Theorie und Praxis

Zehn Fragen an Viewer: Axel Martens

von am 17. November 20070 Kommentare

Axel Martens – Jahrgang 1968 – ist in erster Linie Fotograf. Er lebt in Hamburg, ist gern unterwegs und arbeitet vorrangig für Agenturen und Magazine. Zu seinen Kunden und Auftraggebern zählen so renommierte Namen wie Jung/von Matt, Kultur Spiegel, Mare, Stern, Zeit-Leben etc. Außerdem ist er Mitbegründer und Mitorganisator der Ausstellungsreihe “klubfoto”, in der es einmal jährlich eine monothematische Gruppenausstellung gibt, für die sich Fotografen bewerben können. Wir haben Axel Martens zum Thema Portfoliosichtung gefragt, denn am 24.11.2007 sitzt er im G+J Pressehaus in Hamburg als Viewer am Tisch …

Axel Martens

unsere zehn Fragen an Axel Martens:

Frage 01: Mit welchen Erwartungen fahren Sie zu einer Portfoliosichtung?
Mit der Hoffnung viele schöne, eigenständige Bilder und Bildsprachen zu sehen. Viele Fotografen kopieren einfach nur. Machen Trends nach und langweilen durch geklaute Ideen. Ansonsten freue ich mich, Kollegen kennen zu lernen. Denn in erster Linie bin ja auch ich Fotograf. Aber mich interessiert die Fotografie weit über den Alltagsjob hinaus, darum bin ich gerne in Jurys, mache Portfoliosichtungen und bin seit sechs Jahren Mitveranstalter von klubfoto. (www.klubfoto.de)

Frage 02: Wie helfen Sie dem Fotografen oder der Fotografin, den ersten Eindruck wieder gut zu machen?
Die Frage verstehe ich nicht. Welcher erste Eindruck war schlecht und muß wieder gut gemacht werden ?

Frage 03: Ist sofort erkennbar, ob sich jemand in der Wahl seines Viewers geirrt hat?
Da ich Kollege bin und kein Bildredakteur oder Artbuyer kommen meistens junge Fotografen, die, bevor sie in Redaktionen oder Agenturen gehen, eine Meinung oder Einschätzung haben möchten.

Frage 04: Was ist der häufigste Fehler den Fotografen machen, wenn Sie zu einer Portfoliosichtung fahren?
Zuviel zu wollen. Und dementsprechend zuviel Material mitbringen. Nur Herzblut Fotos und besondere Projekte sollten im Gepäck sein. Natürlich gibt es auch immer Fotos, bei denen man zweifelt, die dürfen auch dabei sein. Aber da die Zeit begrenzt ist, sollten es auch, mengenmäßig, diese Arbeiten sein.

Frage 05: Wie lange sollte ein Portfoliogespräch dauern?
Ich finde eine halbe Stunde super.

Frage 06: Karton oder Mappe, groß oder klein? Was ist die beste Form, um bei einer Portfoliosichtung Fotografien zu präsentieren?
Da gibt es keinen Standard. Jede/r, wie er/sie es möchte.

Frage 07: Denken Sie sich einen Fotografen, der Ihnen ein Foto zeigt das Ihnen sofort gefällt, der aber nicht den Eindruck vermittelt, das Bild noch einmal machen zu können. Was raten Sie ihm?
Fotos zu wiederholen ist sehr schwierig, es sei denn Auftragsarbeiten, die im Studio unter geregelten (Licht)Bedingungen erstellt werden. Von daher rate ich bei “fast” guten Fotos beim nächsten mal in ähnlichen Situationen auf bestimmte Sachen zu achten. Und dann auch gerne noch ein paar Mal häufiger draufzudrücken.

Frage 08: Haben Sie schon einmal jemandem gesagt, er solle lieber nicht fotografieren?
Nein, das ist anmaßend und es steht niemandem zu, so etwas zu sagen. Entweder derjenige wird es selber merken, dass da etwas schief läuft, oder er steigert sich, oder er findet einen Bereich in dem er fotografisch bestens aufgehoben ist.

Frage 09: Ihrer Erfahrung nach ist Erfolg als Fotograf eher eine Frage von Talent oder von Fleiß und guter Beziehungen?
Eine gesunde Mischung aus allem. Ein großer Kollege hat mal gesagt, ein gutes Foto ist reine Glückssache, der Rest ist Kunst, Kommerz und Können. Der Satz hat mir gefallen. Ich würde noch ergänzen: machen, machen, machen. Es gibt so viele Kollegen, die, auf was auch immer, warten.

Frage 10: Aus Ihrer Sicht Ihre größte Portfolio-Entdeckung?
Es gibt immer mal wieder schöne Fotos, wo ich den Fotografen um einen Bildertausch frage und bitte. Und wenn ihm keins von mir gefallen sollte, was das Bild denn kosten solle.


Artikel drucken

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen