29. August 2007 0

Zehn Fragen an Fotografen: Nico Pudimat

Von Marko Radloff

Nico Pudimat bezeichnet sich selbst als ‘fotografischen Spätzünder’, da er sein Diplom als Fotodesigner erst mit 34 Jahren gemacht hat. Mit achtzehn wußte er nicht was er werden solle und mit fünfundzwanzig nicht was er will. Ab dreißig war alles klar: er wollte fotografieren. Nico Pudimat arbeitet in Süddeutschland vor allem in den Bereichen People und Industriefotografie. Seinen Stil beschreibt er als ‘inszenierte Reportagefotografie’. Zu seinen Kunden zählen Werbeagenturen und Direktkunden, vor allem aus der Industrie, dazwischen auch Kunden aus dem Sport- und Beautybereich. Mit seinen freien Projekten verfolgt Nico Pudimat noch kein eigentliches Ziel, außer vielleicht der Arbeit mit der Technik und um seinen Blick zu schulen.

Nico Pudimat

zehn Fragen an Nico Pudimat

Frage 01: Erinnern Sie sich, wann Sie Ihr erstes Foto gemacht haben?
Geknipst habe ich schon sehr früh mit einer russischen Leica Kopie meines Vaters. Angefangen zu fotografieren habe ich erst viel später, eigentlich war es zuerst mehr eine Gedankenstütze. Nach einer Operation am Kopf hatte ich das Gefühl, ich kann mir nichts mehr merken und ich fotografierte, nicht Personen, wie ‘Das ist mein Sohn, ich liebe ihn’, sondern mehr diese Kleinigkeiten – wenn ein Sonnenstrahl durchs Fenster fällt und völlig verrückte Schatten auf den Boden wirft. Jeder, der fotografiert hat es sicherlich schon erlebt, das Passanten mit einem verständnislosen und besorgten Blick nachfragen, was man denn /hier/ fotografiere. Mir ist klar geworden, dass viele Menschen nur oberflächlich sehen und diese kleinen visuellen Wunder gar nicht wahrnehmen, ich hatte diesen Blick und das machte mich glücklich.

Frage 02: Welche Ihrer Fähigkeiten ist Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten behilflich?
Zum einen mag ich Menschen, ich verstehe es, sie zu lenken und am Set eine positive Stimmung zu schaffen. Zum Beispiel “schieße” ich direkt ins Notebook. Bilder, die den Portraitierten nicht gefallen lösche ich sofort: das schafft Vertrauen. Zum anderen bin ich sehr selbstkritisch, nach jedem Shooting schaue ich mir die Bilder ganz genau an, was war gut, was schlecht, wie hätte ich es besser machen können.

Frage 03: Was muss man unbedingt können, um Fotograf zu sein?
Kreativ sein, Technik nicht überbewerten aber sie im Schlaf bedienen können, ein geschultes Auge und entscheiden können, was ist wichtig und was nicht. Hier kann ich jedem nur die E.I.K.-Methode empfehlen: Erkennen – Isolieren – Komponieren. Ich halte es auch für äußerst wichtig sich mit Grundlagen der Gestaltung, Komposition oder der Farbenlehre auseinander zu setzten, sei es anhand von Bildern anderer Fotografen, Malern oder einem Lehrbuch. Auf jeden Fall sollte man in der Lage sein, wenn einem ein Bild oder Kunstwerk gefällt, sagen zu können – warum und wie hat es der “Autor” erreicht.

Frage 04: Wann haben sie angefangen ausschließlich digital zu fotografieren?
Solange, das ich schon gar nicht mehr das Gefühl für einen Film habe. Was mich von Anfang an faszinierte, war die totale Kontrolle, von der Aufnahme bis zum Print. Ich liebe es mit Photoshop & Co. meinen Bildern den letzten Schliff zu geben. Diesen kreativen Prozess möchte ich auf gar keinen Fall aus der Hand geben, sei es nun an ein Labor oder einen anderen Bildbearbeiter. Meine Mittelformat liegt schon länger ungenutzt im Schrank.

Frage 05: Ein besonders gutes Bild entsteht eher zufällig oder muss sorgfältig geplant sein?
Ich glaube nicht das ein wiederholter Erfolg zufällig ist, dennoch sollte man bei jedem, auch noch so ins Detail geplanten Shooting, offen sein für neue Situationen, Lichtstimmungen oder Eingebungen. Natürlich gibt es Sujets bei denen man nicht unmittelbar planen kann, dann sollte man sich zumindestens die Zeit nehmen und überlegen, was denn am Ende raus kommen soll, also die Atmosphäre, die ich einfangen will (hell, clean, gemütlich usw.) und was für eine Botschaft die Bilder transportieren sollen, damit die ganze Bildstrecke wie aus einem Guss wirkt.

Nico Pudimat

Frage 06: Haben Sie schon einmal einen Auftrag abgelehnt? Wenn ja, was für einen?
Nein, das kam noch nicht vor. Doch wenn ein Job nicht zu mir passt sei es aus Überzeugung, Prinzipien, ein Sujet das mir nicht liegt oder eine Gage die unter meinem minimum Tagessatz liegt, würde ich ablehnen.

Frage 07: Fluch oder Segen: Microstocks?
Insgesamt ist die Wertschätzung einer individuell auf das Unternehmen abgestimmten Fotoproduktion eher gesunken, das hat vor allem finanzielle Gründe. Ich habe heute gerade eine Mail von einer Grafikdesignerin bekommen, die ein Bild von meiner Website für eine Broschüre haben wollte, sie hat mir 20 € geboten.

Frage 08: Wo möchten Sie als Fotograf einmal ausstellen?
Auf 100 Titelseiten der 100 auflagenstärksten Magazine dieser Welt.

Frage 09: Wen möchten Sie gern einmal fotografieren?
Angela Merkel für den Playboy

Frage 10: Bleiben Sie Fotograf?
An mir soll es nicht liegen. Das ist der Job, den ich immer haben wollte, selbst als ich es noch nicht wusste.

Nico PudimatNico Pudimat

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  • Walter: Sehr beeindruckender und interessanter Einblick....

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