28. November 2007 0

Zehn Fragen an Viewer: Stephanie Bunk

Von Marko Radloff

Die studierte Kulturwissenschaftlerin kennt das Spannungsfeld zwischen Kunst und Fotografie aus praktischer Erfahrung als Beraterin und Kuratorin und aus der Theorie durch ihre Lehrtätigkeit an der Universität Lüneburg. In der Galerie ‘raum für photographie‘ berät sie gemeinsam mit Friedrich Heinze leidenschaftliche Fotosammler, aber auch Einsteiger in dieses Fach, wobei der Schwerpunkt von ‘raum für photographie’ einerseits in der Vermittlung junger Fotokunst und andererseits in der Präsentation von thematisch aufgearbeiteten anonymen Vintage-Photographien liegt.

Um Photographien sinnvoll zu sammeln und in dem großen Angebot die für das jeweilige Interesse passenden Bilder herauszufiltern, benötigt man Wissen oder Gefühl. Wir versuchen beides zu vermitteln: ein Wissen über die Photographie und die Leidenschaft des Entdeckens und Sammelns von Photographien.

Last but not least: Stephanie Bunk ist auch Kuratorin der FREELENS Galerie in Hamburg, in der regelmäßig fotojournalistische Ausstellungen aus dem Umfeld von FREELENS stattfinden. (Steinhöft 5 in Hamburg) FREELENS ist die größte Fotojournalistenvereinigung in Deutschland. Stephanie Bunk war eine der Viewer bei der Portfoliosichtung am Samstag im G + J Pressehaus.

Stephanie Bunk - raum für photographie

unsere zehn Fragen an Stephanie Bunk:

Frage 01: Mit welchen Erwartungen fahren Sie zu einer Portfoliosichtung?
Weniger mit konkreten Erwartungen, als mit Lust am Schauen und an der Begegnung.

Frage 02: Wie helfen Sie dem Fotografen oder der Fotografin, den ersten Eindruck wieder gut zu machen?
Die Frage geht davon aus, dass man zunächst einmal enttäuscht wird. Aber es geht bei einer Sichtung weniger darum, dem Viewer zu gefallen oder seine Erwartungen zu befriedigen, sondern darum, ehrlich mit seiner eigenen Leistung umzugehen und dafür ein Feedback zubekommen.

Frage 03: Ist sofort erkennbar, ob sich jemand in der Wahl seines Viewers geirrt hat?
Ich denke auch, dass es keinen „falschen“ Viewer gibt, sondern das jeder Rat wertvoll sein kann. Es sei denn, man erhofft sich gleich einen Job oder eine Ausstellung, aber darin sehe ich nicht in erster Linie die Funktion einer Portfoliosichtung. Ihr Reiz liegt gerade darin, dass es sich nicht um eine Bewerbungssituation handelt.

Frage 04: Was ist der häufigste Fehler den Fotografen machen, wenn Sie zu einer Portfoliosichtung fahren?
Sich und auch den Viewer in die Situation zu bringen, dass es sich um ein Bewerbungsgespräch handelt, denn das führt auf beiden Seiten zu einer gewissen Verklemmtheit. Ich schätze mehr Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit der eigenen Arbeit auf der Seite des Fotografen und ein Wissen um die Subjektivität aller Ratschläge und Einschätzungen auf beiden Seiten.

Frage 05: Wie lange sollte ein Portfoliogespräch dauern?
Mir reichen in der Regel 20 Minuten.

Frage 06: Karton oder Mappe, groß oder klein? Was ist die beste Form, um bei einer Portfoliosichtung Fotografien zu präsentieren?
Insgesamt sollte die Präsentation handlich bleiben und den Viewer im wahrsten Sinne des Wortes nicht erschlagen. Eine gute Präsentation muss allerdings nicht teuer sein.

Frage 07: Denken Sie sich einen Fotografen, der Ihnen ein Foto zeigt das Ihnen sofort gefällt, der aber nicht den Eindruck vermittelt, das Bild noch einmal machen zu können. Was raten Sie ihm?
Eben dass es auch darauf ankommt, eine gewisse Sicherheit zu entwickeln. Auftraggeber oder Galeristen müssen sich darauf verlassen können, dass auch in Zukunft mit herausragenden Ergebnissen zu rechnen ist.

Frage 08: Haben Sie schon einmal jemandem gesagt, er solle lieber nicht fotografieren?
Nein, denn gerade in der Fotografie gibt es so viele Nischen und ein Nebeneinander extrem verschiedener Zugänge, so dass es bestimmt für jeden Fotografen einen Ort und ein Publikum gibt – auch wenn ich glaube, dass man sehr genau reflektieren sollte, was man an Bildern dem bestehenden Archiv hinzufügt.

Frage 09: Ihrer Erfahrung nach ist Erfolg als Fotograf eher eine Frage von Talent oder von Fleiß und guter Beziehungen?
Ich würde es etwas anders formulieren: Es ist vor allem eine Frage von Mut und Durchhaltevermögen.

Frage 10: Aus Ihrer Sicht Ihre größte Portfolio-Entdeckung?
Fragen Sie mich das noch mal in 30 Jahren. Das mach ich gern! M.

Diesen Beitrag kommentieren



XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Zuletzt kommentiert

  • B()ris: Diesen Gleisschleifer finde ich nicht so gelungen, zumal das Bild auch noch etwas schief ist. Wobei es zugegebenermaßen schwierig ...
  • Markus: Ich würde mir dort etwas mehr Transparenz wünschen. Wenn ich dort eine Serie einstelle und nur ein Bild daraus der leider nicht n...
  • Marko: Äh, Deutschland hat den dritten Platz gemacht und diese Aktion hier war ein – wie sag ich's freundlich – Rohrkrepierer? Ich habe l...
  • Christian Ernst: Hallo Marko, vielen Dank, der Katalog ist bei mir angekommen. Werde ihn mir die nächsten Abende mal anschauen. Viele Grüße,...
  • tina: halleluja, da treiben die Fotografen ja fast genauso Hochleistungssport wie die Jungs auf dem Spielfeld. Respekt! Und vielen Dank ...
  • Walter: Sehr beeindruckender und interessanter Einblick....

Bildwerk3 on facebook