Zehn Fragen an Fotografen: Axel Lauer
Die Karriere von Axel Lauer ist ein Kompliment an Berlin und eine Ermutigung für jene, für die Fotografie erst spät zum Beruf wird. Die Gründe mögen vielfältig sein, aber Ziel all jener Quereinsteiger in dieses Fach ist es, fotografierend zu leben. Für Axel Lauer ist die Fotografie der zweite Beruf. Lauer (geboren 1964) ist im ersten Beruf, den er bis heute ebenso ausübt und den er für einen der sinnlosesten Berufe hält, den sich Menschen ausdenken können: Artist. Seinen Lehrern sei er durch Opposition, Renitenz und revolutionäre Ansichten in Erinnerung geblieben, als Artist hat er es in die Berliner Varietes Chamäleon und Wintergarten geschafft. Die Pubertät würde bis heute bei ihm andauern und wohl nahtlos, wie bei Männern üblich, so Lauer, in die Midlife Crisis übergehen.
Wir haben Axel Lauer als Fotograf befragt und Antworten erhalten, die auch belegen, das fast jeder Beruf zur Entwicklung beitragen kann und man Erfahrungen, die man dort gesammelt hat, in seinen neuen Beruf einbringen kann. Axel Lauer lebt und arbeitet in Berlin.

Frage 01: Erinnern Sie sich, wann Sie Ihr erstes Foto gemacht haben?
An das erste Bild nicht wirklich. Aber meine ersten Gehversuche in Sache Fotografie unternahm ich mehr schlecht als recht in der 10ten Klasse in unserer politisch sehr linken und engagierten Schülerzeitung. Die Ergebnisse könnte man mit den Worten eines damaligen Lehrers umschreiben. “Er hat sich bemüht”. Nach einem Jahr versenkte ich meine Kamera samt Zubehör in einem See.
Obwohl man meinen könnte ich hätte sie mangels Erfolg oder Befähigung “an den Nagel gehängt” war es aber doch ein Unfall. Und so blieb die Fotografie bis zum Jahr 1999 für mich auf Eis bis ich sie aus einem mir unerklärlichen Grund wieder aufgriff.
Frage 02: Welche Ihrer Fähigkeiten ist Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten behilflich?
Ich war 20 Jahre erfolgreich als Artist auf Varietebühnen zu gange und unter anderem auch einige Zeit als Moderator. Das hilft mir bei meiner Arbeit mit Menschen am meisten. Die Fähigkeit zu animieren, mich zum Kasper machen zu können. Und aufgrund meiner Tanzausbildung bin ich auch in der Lage auch komplizierte Posen klar vormachen zu können. Das ist hilfreich bei Privatkunden die ja verständlicherweise doch eher unbeholfen sind.
Frage 03: Was muss man unbedingt können, um Fotograf zu sein?
Sehen! In Ausnahmefällen muss man das wohl mit wahrnehmen ersetzen.
Frage 04: Wann haben sie angefangen ausschließlich digital zu fotografieren?
Ich arbeite im Schnit 70:30 digital und wenn ich analog arbeite dann liebend gerne mit meiner altem Mamiya Press (6×9).
Frage 05: Ein besonders gutes Bild entsteht eher zufällig oder muss sorgfältig geplant sein?
Ein gutes Bild entsteht niemals zufällig. Die abgelichtete Situation gelegentlich schon.


Frage 06: Haben Sie schon einmal einen Auftrag abgelehnt? Wenn ja, was für einen?
Aber ja. Ich lehne ständig und in wachsendem Maße Aufträge ab und reiche sie an Kollegen weiter. Der Hintergrund ist das ich in meinem Hauptberuf als Suchmaschinen/ Website-Optimierer so viel zu tun hab das ich kaum noch mehr zum fotografieren komme und mein Studio zunehmend verwaist. Das Gute ist, dass ich natürlich aufgrund meiner eigenen guten Positionierung bei Google & Co mir den Luxus leisten kann nur die Aufträge anzunehmen die für mich Neuland oder anderweitig spannend sind.
Frage 07: Fluch oder Segen: Microstocks?
Es kommt auf die Warte an. Für mich als Suchmaschinenoptimierer sind Microstocks eine wahre Goldgrube. Für die meisten Fotografen wohl ein echter Fluch. Wer kauft denn einem Fotografen schon ein Bild zu fairen Konditionen ab wenn er ein ähnliches und ebenbürtiges bei den üblichen Verdächtigen für einen Euro erhält? Für Stockfotografen kann es natürlich auch der Weg zum Wohlstand sein, sofern man dafür die nötigen Vorraussetzungen mitbringt.
Für mich wäre das aber nichts. Dafür arbeite ich viel zu langsam.
Frage 08: Wo möchten Sie als Fotograf einmal ausstellen?
Überhaupt garnicht. Künstler stellen aus. Ich bin Handwerker und bastele.
Frage 09: Wen möchten Sie gern einmal fotografieren?
Jene Frau die ich vorgestern beim Tango tanzen kennengelernt habe. Unbedingt!!
Frage 10: Bleiben Sie Fotograf?
Ich weiss es nicht. Man kann nur bleiben was man ist und ich weiss nicht mal ob ich jemals Fotograf war.
Ich weiss das ich gerne neue Dinge lerne und mich immer wieder neuen Herausforderungen stelle. Deswegen kann ich nur sagen das mich die Fotografie auf irgendeine Weise in meinem Leben begleiten wird. Aber auf welche Art kann ich heute noch nicht sagen.





Mit der Kamera sehen Konzeptionelle Fotografie im digitalen Zeitalter
Ein Tag Deutschland:
Das Wesen der Fotografie: Ein Elementarbuch Stephen Shore erklärt, wie man Fotografien richtig beurteilt und versteht.
Erfolg als Fotograf: Wie man sein Können optimal präsentiert Autorin: Dr. Martina Mettner
Die midlife-crisis ist vor allem deswegen bedeutsam, weil da den meisten Menschen bewusst wird, dass sie nicht unsterblich sind, sondern auch das eigene Leben begrenzt ist.
Die Folge ist, wenn man das zulässt (und nicht verdrängt),dass man über die eigenen Werte und Ziele neu nachdenkt.
Was ich als damals 30jähriger (ich bin jetzt 59)gerne alles vor meiner Midlife-crisis gewusst hätte, können Sie in meinem Blog nachlesen: http://tinyurl.com/2ozoql