangen ausschließlich digital zu fotografieren?
Noch gar nicht. Ich fotografiere immer noch viel und gerne analog. Ich kann mich nur schwer vom Film trennen und vor allem kann ich mich nicht vom fotografieren mit meiner Hasselblad trennen (für die ich kein digitales Rückteil besitze.) Ich mag das Quadrat und ich mag es auch, mit Ruhe einen Bildausschnitt zu finden. Dass man nicht so schnell und flexibel ist, weil man meistens mit Stativ arbeitet, stört mich nur selten. Ich plane Bilder sowieso gerne ausführlich.
Letztendlich habe ich die Entwicklung hin zum Digitalen gerade am Anfang schon sehr verflucht. Da fängt man gerade an, die Analogfotografie im Griff zu haben und die Dinge funktionieren, dann kommt eine neue Technik und man fängt – zwar an anderer Stelle – aber doch wieder von Vorne an ( ein Stichwort: Farbmanagement). Es dauert eben immer etwas, bis die Kinderkrankheiten einer neuen Technik vollständigen beseitigt sind. Und in der digitalen Fotografie scheint mir das besonders lange zu dauern. Nein, richtig erfreut bin ich noch immer nicht über diese Technik. Manchmal beschließe ich sogar, die Bilder nicht zu perfekt zu inszenieren, damit nicht sofort jeder meint, das Bild wäre digital manipuliert. Bei meiner Serie “Tapetenwechsel, sprach die Birke” war das so. Ich habe Hintergründe in den Wald geschlepptund die Bäume davor fotografiert. Später konnte man fast meinen, ich hätte den Hintergrund einfach digital “eingezogen”. Um das zu vermeiden, habe ich dem Hintergrund noch ein paar Knicke verpasst. Auch wenn es prinzipiell egal scheint, ob das nun ein echter 2,75 m Hintergrund ist, der im Wald herumsteht, oder ob das nun digital verändert wurde, so macht es für mich doch einen Unterschied. Und das nicht nur wegen des Schleppens.
Frage 05: Ein besonders gutes Bild entsteht eher zufällig oder muss sorgfältig geplant sein?
Ah, das habe ich beinahe schon beantwortet. Für mich funktionieren am Besten geplanten Geschichten, da ich für den Zufall in der Regel sowieso zu langsam bin, aber oft war der Zufall Ideengeber. Vielen meiner Bilder gingen kleine Bleistiftskizzen, oder zumindest Digital-Fotoskizzen voraus.

Foto Katrin Binner

Foto Katrin Binner
Frage 06: Haben Sie schon einmal einen Auftrag abgelehnt? Wenn ja, was für einen?
Ablehnen musste ich schon manchmal aus Zeitmangel. Dummerweise überschneiden sich Aufträge sehr gerne. War da jetzt nach einem aufregenderen Grund gefragt?
Frage 07: Fluch oder Segen: Microstocks?
Das musste von mir soeben gegoogled werden. Wohl eher Fluch. Andererseits ist das wie mit der Globalisierung, bestimmte Dinge lassen sich eben schlecht aufhalten und wenn es dafür einen Markt gibt, dann wird der auch bedient. Ich selbst mache mir da aber nicht so viele Sorgen, da ich hoffe, dass die Kombination: Gute Ideen technisch gut umgesetzt, bestehen kann. Ich bin ja nicht nur Fotografin, sondern auch meine eigene Art Direktorin.
Frage 08: Wo möchten Sie als Fotografin einmal ausstellen?
In sämtlichen extrem attraktiven Großstädten rund um den Erdball, solange ich zur Ausstellungseröffnung eingeladen bin. Ansonsten mache ich mir tatsächlich nicht so viel aus Ausstellungen, es sei denn ich bin Gast. Es ist mir wirklich etwas unangenehm, dann im Mittelpunkt zu stehen. Ja, verwunderlich, wo das ja sonst nicht so meine Art ist.
Frage 09: Wen möchten Sie gern einmal fotografieren?
Sven Regener
Frage 10: Bleiben Sie Fotografin?
Oh, das hoffe ich sehr. Man weiß ja nie, ob man das selber bestimmen kann. Manchmal, bei einem sehr stressigen Shooting kann ich mir nicht vorstellen, dass ich das bis 50 körperlich und vor allem geistig durchstehe (und: wenn ja, wie verheerend das wohl Spuren in meinem Gesicht hinterlassen mag ?) Aber vielleicht ist das wie bei einer Geburt, hinterher wenn alles gut gegangen ist, ist man glücklich und vergisst die Schmerzen ganz schnell.

Foto Katrin Binner

Foto Katrin Binner

Foto Katrin Binner

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