WORLD PRESS PHOTO AWARD – geschmacklos und genial
Der jährliche WORLD PRESS PHOTO Award ist der weltweit größte und anerkannteste Wettbewerb für Pressefotografie. Eine gute Gelegenheit, die Kamerafunktionen meines neuen Handys zu testen und ein paar Schnappschüsse dort zu machen, wo sich das Fotografieren eigentlich von selbst verbietet:

Schon im letzten Jahr wollte ich das nicht mehr sehen: Bilder aus den Elendsecken dieser Welt, Bilder von Verstümmelten Kindern, Frauen und Soldaten, hungernden und letargischen Schwarzen in Afrika oder vorgeführten Kleinbürgern aus Europa und Nordamerika. Nun aber doch: Am Eingang zur Ausstellung zum WORLD PRESS PHOTO AWARD 2007 werden Eltern darauf hingewiesen, das diese Bilder für Kinder ungeeignet sind und man deshalb von einer Besichtung mit den Kleinen abrate …
Tatsächlich gibt es wieder grauenvolles Material und der Eindruck bleibt, die Welt besteht aus Mordlust und Grausamkeit und ein gesundes überleben im Hier und Heute ist ein Zufallstreffer.
Als geradezu monströs in diesem Zusammenhang bleibt das Foto von Jeroen Oerlemans im Gedächtnis, auf dem ein totes Baby für eine Meute Fotografen von einem Sanitäter in die Kameras gehoben wird. Die Bildwirkung ist so ungeheuer, weil das kleine tote Wesen auf alle herab zu schauen scheint, verstaubt, anklagend, irgendwie wissend.
Oder das Foto von Mohammed Ballas, auf dem zwei junge Männer einen gefesselten jungen Mann erschießen: Der Zweiundzwanzigjährige Palästinenser soll mit israelischen Behörden kollaboriert haben und wird dafür von Gleichaltrigen vor einem Sandhaufen kaltgemacht. Mein jüngerer Bruder hat denn auch an dieser Stelle, zu diesem Bild, in einem Anflug von Sarkasmus gemeint: “Coole Klamotten. Alle drei.” Die unzivilisierte Wirkung beruht schlicht auf der Tatsache, das da ganz offensichtlich Halbwüchsige Halbwüchsige niederballern … und so ein Bild, obendrein fotografisch nicht sehr brilliant, musste unbedingt dabei sein?
Es gibt geniale Lichtblicke: Die Spielerporträts von Mathias Braschler und Monika Fischer zum Beispiel. Die beiden haben Fussballspieler nach einem Spiel porträtiert: direkt, aber zurückhaltend und fast liebvoll ist diesen Männern die Anstrengung aus den Gesichtern gelesen. Oder Damon Winters Portrait von Clint Eastwood und auch Denis Darzacqs Serie über Pariser ‘street dancer‘ sind unvergessliche und herausragende Bildwerke.
Die Ausstellung ist noch bis zum 24.05.2007 im G+J Presshaus in Hamburg zu sehen und danach vom 01.06. – 24.06. im Willy Brandt Haus in Berlin.


Mit der Kamera sehen Konzeptionelle Fotografie im digitalen Zeitalter
Ein Tag Deutschland:
Das Wesen der Fotografie: Ein Elementarbuch Stephen Shore erklärt, wie man Fotografien richtig beurteilt und versteht.
Erfolg als Fotograf: Wie man sein Können optimal präsentiert Autorin: Dr. Martina Mettner
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