Ich arbeite kritisch, aber nicht denunziatorisch. Interview mit Bettina Flitner

Zuletzt bei Bildwerk3 zu sehen: Prostituierte und Freier – zwei Arbeiten der Kölner Fotografin Bettina Flitner. In diesem Beitrag kommt sie selbst zu Wort:

Bildwerk3/Marko Radloff: Ihre Arbeiten sind streitbar und kritisch. Freier porträtiert Männer in einem Bordell, Prostituierte zeigt Frauen auf einem Straßenstrich. Woran arbeiten Sie gerade?
Bettina Flitner: In der kommenden Woche werde ich in Leipzig im Auftrag des Zeitgeschichtlichen Forums Menschen zu dem Thema Das Fremde befragen und portraitieren. Ich bin selber gespannt, was dabei herauskommt.

Ob in Frauen mit Visionen oder in Freier oder wie jetzt in Prostituierte, ihre Arbeiten sind immer sehr nah an den Protagonisten. Wodurch entsteht diese Nähe?
Ich denke, dass die Menschen mir zu recht vertrauen. Denn obwohl ich in vielen Fällen eine Haltung habe und so manche Handlungen von Menschen, wie zum Beispiel bei den Freiern, auch kritisch sehe, begegne ich ihnen offen.

Und das spüren die Menschen. Ich zeige sie vielleicht kritisch, aber niemals denunziatorisch.

Ihre Arbeit Prostituierte zeigt neun Frauen, die auf einem Straßenstrich zwischen Deutschland und Tschechien arbeiten. Wie viele Frauen haben Sie angesprochen, um diese neun Frauen zu fotografieren?
Zehn. Nur eine hatte aus persönlichen Gründen Bedenken.

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Auf dem längsten Straßenstrich Europas: Prostituierte erzählen ihre Wünsche

Mein Traum für die Zukunft? Ich hab' keinen Traum. Das hier mache ich jetzt seit zwei Jahren ... war in Frankfurt, Hamburg, Nürnberg, in Clubs. Mein Freund? Da ist nur einer mit seiner Familie. Aber die sind nicht so gut zu mir. - Andrea, 22, ohne Ausbildung, Prostituierte © Bettina Flitner

Mein Traum für die Zukunft? Ich hab‘ keinen Traum. Das hier mache ich jetzt seit zwei Jahren … war in Frankfurt, Hamburg, Nürnberg, in Clubs. Mein Freund? Da ist nur einer mit seiner Familie. Aber die sind nicht so gut zu mir. – Andrea, 22, ohne Ausbildung, Prostituierte © Bettina Flitner

Gabriela träumt von einem Prinzen auf einem weißen Pferd. Hübsch und jung muss er nicht sein. Marion träumt von einem besseren Leben für ihre Kinder, mit Häusern und allem was dazu gehört. Vanessa träumt von einer Reise in die Dominikanischen Republik. Dana will ihren Freund zurück, der eigentlich ihr Zuhälter ist.

Viele hundert Kilometer fuhr Bettina Flitner zusammen mit den Streetworkern der Organisation Karo e.V., die sich um Prostituierte kümmert, entlang des sogenannten längsten Straßenstrichs Europas, zwischen Deutschland und Tschechien.

Entstanden ist Wovon träumen Sie – eine neunteilige Portraitserie. Flitner fotografierte die Frauen, wo sie arbeiten: auf der Straße, im Gebüsch, im Wald. Jedes Portrait wird ergänzt durch eine Antwort.

Mein Traum? Ich will meinen Freund zurück! Es war alles so schön: Ich habe angeschafft, er hat auf mich aufgepasst. Irgendwann konnte ich die Miete nicht mehr bezahlen, da ist er gegangen. Ja, sicher, da gab's auch andere Frauen. Aber mich hat er wirklich geliebt. - Dana, 53, keine Ausbildung, Prostituierte © Bettina Flitner

Mein Traum? Ich will meinen Freund zurück! Es war alles so schön: Ich habe angeschafft, er hat auf mich aufgepasst. Irgendwann konnte ich die Miete nicht mehr bezahlen, da ist er gegangen. Ja, sicher, da gab’s auch andere Frauen. Aber mich hat er wirklich geliebt. – Dana, 53, keine Ausbildung, Prostituierte © Bettina Flitner

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Mit und ohne Kopftuch. Tanja Birkner fotografiert junge muslimische Frauen.

Mit und ohne Kopftuch © Tanja Birkner

Mit und ohne Kopftuch © Tanja Birkner

Mit und ohne Kopftuch © Tanja Birkner

Mit und ohne Kopftuch © Tanja Birkner

Muslima mit und ohne Kopftuch. Manche Frauen dieser Portraitserie tragen Kopftücher weil sie wollen, manche weil sie müssen. Wiederum andere haben das Kopftuch nur für die Fotografin angelegt. Sie tragen sonst kein Kopftuch.

Die Portraits geben keinen eindeutigen Aufschluss über persönliche und religiöse Hintergründe der Frauen. Dies soll so sein.

Was diese Reihe jenseits jeder kulturellen Festlegung so wichtig macht, ist ihre Wirkung. Selten sind verhüllte und nicht verhüllte Gesichter nebeneinander zu sehen. Obwohl man in die selben Gesichter schaut, meint man andere Gesichter, andere Frauen zu sehen. Durch den jeweils neutralen Hintergrund der Bilder, wird die Wirkung der Fotografien unterstrichen.

Tanja Birkner ist Kulturwissenschaftlerin und arbeitet seit 1999 als freie Fotografin und Dozentin in Hamburg. Zuletzt erschienen: Halbe Stunde im September 2015 im Sieveking Verlag.

Mit und ohne Kopftuch © Tanja Birkner

Mit und ohne Kopftuch © Tanja Birkner

Mit und ohne Kopftuch © Tanja Birkner

Mit und ohne Kopftuch © Tanja Birkner

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Buchverlosung: Fotografie & Recht

Hier kommentieren und mit etwas Glück Fotografie & Recht gewinnen.

Hier kommentieren und mit etwas Glück Fotografie & Recht gewinnen.

Unter den Neuerscheinungen 2015: Fotografie & Recht. Die wichtigsten Rechtsfälle für die Fotopraxis. Das Buch habe ich gestern hier ausführlich besprochen und kann nun ein Exemplar unter den Leserinnen und Lesern von Bildwerk3 verlosen.

Fotografie & Recht ist ein detaillierter und unterhaltsamer Ratgeber für alle die beruflich und privat mit Fotografie zu tun haben. Da heute jeder leicht Bilder im Netz veröffentlichen kann, ist dieses Buch nicht nur für ambitionierte Amateure oder für Fotografie-Profis gedacht, sondern richtet sich auch an Galeristen, Artbuyer aber auch an Lehrer oder Eltern.

Wer kennt spannende Fälle aus seiner eigenen Praxis als Fotograf. Welche Fragen hättet ihr an dieses Buch? Gewinnen kann, wer bis Montag 10:00 Uhr hier einen Kommentar hinterlässt oder diesen Beitrag bei Facebook teilt.

Dürfen Auftragsfotos für Eigenwerbung genutzt werden?

Fotografie und Recht (mitp Edition ProfiFoto): Die wichtigsten Rechtsfälle für die Fotopraxis

Fotografie und Recht: Die wichtigsten Rechtsfälle für die Fotopraxis

Sind Aktfotos von Minderjährigen strafbar? Wie sieht es mit der Erkennbarkeit von Abgebildeten Personen aus? Was gehört in einen Modelvertrag? Welche Besonderheiten gelten bei tätowierten Models? Ist Gefälligkeitsfotografie Schwarzarbeit?

Was muss ich als Fotograf beim Fotografieren in Hotels oder Mietwohnungen beachten und sind Aktaufnahmen in der Öffentlichkeit nicht nur anstößig, sondern verboten? Haben Ex-Partner Anspruch auf die Löschung intimer Fotos? Darf der Fotograf Auftragsfotos für Eigenwerbung nutzen?

Diese und weitere Fragen stellen und beantworten Daniel Kötz und Jens Brüggemann in ihrem aktuell erschienen Buch: Fotografie & Recht. Die Wichtigsten Rechtsfälle für die Fotopraxis.

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Meine Tage im Puff. Fotografin Bettina Flitner porträtiert Freier

Warum ich für Sex bezahle? Frauen gehen mir oft auf den Sack. Sie machen Stress. Dafür zu zahlen, das hat was. Ins Gesicht abspritzen kostet 50 extra. Eigentlich ist das Macht. Man kann mit der Frau machen, was man will. Christian, 23, Kaufmann, Single © Bettina Flitner

Warum ich für Sex bezahle? Frauen gehen mir oft auf den Sack. Sie machen Stress. Dafür zu zahlen, das hat was. Ins Gesicht abspritzen kostet 50 extra. Eigentlich ist das Macht. Man kann mit der Frau machen, was man will. Christian, 23, Kaufmann, Single © Bettina Flitner

Eine aufsehenerregende Fotoarbeit, ein spannender Bericht: Die Fotografin Bettina Flitner hat zehn Tage im Bordell verbracht. Warum zahlen Männer für Sex? Zehn Freier kommen zu Wort und erzählen von ihren Motiven. Die Fotografin hat Vertrauen aufgebaut und außergewöhnlich ehrliche Antworten erhalten.

Bettina Flitners Bericht über ihre Tage im Puff:

Es ist wenig los in der Lobby. Nur ein einzelner Mann checkt ein. Er hat seinen Rollkoffer abgestellt und schüttelt sich. Es regnet draußen, der Matsch klebt noch an seinen schwarzen Profilsohlen. Er öffnet seine wattierte Jacke und lockert den Schal. Die Frau am Empfang händigt ihm Bademantel und Badelatschen aus. Sie bindet ihm ein blaues Plastikbändchen um das Handgelenk.

Da macht der Fahrstuhl „ping“, eine Frau steigt aus. Sie stellt sich ebenfalls an die Empfangstheke. Eine knappe Frage an die Empfangsdame, ein kurzes Sortieren in ihrer Handtasche, ein rascher Blick auf den Mann. Die Frau ist vollkommen nackt. Nur an den Füßen trägt sie Schuhe, goldene Highheels. Der noch vollständig angezogene Mann mustert sie. Schaut auf den Busen, auf die Schenkel, auf den rasierten Venushügel. Die Frau kramt noch ein wenig in ihrer Handtasche, klappt sie zu, hängt sie über die Schulter und geht nach rechts ab.

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