Fotos schlafen gern im Dunkeln. Interview mit Sammlungskuratorin Sabine Schnakenberg

Irgendwann sind sie weg, die schönen Fotos. Wo mit Fotochemie gearbeitet wurde, ist der Entwicklungsprozess nie abgeschlossen. Am Ende steht der Verlust des Bildes. Dr. Sabine Schnakenberg gehört zu jenen, die sich gegen den Verfall stemmen.

Frau Dr. Schnakenberg ist Sammlungskuratorin am Haus der Photographie in den Deichtorhallen und verantwortlich für die Sammlung von F.C. Gundlach. Alu DiBond–Rahmungen findet die Fotografiehistorikerin gruselig :-)

Dr. Sabine Schnakenberg – Fotografiehistorikerin und wissenschaftliche Betreuerin der Sammlung F.C. Gundlach © Matthias Schönebäumer / Deichtorhallen

Dr. Sabine Schnakenberg – Fotografiehistorikerin und Sammlungskuratorin der Sammlung F.C. Gundlach im Haus der Photographie © Matthias Schönebäumer / Deichtorhallen

 

Wie sind die Sammlung F.C. Gundlach und Dr. Sabine Schnakenberg zusammengekommen?
Herrn Prof. Gundlach kenne ich seit Mitte der 1990er Jahre, direkt aber seit 2000 aus dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Ich habe damals Kunstgeschichte, Volkskunde und Pädagogik studiert, meine Dissertation geschrieben und in der fotografischen Sammlung am Umzug der Sammlung vom 2. OG in die neuen Depoträumlichkeiten mitgearbeitet.

Parallel dazu organisierten Frau Prof. Betancourt und Herr Prof. Gundlach die Ausstellung „Mode-Körper-Mode. Photographien eines Jahrhunderts“ und die beiden bezogen mich in die Vorarbeiten und den Katalog mit ein. Nach der Eröffnung lud mich Herr Gundlach ein, mir seine fotografische Sammlung anzuschauen und fragte mich, ob ich nicht für ihn arbeiten wolle.

Möglicherweise hat er gesteckt bekommen, dass ich ziemlich strukturiert und darüber hinaus in der Lage bin, eine enge Bindung zu den unterschiedlichsten Objekten einer Sammlung aufzubauen, sie zusammenzuhalten und sie zu hegen und zu pflegen. Klar ist mal, dass er mich in meinem Anliegen, die Sammlung zu strukturieren und jedes einzelne Bild zu bearbeiten, immer unterstützt hat.

Der größte Erfolg, die größte (beinahe) Katastrophe?
Ich glaube, der größte Erfolg ist, dass irgendetwas in mir drin ist, dass mich dazu treibt, mich immer wieder mit Fotografien intensiv auseinanderzusetzen, mich auf sie einzulassen, den Dialog zuzulassen.

Kleinere Katastrophen gibt es immer mal wieder, da muss man durch, richtig fette Hunde gab es glücklicherweise bislang noch nicht.

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Kriegsfotograf Christoph Bangert: Bagdad ist ein hinterhältiger Ort

Christoph Bangert macht Bilder vom Krieg. Einige dieser Bilder schaffen es nicht, veröffentlicht zu werden, weil sie den Horror des Krieges ungefiltert zeigen. Aus diesen Bildern hat Bangert ein Buch gemacht.

War Porn zählt wahrscheinlich zu den meistverkauften Bildbänden des Jahres. Ein zweifelhafter Ruhm. Ich habe mit Christoph Bangert gesprochen.

War Porn © Christoph Bangert

War Porn © Christoph Bangert

 
Wie sind Sie als Fotograf so ein Draufgänger geworden?
Ich bin kein Draufgänger. Ehrlich. Ich kämpfe ständig gegen diesen Mythos des wilden, heldenhaften Kriegsfotografen an.

Meine tatsächliche Arbeit ist viel komplizierter und vielschichtiger und hat mit diesen Klischees glücklicherweise nicht viel zu tun. Meine erste Reise in ein Krisengebiet habe ich einem dreiwöchigen Studentenaustausch in Jerusalem zu verdanken. Dort habe ich gemerkt dass ich mich für politische Ereignisse und Konflikte nicht nur interessiere, sondern diese auch dokumentieren will.

Riskieren Sie regelmäßig ihr Leben wenn Sie als Kriegsfotograf unterwegs sind?
Ja, manchmal. Aber darüber rede ich nicht gerne. Das lenkt alles nur ab. Denn was wirklich wichtig ist, das sind die Bilder. Alles andere ist zweitrangig.

Dazu kommt, dass die größten Risiken von den einheimischen Fotografen und Journalisten der Länder die ich bereise eingegangen werden. Wir Ausländer verbringen weniger Zeit vor Ort und haben zudem den Luxus nach Hause in den Frieden fahren zu können. Das können unsere afghanischen, irakischen und palästinensischen Kollegen nicht.

Wenn es in diesem eigenartigen Geschäft Helden gibt, dann sind es genau diese Leute.

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Beton, Modell und wenig Auto: David Maurer fotografiert den BMW 3er Touring

BMW 3 TOURING © David Maurer

BMW 3 TOURING © David Maurer

Ungewöhnlich ist diese Auto-Serie in vielerlei Hinsicht: monochrom, von dreizehn Motiven zeigen nur 4 ein Auto, der Held der Kampagne ist eine Mischung aus Schwarzwald und Großstadt.

Ich habe mit David Maurer über die Entstehung der Bildstrecke gesprochen und auch herausbekommen wie viele Einzelaufnahmen für dreizehn Motive erforderlich waren.

Marko Radloff: Die monochrome Bildstrecke für den BMW 3er Touring ist ungewöhnlich anders. Hatten Sie Spaß an diesem Projekt?
David Maurer: Natürlich! Besonders, wenn es sich um eine so aussergewöhnliche Location handelt.

 

Ein Auto, das es in vielen Farben gibt, ausschließlich mit Schwarz-Weiß-Fotografien bewerben ist nicht alltäglich. Wer hatte den Mut zu dieser Lösung? Gab es Überlegungen, die Strecke auch in Farbe zu bringen?
Die Überlegungen gab es im Vorfeld. Aber nur kurz. Es war recht schnell klar, dass ich hier in Schwarz-Weiß arbeiten möchte.

Die Bilder leben von hartem Licht und Schattenspiel und werden dadurch sehr grafisch. Die Reduktion auf Formen und Konturen verstärkt diesen Effekt.

13 Motive und nur auf 4 Motiven ist das Auto zu sehen – auf einem Motiv weder Auto noch Modell. Stand das Storyboard, bevor Sie die Kamera in die Hand nahmen? Gibt es Motive, die aus der Situation entstanden?
Für diese Bildstrecke gab es keine fixen Layouts. Mir war klar, dass ich mit dem steil von oben einfallenden Licht arbeiten und das Auto genau in die Licht-Schatten Übergänge stellen möchte. Alles andere entstand spontan vor Ort.

Die Bilder erzählen eine Geschichte. Welche?
Mir war wichtig, hier keine Geschichte durchzuerzählen. Sondern Motive zu fotografieren, die dafür sorgen, im Kopf des Betrachters eine eigene Geschichte anzustoßen.

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Einsame Frauen in Hotelzimmern. Fred Hüning fotografierte im »Bogota«

Hotel zur Einsamkeit © Fred Hüning

Hotel zur Einsamkeit © Fred Hüning

Vom Beziehungsende erzählen die Fotografien von Fred Hüning. Zwanzig junge Frauen haben Hüning als Verlassene in den Zimmern des »Hotel Bogota« Modell gestanden.

Liebe und Liebeskummer, Verlust und Vergänglichkeit sind Fred Hünings Themen, intim und persönlich sind seine Bilder. Die Arbeit Hotel zur Einsamkeit entstand 2013 im Berliner Künstlerhotel Bogota.

Die Fotografien waren nicht geplant, sie ergaben sich aus der jeweiligen Raumsituation. Am Anfang wusste Fred Hüning nicht, in welchem Zimmer er fotografieren wird. Er und das Modell waren wie Gäste, die nicht wissen, wie das Zimmer aussehen wird.

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Gleißend und leer: Daniel Müller Jansen fotografiert Gated Communities in Südafrika

Overexposed #1 © Daniel Müller Jansen

Overexposed #1 © Daniel Müller Jansen

Daniel Müller Jansens Fotoserie Overexposed zeigt Gated Communities in Südafrika. Gated Communities sind für die wohlhabende Bevölkerung Südafrikas der käufliche Traum einer sicheren und perfekten Lebenswelt.

Die einheitliche Lichtstimmung illustriert für Müller Jansen die Idee gemeinsamer Verheißungen und Wünsche und wird damit zur Gegendarstellung von sozialer Wirklichkeit in Südafrika.

“Architekturen sind wie die Verpackung einer Gesellschaft. Je mehr der Versuch unternommen wird, seinen Wohlstand hinter hohen Mauern zu verstecken und zu schützen, desto augenscheinlicher werden die Kräfte und Bedürfnisse, die zu eben diesen Mauern führten.” Daniel Müller Jansen

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Krieg schonungslos. Christoph Bangert: War Porn

War Porn © Christoph Bangert

War Porn © Christoph Bangert

Christoph Bangert arbeitet für internationale Medien als Fotograf in Krisengebieten. In War Porn versammelt er Fotografien der letzten zehn Jahre aus Afghanistan, Irak, Indonesien, Libanon und Gaza.

Einige Doppelseiten im Buch sind unbeschnitten, also geschlossen. Der Leser kann sie entlang einer Perforation öffnen und so selbst entscheiden, wie viele der Bilder er sehen möchte, wie viele er ertragen kann.

“Ein rohes, intensives und schockierendes Buch über den Krieg.”

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War Porn © Christoph Bangert

War Porn © Christoph Bangert

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