26. November 2007 M.R. 7

Zehn Fragen an Viewer: Anna Gripp

Anna Gripp ist neben Denis Brudna eine der festen Redakteure für die Zeitschrift PHOTONEWS, die einmal im Monat in großem Format und auf hohem Niveau Fotografie-Szenenews veröffentlicht. Anna Gripp zeichnet seit mehreren Jahren für viele viele Beiträge dort verantwortlich und hat sich als Autorin in Sachen Fotografie deutschlandweit einen Namen gemacht. Zu ihren wichtigsten Veröffentlichungen zählt das Buch “Studium der Fotografie in Deutschland”, das in der Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Photographie erschienen ist.

Anna Gripp hat in ihrer Antwort angeregt, die Frage der Teilnahmegebühren für Portfoliosichtungen einmal zu diskutieren. Ist es richtig, das Fotografen für die Teilnahme am Viewing bezahlen? Wie hoch darf der zu entrichtende Betrag sein? So unterschiedlich die Beträge in der Praxis, werden auch die Antworten hierzu ausfallen. Vielleicht finden sich an dieser Stelle einige Fotografen oder Viewer, die das Thema mit uns diskutieren. Hier im Blog. Los gehts … einfach kommentieren!

Zehn Fragen an Viewer: Anna Gripp

unsere Fragen an Anna Gripp

Frage 01: Mit welchen Erwartungen fahren Sie zu einer Portfoliosichtung?
Das kommt darauf an, wo diese stattfindet. Zu den Portfolio Reviews beim Houston FotoFest fahre ich vor allem, um amerikanische Fotografen kennen zu lernen, die hier – trotz aller Internationalität der Veranstaltung – natürlich in der Überzahl sind. In Deutschland habe ich zuletzt weniger an Portfoliosichtungen teilgenommen, auch weil ich denke, dass es mittlerweile zu viele Veranstaltungen dieser Art gibt und es schwer ist, den vielen Erwartungen der Fotografen gerecht zu werden.

Natürlich besteht immer der Wunsch, möglichst spannende Arbeiten zu entdecken. Aber für mich sind auch Hintergrundinformationen und das Atmosphärische wichtig. Wie geht es Fotografen am Beginn ihrer Karriere? Was können Sie z.B. von ihrem Studium, ihrer Ausbildung berichten? Wie ist ihr Blick auf den Markt?

Frage 02: Wie helfen Sie dem Fotografen oder der Fotografin, den ersten Eindruck wieder gut zu machen?
Was heißt hier wieder gut machen? War der erste Eindruck schlecht? Ich verstehe die Frage nicht.

Frage 03: Ist sofort erkennbar, ob sich jemand in der Wahl seines Viewers geirrt hat?
Ich denke letztlich müssen alle Viewer passend sein können in dem Sinne, dass sie eine kenntnisreiche Reaktion auf die Arbeit liefern, auch wenn diese vielleicht kritisch oder negativ ist. Man kann nicht davon ausgehen, dass eine Arbeit unmittelbar von einem Viewer „verwertet“ wird. Wenn Fotografen selber sehr konkrete Erwartungen haben werden sie sicher oft enttäuscht. Wer z.B. seine Arbeit einem Fotobuchverleger zeigt in der Hoffnung, ein eigenes Buch unterbringen zu können, wird sicher meist keinen unmittelbaren Erfolg haben. Aber der Viewer müsste in der Lage sein, die Chancen einzuschätzen und Tipps geben zu können, auch z.B. welcher andere Viewer Interesse haben könnte.

Frage 04: Was ist der häufigste Fehler den Fotografen machen, wenn Sie zu einer Portfoliosichtung fahren?
Teilweise habe ich das in Antwort 03 beantwortet. Ich kann keinen konkreten Fehler benennen, aber es gibt mitunter folgende Schwierigkeiten: Ein Fotograf möchte in der kurzen Zeit zu viele Bilder zeigen, so dass eine vertiefende Unterhaltung kaum möglich ist. Dann gibt es einfach menschliche Schwächen, welche die Situationen erschweren: Fotografen, die unsicher sind und sich immer wieder selber entschuldigen und auf der anderen Seite jene, die keinerlei Kritik akzeptieren und sich sowieso für „den Größten“ halten.

Frage 05: Wie lange sollte ein Portfoliogespräch dauern?
Das wird meist von den Veranstaltern bestimmt. 20 Minuten sind meiner Meinung nach ausreichend. Wenn auf beiden Seiten Bedarf besteht, sich weiter auseinanderzusetzen wird sich dafür später immer eine Lösung finden.

Frage 06: Karton oder Mappe, groß oder klein? Was ist die beste Form, um bei einer Portfoliosichtung Fotografien zu präsentieren?
Es ist schon hilfreich, wenn die Arbeit auf einem Tisch zu zweit bequem angesehen werden kann. Feste Regeln sollte es aber meiner Meinung nach nicht geben. Ich sehe die Form immer auch als Teil der Arbeit und als Ausdruck der Persönlichkeit des Fotografen. Ich freue mich hier auch über Abwechslung. Manche Fotografen haben weiße Handschuhe für Viewer dabei, andere möchten ihre Arbeit selber blättern und dabei erzählen usw. Das ist ja auch immer ein wenig wie ein Auftritt, auf den sich beide Seiten einlassen müssen.

Frage 07: Denken Sie sich einen Fotografen, der Ihnen ein Foto zeigt das Ihnen sofort gefällt, der aber nicht den Eindruck vermittelt, das Bild noch einmal machen zu können. Was raten Sie ihm?
Es ist in der Fotografie immer schwer, von einem Einzelbild auszugehen. Aber ich würde fragen, wie der Fotograf zu diesem Bild gekommen ist und was ihm oder ihr selber daran gefällt. Dann kann man gemeinsam überlegen, wie in dieser Richtung weiter gearbeitet werden könnte.

Frage 08: Haben Sie schon einmal jemandem gesagt, er solle lieber nicht fotografieren?
Nein, aber ich habe schon jemanden empfohlen, keine Karriere als Berufsfotograf oder Künstler anzustreben, sondern die Fotografie im besten Sinne des Wortes als Amateur zu betreiben. Das bietet mitunter mehr Freiheiten und verhindert Frust.

Frage 09: Ihrer Erfahrung nach ist Erfolg als Fotograf eher eine Frage von Talent oder von Fleiß und guter Beziehungen?
Eine Mischung von allem.

Frage 10: Aus Ihrer Sicht Ihre größte Portfolio-Entdeckung?
Ich kann und möchte hier keinen einzelnen Namen nennen. Aber besonders spannende und ungewöhnliche Arbeiten habe ich beim Houston FotoFest sehen können.

Im Moment 7 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Jame sagt:

    Langsam wird es peinlich mit der Frage 02!

  2. Marko sagt:

    Zugegeben! Frage 02 ist unglücklich. Die ganze Peinlichkeit trifft mich! … Ich werde beim nächsten Mal genauer formulieren …

    Frage 02 im Nachhinein einfach rausszustreichen, hinterließe eine kaum erklärbare numerische Leerstelle … Was tun, war tatsächlich die Frage? Und ich habe mir gedacht: drin lassen!

  3. [...] LeadAwards. Die Branche Feiert Neuerscheinungen und Kreativität im Zeitschriftenmarkt. (Anna Gripp) [...]

  4. [...] O. Winston Link. Trainspotting. Eine Ausstellung in Hamburg (Anna Gripp) [...]

  5. [...] Portfolio: Paolo Ventura – Winter Stories (Text: Anna Gripp) [...]

  6. [...] Portfolio/Interview: Katharina Bosse. A Portrait of the Artist as a Young Mother (Anna Gripp) [...]

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