Zehn Fragen an professionelle Viewer: Patrik Müller
Beim ersten Mal kommt wahrscheinlich jeder Fotograf von einer Portfoliosichtung mit der Erfahrung zurück, viel falsch gemacht und sich ordentlich blamiert zu haben: das falsche Material dabei, den falschen Viewer gewählt, nicht die richtigen Worte gefunden und überhaupt, die zur Verfügung stehende Zeit uneffektiv verplappert zu haben … Wir starten heute eine kleine Serie mit Fragen an professionelle Viewer und wünschen uns Einblicke in diese so spannende Materie. Um es beim nächsten Mal besser zu machen, na klar …
Den Anfang macht Patrik Müller. Er ist ‘Digital Media Manager’ bei vario images in Bonn und seine Antworten sind gefärbt durch die ganz frischen Erfahrungen auf der letzten ‘Fotobild’ in Berlin (wir berichteten). vario images wurde 1989 als Pressebildagentur von Ulrich und Susanne Baumgarten gegründet und präsentiert heute mehr als 150 Fotografen und Partneragenturen. Das fotografische Angebot von vario images hat sich in den letzten Jahren stark erweitert und umfaßt heute in größerem Umfang kreative Fotografie.
Die besonderen Stärken des jungen, kreativen vario Teams liegen in der Recherche aktueller Themen und zukünftiger Trends, die entweder in-house oder in Kooperation mit Fotografen im In- und Ausland visualisiert werden. Die fortschreitende internationale Expansion der Agentur führt ebenfalls dazu, dass der Bildbestand und dessen Vielfalt kontinuierlich erweitert wird.

unsere zehn Fragen an Patrik Müller:
Frage 01: Mit welchen Erwartungen fahren Sie zu einer Portfoliosichtung?
Zum einen erhoffe ich mir, über diesen Weg eventuell interessante neue Fotografen für unsere Agentur zu finden, zum anderen hoffe ich auch neue Impulse und Trends bezüglich Bildsprache, Stil und Technik zu entdecken.
Frage 02: Wie helfen Sie dem Fotografen oder der Fotografin, den ersten Eindruck wieder gut zu machen?
Über die präsentierten Fotos wird natürlich gesprochen. Man erkundigt sich über die Entstehung und Ideen, die dahinter stecken und fragt auch nach anderen Arbeiten. In diesem Gespräch kann man auch Fehlgriffe bei der Zusammenstellung der Mappe erkennen und auf diese Fehler hinweisen. Sollten sich die anderen Arbeiten, die bei dem Viewing nicht gezeigt werden konnten, interessant klingen, so kann man sich diese zu einem späteren Zeitpunkt anschauen.
Frage 03: Ist sofort erkennbar, ob sich jemand in der Wahl seines Viewers geirrt hat?
Dies hängt vom Fotografen ab. Wenn dieser in seiner Arbeit sehr breit aufgestellt ist, kann man die falsche Wahl nicht direkt erkennen, weil der Fotograf einfach mit der Präsentation der falschen Arbeiten begonnen hat. Aber oftmals wird auch sehr schnell klar, dass der Fotograf sich mit dem Background des Viewers überhaupt nicht beschäftigt hat. Hier kann ich nur empfehlen, sich im Voraus intensiv mit dem Viewer und den Erwartungen, die man an ihn hat auseinander zu setzen.
Frage 04: Was ist der häufigste Fehler den Fotografen machen, wenn Sie zu einer Portfoliosichtung fahren?
Wie bei Frage 3 schon erwähnt, dass der Fotograf sich nicht mit dem Viewer und dessen Background beschäftigt hat und selbst nicht genau weiß, was er von dem Gespräch erwartet …
Frage 05: Wie lange sollte ein Portfoliogespräch dauern?
Zwischen 20 und 30 Minuten sind in der Regel völlig ausreichend.
Frage 06: Karton oder Mappe, groß oder klein? Was ist die beste Form, um bei einer Portfoliosichtung Fotografien zu präsentieren?
Karton oder Mappe macht meiner Meinung nach keinen Unterschied. Zu klein sollten die Fotografien nicht präsentiert werden, da viele Bilder erst ab einer bestimmten Größe ihre Wirkung entfalten. Andererseits ist die Sichtung von großformatigen Abzügen in der Regel schon auf Grund der Räumlichkeiten eher umständlich und jeder erfahrene Viewer kann sich die Wirkung eines Fotos als großformatigen Abzug vorstellen.
Frage 07: Denken Sie sich einen Fotografen, der Ihnen ein Foto zeigt das Ihnen sofort gefällt, der aber nicht den Eindruck vermittelt, das Bild noch einmal machen zu können. Was raten Sie ihm?
Im Extremfall, sich eine andere Beschäftigung zu suchen bzw. ein anderen Themenbereich zu fotografieren. Ich plädiere hier für absolute Ehrlichkeit, denn jedem, der fotografiert, gelingt einmal ein Zufallstreffer. Aber die Kunst ist es, ein Foto bewusst zu erkennen und umzusetzen. Zuerst hat man die Idee im Kopf, und dann muss man sie auch verwirklichen können.
Frage 08: Haben Sie schon einmal jemandem gesagt, er solle lieber nicht fotografieren?
Ja.
Frage 09: Ihrer Erfahrung nach ist Erfolg als Fotograf eher eine Frage von Talent oder von Fleiß und guter Beziehungen?
Es ist eine Mischung aus allem. Ohne Talent geht es nicht, aber Fleiß und die kritische Auseinandersetzung mit seiner Arbeit und auch das Verkaufen von sich und seinen Arbeiten gehört ebenso mit zum Erfolg.
Frage 10: Aus Ihrer Sicht Ihre größte Portfolio-Entdeckung?
Ein amerikanischer Fotograf auf der letzten Fotobild in Berlin. Dessen Art der Fotografie ist nicht nur unter professionellen Gesichtspunkten als herausragend zu bezeichnen, sondern zählt auch für mich ganz persönlich zu meinen absoluten Favoriten.







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