Zehn Fragen an Fotografen: Kilian J. Kessler
Kilian Johannes Kessler lebt und arbeitet in Zürich. Er ist Vertreter einer mit wenigen Mitteln operierenden und stark reduzierten Bildsprache deren Ziel es ist, den Gegenstand durch Verschleierung interessant zu machen. Nach dem Motto: zeige nicht alles und zeige wenig, verdichtet Kessler seine Fotografien zu ungeheurer Spannung. Was mich daran fasziniert, und zur Nachahmung motiviert, das solche Bilder für sich funktionieren, keinen Vorgänger und keinen Nachfolger brauchen. Mühe, Inspiration, Planung und Zufall für eine einzige Werbe-Aufnahme.

zehn Fragen an Kilian J. Kessler
Frage 01: Erinnern Sie sich, wann Sie Ihr erstes Foto gemacht haben?
Als ich ungefähr 8 Jahre alt war, war ich stolzer Besitzer einer Kodak-Disk Kamera. Die Negative waren auf einer Scheibe angeordnet und hatten Minox-Format. Damals sind meine ersten Fotos entstanden. Thema Spielzeugautos. Der Parallaxenfehler war mir damals zum Glück noch unbekannt.
Frage 02: Welche Ihrer Fähigkeiten ist Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten behilflich?
Einerseits ganz sicher die Fähigkeit zu improvisieren und, einwenig ein Gegensatz, Planen und vorausschauend Arbeiten zu können. Das alles so funktioniert wie man sich das wünscht und vorstellt ist halt nicht immer der Fall. Und dann hilft die Improvisation.
Frage 03: Was muss man unbedingt können, um Fotograf zu sein?
Flexibilität und Kommunizieren. Ohne das läuft gar nichts. Außer man findet eine Festanstellung als Werksfotograf.
Frage 04: Wann haben sie angefangen ausschließlich digital zu fotografieren?
Muss ungefähr 5 Jahre her sein. Obschon das ein schleichender Wandel war. Für meine persönlichen Arbeiten fotografiere ich aber manchmal immer noch analog. Für mich ist es eine andere Art Fotografie zu erleben, auch wenn ich daraus auf keinen Fall einen Glaubenskrieg machen möchte.
Frage 05: Ein besonders gutes Bild entsteht eher zufällig oder muss sorgfältig geplant sein?
Beides ist bei mir die Regel. Ne, meistens ist der Zufall schon ein wichtiger Faktor. Aber für mich braucht es gute Vorbereitung um dem Zufall auch eine Chance geben zu können. Insofern könnte man also sagen, dass es doch geplant ist. Ach, ein Paradox.
Frage 06: Haben Sie schon einmal einen Auftrag abgelehnt? Wenn ja, was für einen?
Reihenweise Hochzeitsreportagen und Aktbilder. Ist nicht meine Welt.

Frage 07: Fluch oder Segen: Microstocks?
Hab ich jetzt auch erstmal googlen müssen. Vom professionellen Standpunkt aus find ich das nicht so toll. Ich habe zwar nicht die Angst, dass die das Geschäft vermiesen, doch es erweckt falsche Vorstellungen vom fotografischen Handwerk, wenn man dass heut überhaupt noch so nennen darf. Vom historischen Standpunkt aus finde ich es eine sehr spannende Entwicklung, denn ich glaube, dass diese Entwicklung noch vor 20 Jahren unabsehbar war. Und wenn man an die Anfänge der Fotografie zurückdenkt, wo in Paris etliche Fotolabors explodierten, weil man das mit den Chemikalien nicht so genau nahm, da ist man ja fast froh, dass heute jeder Trottel gefahrlos knipsen kann. Ein Aha-Erlebnis für dieses Phänomen war für mich die Ausstellung Here is New York (hereisnewyork.org) im Kunsthaus Zürich vor 4 Jahren.
Frage 08: Wo möchten Sie als Fotograf einmal ausstellen?
Nicht so mein Ding. Lieber eine geile Agentur finden.
Frage 09: Wen möchten Sie gern einmal fotografieren?
Milieugestalten.
Frage 10: Bleiben Sie Fotograf?
Etwas anderes kam für mich nie in Frage. Und einen schöneren Beruf kann ich mir nicht vorstellen.


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[...] Zu dem Fotografen Kilian J. Kessler gibt es noch ein paar Informationen zusätzlich. Kessler wurde 1980 in Zürich geboren und hat dort die Waldorf Schule besucht. Er hat eine gestalterische Vorausbildung in Basel und eine dreijährige Ausbildung zum ‘Eidgenössisch diplomierten Gestalter’ mit Schwerpunkt Fotografie erfolgreich absolviert. Danach kamen die üblichen Praktikas unter anderem bei Christian Dietrich und seit 2003 ist Kilian J. Kessler als Fotograf selbständig. Das mußte noch gesagt, bzw. geschrieben werden. Zu unseren zehn Fragen an den Fotografen Kilian J. Kessler: zwei Beiträge weiter unten. [...]