11. Juni 2007 M.R. 1

38. BFF Kongress – Was mache ich eigentlich hier?

38. BFF Kongress

Auf der Hinfahrt hatte ich zwei Sorgen: komme ich rein. Ich meine, reicht der Platz für all die Fotografen angesichts eines mit kostenlosem Eintritt lockenden, hochkarätigen Fotoevents. Und meine zweite Sorge: plötzlich wußte ich nichts mehr über Fotos: wie jemand, der auf dem Weg vor die Klasse den Text zu einem Gedicht vergessen hat. Die erste Sorge war ganz unbegründet: Platz war ausreichend. Die URANIA in Berlin hat einen Kinosaal für tausend Leute und all die Plätze waren am Ende nicht einmal zu dreißig Prozent ausgefällt. Die zweite Sorge war durchaus begründet: in Wahrheit habe ich noch nie etwas über Fotos gewußt.

Das mit den freien Plätzen läßt sich erklären: der BFF (Bund Freier Fotodesigner e.V.) ist eine Familie, für eine Familie zwar recht groß, aber eben nicht mehr. Eine Menge Leute schienen sich gut oder besser zu kennen und klopften sich mal hier, mal dort anerkennend auf die Schulter, fachsimpelten beim Kaffee, und spendierten sich gegenseitig Sandwich und Muffin usw. Und der BFF ist elitär. Dem BFF gehören die besten Fotografen an und was mich in diesem Zusammenhang erwartete, war wie der Besuch bei megareichen Verwandten, die von ihrer einjährigen Weltreise berichten.

Was einen richtig guten Fotografen ausmache, wurde zuerst von jemandem rhetorisch in den Saal gegeben und beantwortet mit: ein richtig guter Fotograf gebe sein letztes Hemd für ein gutes Foto. Michael Schnabel aus Hochdorf gab dann einen Bericht, wie für eine Serie von vier Bildmotiven ein Budget von 500.000 Dollar (in Worten fünfhunderttausend) verfotoarbeitet wurde: im Schnitt zwanzig Leute, inklusive Spezialeffekte und Catering vor Ort, tagelange Planung mit fünf Locationscouts und jede Menge Technikern … Wir wünschen einmal, das Michael Schnabel sich am Ende der Aktion das eine oder andere neue Hemd kaufen konnte.

38. BFF-Kongress38. BFF-Kongress

Die Frauen, obwohl in Unterzahl, hinterließen an diesem Tag den stärksten Eindruck. Besonders Claudia Kempf aus Wuppertal mit ihren lichten und grafischen Porträts war mein persönliches Highlight. Sie hat sich die Autonomie erarbeitet, von der jeder Fotograf träumt, wer sie engagiert mäkelt nicht an ihren Bildern herum, sondern lobt, was sie tut. Und zu ihren Auftraggebern zählen die Vorstände deutscher Großunternehmen genauso wie fernsehbekannte Superstars. Ihre Fotos sind in jedem Fall sorgsam foto-grafisch und zeugen bei aller Nähe zum Objekt von einer liebevollen Achtung für den Gegenüber. Auch Monica Menez aus Stuttgart hatte mit ihren eigenwilligen und charaktervollen Inszenierungen einen starken Auftritt.

Überaus symphathisch kam Peter Hönnemann aus Hamburg rüber. Einer, der sich schon mal vierundzwanzig Stunden mit seinem Porträtgast im Studio einschließt, um intensivste Bilder zu machen. Peter Hönnemann möchte ich gern mal besuchen, wenn ich darf.

Beim Vortrag von Dr. Wolfgang Maaßen, dem Justitar des BFF über ‘Copycat’, bin ich einen kleinen Moment, ich gestehe es verlegen, weggenickt. ‘Copycat’ meint das Problem, dem sich Fotografen heute mehr denn je ausgesetzt sehen, das des Nachahmens von Motiven, des Nachäffens, der fotografischen Trittbrettfahrerei. Maaßen erläuterte anhand von Beispielen was den Tatbestand einer Urheberrechtsverletztung darstellt und wichtiger, was eben nicht. Ich hoffe das das Foto in diesem Beitrag, auf dem irgendwie Sir Anthony Hopkins zur erkennen ist im juristischen Sinne als ‘Zitat’ und nicht als ‘Plagiat’ durchgeht, denn das Foto stammt von Oliver Mark. (hier der Link zum Original)

Ein vollständige Liste aller Referenten gibt es auf dieser Seite:
38. BFF-Kongress Berlin

Auf das Problem, das Agenturen und Verlage um Kosten zu sparen vermehrt auf lizenzfreies Material zurückgreifen und damit allen Fotodesignern das Leben schwerer machen, ist keiner der Vortragenden eingegangen oder mußte darauf eingehen. Das verrät ein wenig über die Exklusivität des BFF. Auch fotografiert man, meine ich jedenfalls herausgehört zu haben, in ‘diesen Kreisen’ gerne noch mit großen Kameras und zwar auf Film, scannt und bearbeitet dann …

Technik zum Anfassen gab es am Rande, so Dinge, die man nicht in jedem Fotoladen sieht: digitale Rückteile von ‘Phase One‘ und Lichtlösungen von bron imaging und ein bißchen Kodak professional Filmmaterial zum Testen für Zuhause – nach Auskunft keine neuen Emulisionen – dennoch aber vielen Dank und Toi, toi, toi!

Mein Fazit? Für die allerallermeisten wirklich guten Bilder gilt: wirklich gute Bilder brauchen Zeit, wirklich gute Bilder kosten Geld und hinter wirklich guten Bildern steckt meist eine Idee.

Nachtrag: lesenswerte Anregungen zum fotografischen Vorwärtskommen und professioneller Rat – Danke fotografr.de

38.BFF-Kongress38.BFF-Kongress

Im Moment ein Kommentar zu diesem Beitrag:

  1. Marko sagt:

    [...] ersten Artikel resümiert Anna Gripp über den 38. BFF Kongress in Berlin – siehe auch unseren Beitrag. Ihr Fazit fällt ähnlich durchwachsen aus: Top-Fotografen auf dem Podium, [...]

Diesen Beitrag kommentieren



XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

No related posts.

Zuletzt kommentiert

  • plagiarism checker: I think it's arresting, because it disclose a very academic-focussed attitude. Preserving the honestness of the academic system se...
  • Andre: Viel Aufwand für perfekte Fotos. Das Buch enthält sehr viele interessante Geschichten, und viele spannendere Aufnahmen. Hin und wi...
  • Marcus: Die Verlosung ist zwar schon vorbei, aber ich möchte auch gerne noch meinen Senf dazu abgeben. Ich selbst habe bislang nur gute Er...
  • Micha: Mal was anderes, super Idee...
  • Holger Reich: Ich will ja nicht als Besserwisser erscheinen, doch "farbecht" ist kaum ein Monitor von Hause aus. Dazu gibt es spezielle Geräte (...
  • best teeth whitening: Sehr schöne Sammlung an Wirklich guten Blogs auch nichts schräges dabei und sehr Ansehnlich. Ich werde die Tage mal eure Liste erw...