20. November 2007 M.R. 1

Zehn Fragen an Viewer: Thomas Kellner

Thomas Kellner – geboren 1966 – studierte Kunst mit dem Schwerpunkt Fotografie an der Universität in Siegen. Er erhielt 1996 den ‘Kodak award for young professionals’ und arbeitet seit 1997 selbständig als freier Fotograf und Künstler. Kellner ist seit 2003 Mitglied in der ‘Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V.‘ und engagiert sich seit 2005 regelmäßig als Viewer auf Portfoliosichtungen und bei Fotofestivals überall auf der Welt.

Zu seinen bekanntesten und unter Sammlern weltweit geschätzten Fotoarbeiten zählen im ‘Kontaktbogenstil’ gefertigte Architekturaufnahmen bekannter Bauwerke, wobei die einzelnen Elemente ihre besondere Wirkung aus einem überlegten Wechsel der Perspektive beziehen. Die zusammengefügten Fotos zeigen aus der Wirklichkeit geholte Monumente, kurz vor ihrer scheinbaren Zerstörung.

Thomas Kellner

unsere zehn Fragen an Thomas Kellner:

Frage 01: Mit welchen Erwartungen fahren Sie zu einer Portfoliosichtung?

In erster Linie hoffe ich gute Arbeiten zu sehen und interessante Menschen kennen zu lernen, mit denen ich einen Kontakt für die Zukunft aufbauen kann.

Frage 02: Wie helfen Sie dem Fotografen oder der Fotografin, den ersten Eindruck wieder gut zu machen?
Diese Frage verstehe ich nicht.

Frage 03: Ist sofort erkennbar, ob sich jemand in der Wahl seines Viewers geirrt hat?
Sofort. Aber in den meisten Fällen mache ich die Erfahrung, dass der Fotograf oder die Fotografin offen für ein konstruktives Gespräch ist, an dem beide Freude haben und etwas für sich mitnehmen können.

Frage 04: Was ist der häufigste Fehler den Fotografen machen, wenn Sie zu einer Portfoliosichtung fahren?
Der häufigste Fehler ist schlecht vorbereitet zu sein, entweder in der Sortierung der Bilder, oder in der Vorbereitung der Materialien, die man dem Reviewer geben möchte. Der zweithäufigste Fehler sind Erwartungen, dass ich sofort etwas vermitteln könnte, oder dass sich etwas direkt auf dem meetingplace für die Zeit 4 Wochen danach ergibt. Manches entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Es geht um Kontakte und Beziehungen. Da kann es schon einmal sein, dass sich etwas erst 5 Jahre später ergibt. Der dritthäufigste Fehler ist die Selbstüberschätzung.

Frage 05: Wie lange sollte ein Portfoliogespräch dauern?
20 Minuten ist vollkommen ausreichend. Sollte mehr notwendig sein, findet sich immer Zeit im informellen Rahmen eines Portfoliomeetings sich weiter auszutauschen.

Frage 06: Karton oder Mappe, groß oder klein? Was ist die beste Form, um bei einer Portfoliosichtung Fotografien zu präsentieren?
Am besten sind immer noch Abzüge, die dem Original sehr nahe kommen und falls möglich mindestens ein Bild in Originalgröße. Die in letzter Zeit auftauchenden „myphotobook“ oder zunehmenden Laptoppräsentationen verhindern, dass man sich über das Editing unterhalten kann und täuschen zu leicht über die abschließende Qualität der Bilder hinweg. Solche Präsentationen können eine Verwertung über den gezeigten technischen Horizont hinaus nur verhindern.

Frage 07: Denken Sie sich einen Fotografen, der Ihnen ein Foto zeigt das Ihnen sofort gefällt, der aber nicht den Eindruck vermittelt, das Bild noch einmal machen zu können. Was raten Sie ihm?
Erkennen, Konzept, Arbeiten.

Frage 08: Haben Sie schon einmal jemandem gesagt, er solle lieber nicht fotografieren?
Nein, aber die Frage ist doch viel mehr, ob man etwas für sich selber im Privaten macht, oder man den Exhibitionismus in einer Öffentlichkeit braucht. Auch für Zuhause im Privaten können Portfoliosichtungen genutzt werden, dann sollte dem Fotografen aber klar sein, welche Erwartungen er hat und dies sofort in der Einleitung klären.

Frage 09: Ihrer Erfahrung nach ist Erfolg als Fotograf eher eine Frage von Talent oder von Fleiß und guter Beziehungen?
Ohne gute Arbeiten geht es nicht, wobei gut eine erkennbare Autorenschaft meint. Talent alleine reicht überhaupt nicht. Fleißkärtchen alleine werden heute auch nicht mehr verteilt, man muss sich schon aus den eigenen vier Wänden hinaus bewegen, die eigene Stadt und das eigene Land verlassen, sich auf Wanderschaft begeben, um die notwendigen Kontakte und Verwertungszusammenhänge für die eigene Zukunft zu finden.

Frage 10: Aus Ihrer Sicht Ihre größte Portfolio-Entdeckung?
Numo Rama beim Portfoliomeeting in Brasilia 2005

Im Moment ein Kommentar zu diesem Beitrag:

  1. [...] … Stattdessen gibt es noch einmal den Hinweis auf unsere Interviews mit Dr. Enno Kaufhold und Thomas Kellner, die zur FOTOBILD 07 unsere Interviewpartner waren und denen wir unsere ‘Fragen an [...]

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